Neubauer
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Kanzlerin Merkel mit Luisa Neubauer (l.) und Greta Thunberg.

Klimaaktivisten treffen Kanzlerin

Merkel erwägt, mutiger zu sein

Vier prominente Mitglieder der Klimaschutz-Bewegung „Fridays For Future“ (FFF) diskutieren mit der Bundeskanzlerin über die Erderwärmung.

Die pralle Mittagssonne brennt auf die vier Klimaaktivistinnen herab, als sie unweit des Kanzleramtes davon berichten, wie sie ausführlich mit Deutschlands Regierungschefin über die Erderwärmung diskutiert haben. Volle anderthalb Stunden hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag für Greta Thunberg, Luisa Neubauer und ihre belgischen Mitstreiterinnen Adélaïde Charlier und Anuna De Wever Zeit genommen. „Wir haben die ganze Zeit diskutiert“, fasst Neubauer den Austausch zusammen. Um deutsche, europäische und internationale Politik, vor allem aber auch den Kohleausstieg und die CO2-Bepreisung sei es gegangen. Sie seien dankbar gewesen für diese Möglichkeit.

Gemeinsam fordern die vier prominenten Mitglieder der Klimaschutz-Bewegung „Fridays For Future“ (FFF) grundsätzlich viel mehr Mut und Verantwortungsbewusstsein von Politikern wie Merkel. „Wir haben ihr gesagt, sie soll die Krise bekämpfen, wie in unserem Brief an die Staatschefs gefordert. Wir wollen einen Anführer oder eine Anführerin, der oder die andere Anführer dazu bringt, vorzutreten und Verantwortung für das Wohl der Menschen zu übernehmen“, beschreibt Thunberg ihre Erwartungen an die Regierungschefin.

Die deutsche FFF-Vertreterin Luisa Neubauer pflichtet der Schwedin bei: „Als Wissenschaftlerin hat Angela Merkel keine Entschuldigung, wissenschaftliche Hintergründe und Probleme der Klimakrise nicht zu kennen.“ Es gehe um Fakten, messbare Zahlen und es brauche endlich Aktionen und Veränderungen, so die Hamburgerin.

Das Statement aus dem Kanzleramt wirkt neben den deutlichen Forderungen der vier Aktivistinnen eher blass. Man sei sich darüber einig gewesen, dass „die Erderwärmung eine globale Herausforderung ist, bei deren Bewältigung den Industriestaaten eine besondere Verantwortung zukommt“. Immerhin: Auch Merkel betont, dass die Klimaziele des Pariser Abkommens konsequent eingehalten werden müssten.

Gerade dieses Bekenntnis ist jedoch ein Reizthema für Thunberg und Co. – denn an der konkreten Umsetzung durch die deutsche Politik lassen die Aktivistinnen kein gutes Haar. „Sie haben eine große Verantwortung. Sie haben die EU-Ratspräsidentschaft. Sie müssen die Pariser Klimaziele höher priorisieren. Wir haben Frau Merkel gefragt, wie sie es passieren lassen konnte, dass das noch nicht geschehen ist,“ bemängelte De Wever.

Die Belgierin Charlier machte am Tag des zweijährigen FFF-Jubiläums ihrem Unmut über die in ihren Augen verschlafene Klimapolitik Europas erneut Luft. „Nicht jeder hat die gleiche Verantwortung. Als Europäer leben wir privilegiert, stellen uns aber den Problemen nicht. Anderswo sterben bereits Menschen, die schon mit ihnen konfrontiert werden.“

Wozu Politiker fähig seien, hätten die Reaktionen auf die Corona-Pandemie bewiesen. „Überall tun Menschen extreme Dinge, das ist doch eine große Chance“, sagte De Wever.

Und wie hat Merkel reagiert? Nun, sagt die Belgierin Charlier, die Kanzlerin habe den vieren immerhin gesagt, „dass sie es in Erwägung ziehen wird, zu versuchen, mutiger zu sein“.

von Constantin Paschertz

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