Größte Kapitalerhöhung des Jahres

Merckle zieht sich zurück

Mit einer Kapitalerhöhung von rund 2,5 Milliarden Euro holt Heidelberg-Cement zum großen Befreiungsschlag aus. Der klamme Großaktionär Ludwig Merckle nutzt die Gelegenheit zu einem weitgehenden Rückzug. Von Jutta Maier

Von Jutta Maier

Pharma-Milliardär Adolf Merckle konnte die Vorstellung nicht ertragen, dass sein Firmenimperium zerschlagen werden würde - er nahm sich das Leben. So hing es an seinem ältesten Sohn und Alleinerben Ludwig, sich - angesichts der drastischen Verschuldung von acht Milliarden Euro - von dem Pharma-Riesen Ratiopharm und nicht zuletzt vom Löwenanteil an dem Baustoffhersteller Heidelberg-Cement zu trennen, um die Firmen-Gruppe zu sanieren.

Jetzt ist offenbar eine günstige Gelegenheit für den Rückzug gekommen: Heidelberg-Cement plant eine gewaltige Kapitalerhöhung um 50 Prozent, um seine Schulden abzutragen. Seit der Übernahme des britischen Baustoffherstellers Hanson liegen diese bei mehr als elf Milliarden Euro.

62,5 Millionen neue Aktien sollen ausgegeben und den Aktionären zum Bezug im Verhältnis 2:1 angeboten werden, voraussichtlich vom 24. September bis 9. Oktober. Der Bezugspreis wird am 22. September festgelegt. Es ist die mit Abstand größte Aktienplatzierung in Deutschland in diesem Jahr, die dem Unternehmen mindestens 2,4 Milliarden Euro einbringen könnte. Parallel setzt Heidelberg-Cement laut Finanzchef Lorenz Näger den eingeschlagenen Sparkurs fort, im laufenden Jahr sollen 470 Millionen Euro weniger ausgegeben werden. Die Aktie gab am Montag rund fünf Prozent nach und sackte zutiefst bis auf 39,70 Euro ein.

Wie gestern aus Finanzkreisen verlautete, tritt Ludwig Merckle seine Bezugsrechte an ein Bankenkonsortium unter der Leitung der Deutschen Bank und Morgan Stanley ab. Die neuen Aktien sollen an institutionelle Investoren wie Fonds verkauft werden. Darüber hinaus werden die Banken weitere 62,5 Millionen bestehender Aktien veräußern. Laut Finanzkreisen stammen sie komplett aus dem Besitz der Merckle-Familie. Deren Beteiligung könnte durch die Transaktionen von 72,4 Prozent auf bis zu 15 Prozent sinken.

Die Kapitalerhöhung fällt deutlich höher aus als erwartet, weil das Klima an der Börse günstig ist: Nach Angaben eines Insiders haben zahlreiche Investoren Interesse an größeren Paketen von mehr als drei Prozent an Heidelberg-Cement signalisiert. Mit einem deutlich höheren Streubesitz könnte das Unternehmen in den Dax aufsteigen - bisher verhinderte dies der hohe Anteil von Papieren in festen Händen. Rund 5,4 Milliarden Euro war der Konzern am Freitag an der Börse wert.

Ludwig Merckle könnte der Rückzug aus Heidelberg-Cement bis zu zwei Milliarden Euro in die leeren Kassen spülen - Geld, das er dringend braucht, um die Schulden seines Vaters abzutragen. Darüber hinaus könnte der in diesen Tagen anlaufende Verkauf von Ratiopharm Analysten bis zu 3,8 Milliarden Euro einbringen. Von dem Erlös hängt ab, ob Merckle auch den Pharma-Großhändler Phoenix verkaufen muss.

mit rtrr

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