Heidelberg-Cement

Merckle-Firma in Bedrängnis

Um die milliardenschweren Schulden bezahlen zu können, will sich Heidelberg-Cement von Unternehmensteilen trennen. In Deutschland trifft es die Kalksparte.

Heidelberg-Cement - nach eigenen Angaben drittgrößter Baustoffkonzern der Welt - blickt in eine düstere Zukunft: Die Baukonjunktur schwächelt, das Unternehmen selbst ist hochverschuldet und der Großaktionär, die Merckle-Gruppe, kämpft selbst mit Finanzproblemen.

Um die milliardenschweren Schulden bedienen zu können, will sich Heidelberg-Cement von Unternehmensteilen trennen. In Deutschland sei bereits der Verkauf der Kalksparte eingeleitet worden, teilte der Konzern am Montag mit. Dies betreffe zwei Standorte in Süddeutschland mit rund 200 Mitarbeitern. Insgesamt hatte der Global Player im vorigen Jahr 64.600 Beschäftigte, davon 4000 in Deutschland.

Alles außerhalb der Kernaktivitäten Zement, Sand, Kies und Beton stünden zum Verkauf, betonte Vorstandschef Bernd Scheifele. Dazu zählt er etwa die Geschäfte mit Betonröhren sowie Ziegeln.

Übernahme erhöht Schulden

Wegen der angespannten Finanzmärkte sind die Verkaufsbedingungen jedoch schwierig - zumal sich auch Konkurrenten wie Cemex und Lafarge nach starker Expansion in den vergangenen Jahren von Beteiligungen trennen wollen. Der Konzern selbst hat für den Verkauf eine relativ lange Zeit von zwei bis drei Jahren einplant.

Heidelberg-Cement hat 2007 den britischen Konkurrenten Hanson geschluckt. Das hat dem Konern zwar einen Umsatzplus beschert: Die Erlöse stiegen im vorigen Jahr durch Zukäufe in Großbritannien und anderen Ländern um 30 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. Der operative Gewinn "dürfte" von 1,8 Milliarden auf über zwei Milliarden gestiegen sein, teilte der Konzern etwas vage mit.

Allerdings sind durch den Hanson-Kauf auch die Schulden in die Höhe geschnellt: auf über zwölf Milliarden Ende September. Bis Dezember seien die Verbindlichkeiten gesunken, sagte Scheifele, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Nicht nur die eigenen Schulden machen dem Konzern zu schaffen, er ist auch von den Finanzproblemen der Großaktionärsfamilie Merckle betroffen. Merckle hält nach früheren Angaben über verschiedene Gesellschaften rund 80 Prozent der Anteile. Um von den Banken Kredite zu erhalten, könnte die Merckle-Familie versuchen, Anteilen zu verkaufen.

Hoffen auf Staatsausgaben

Es gebe "starkes Interesse" von "verschiedensten Investorengruppen", bei Heidelberg-Cement einzusteigen, sagte Finanzvorstand Lorenz Näger. Insidern zufolge sind die Investmentgesellschaften Goldman Sachs, TPG und Bain Capital interessiert. Am liebsten wollten sie die Mehrheit übernehmen.

So lange Merckle im Boot ist, ist eine Kapitalerhöhung zur Stärkung der Finanzbasis freilich schwierig, betonen Fachleute. Denn der Großaktionär könne sich an der Kapitalerhöhung nicht beteiligen. Zudem sehe ein Aktionärsbeschluss vor, dass nur eine relativ geringe Zahl neuer Aktien ausgegeben werden dürfe.

Einer größeren Kapitalerhöhung müssten die Eigner zustimmen - es sei aber fraglich, wie entscheidungsfähig Merckle zurzeit sei. Die Gruppe sucht nach Medienberichten zurzeit drei Treuhänder für ihre Unternehmen. Der früheres Patriarch Adolf Merckle nahm sich im Januar das Leben.

Heidelberg-Cement rechnet damit, dass Umsatz und Gewinn 2009 erstmals seit vielen Jahren sinken. Die weltweite Rezession habe nun auch die Zementnachfrage in Wachstumsmärkten wie Russland gedrückt, sagte Konzernchef Scheifele am Montag. Positive Impulse aus den staatlichen Konkunkturprogrammen erwartet Scheifele erst ab der zweiten Jahreshälfte. (rtr/ap/rt)

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