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Umstritten: Bio-Sprit.
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Umstritten: Bio-Sprit.

Bio-Sprit Mercedes

Mercedes testet neuen Bio-Sprit

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Mit einem Bio-Sprit der „zweiten Generation“ will Mercedes Benz einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Sunliquid20“ soll sich in einem einjährigen Flottentest behaupten. Doch schon jetzt gibt es Kritik vom Umweltbundesamt.

Mit einem Bio-Sprit der „zweiten Generation“ will Mercedes Benz einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Sunliquid20“ soll sich in einem einjährigen Flottentest behaupten. Doch schon jetzt gibt es Kritik vom Umweltbundesamt.

Bio-Sprit ist hoch umstritten. Nicht nur die „Teller oder Tank“-Debatte kratzt an seinem Image. Es gibt auch Untersuchungen, wonach der bisher übliche Agrar-Kraftstoff unter dem Strich mehr Treibhausgas verursacht als Sprit aus Erdöl. Biokraftstoff der „zweiten Generation“ soll diese Probleme lösen. Einen ersten Flottentest macht nun Mercedes-Benz.

Der neue Biokraftstoff heißt „sunliquid20“. Es ist ein Superbenzin, dem 20 Prozent Bioethanol beigemischt sind. Das besondere: Der Bioanteil wird dabei aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Weizen- und Mais-Stroh oder Bagasse, einem Abfallprodukt aus der Zuckerrübenverarbeitung, hergestellt. Der CO2-Ausstoß dieses Bioethanols liegt nach Angaben des Herstellers, des Spezialchemie-Herstellers Clariant, um 95 Prozent unter dem des Sprits aus Erdöl.

Oktanzahl über 100

Der Test soll ein Jahr lang laufen. In den Daimler-Motoren mit „Bluedirect“-Technologie lasse sich schon heute Benzin mit 20 Prozent Ethanolanteil problemlos verwenden, sagte Peter Lueckert, Leiter der Motoren-Entwicklungsabteilung beim Daimler-Konzern. Sunliquid20 hat laut Autobauer eine hohe Oktanzahl von über 100. Das biete „optimale Voraussetzungen für beste Wirkungsgrade und hohe Treibhausgas-Einsparung“.

Da noch unklar ist, wie schnell sich die von der Bundesregierung favorisierte Elektromobilität durchsetzen wird, fahren deutsche Autobauer „mehrspurig“. Daimler glaubt, neben Hybrid-, Batterie- und Brennstoffzellen-Antrieben könnten auch „nachhaltig hergestellte Biokraftstoffe einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“. Konkurrent Audi hingegen setzt auf die „Power-to-Gas“-Technologie, bei der überschüssiger Ökostrom etwa aus Windkraft in synthetisches Methangas umgewandelt wird.

Das Ethanol für Sunliquid20 kommt aus einer Pilotanlage von Clariant im bayerischen Straubing. Dort können derzeit 1000 Tonnen pro Jahr hergestellt werden. Clariant verweist aber darauf, dass weltweit noch große Mengen an Agrarreststoffen ungenutzt blieben. Mit Zellulose-Ethanol könne in Europa nach einer Potenzialabschätzung rund ein Viertel des für 2020 prognostizierten Benzinbedarfs gedeckt werden. „In Europa gibt es jährlich 300 Millionen Tonnen ungenutzte Agrar-Reststoffe“, sagte eine Clariant-Sprecherin. Davon könnten 60 Prozent entnommen werden, ohne dass Probleme für die Böden etwa durch verminderte Humusbildung entstünden.

Kritik vom Umweltbundesamt

Das Umweltbundesamt (UBA) sieht die Sache kritischer. Eine so hohe Entnahme von Stroh und anderer Reststoffe könne die Bodenfruchtbarkeit gefährden, hieß es dort auf FR-Anfrage. Das UBA geht davon aus, dass im Schnitt nur 25 Prozent der anfallenden Strohmengen nachhaltig genutzt werden könnten. Dies gilt nach Abzug bereits anderweitig genutzter Anteile, etwa für die Tierhaltung.

Insbesondere im Bereich des Individualverkehrs sieht das UBA den Einsatz von jeder Form von Biomasse als nicht zielführend an, da es sich dabei um knappe Ressourcen handele. Doch befürworten die UBA-Experten, Technologien zur sinnvollen Nutzung von Rest- und Abfallstoffen weiterzuentwickeln.

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