+
Das KBA hatte in dem Fall bereits im April ein formelles Anhörungsverfahren gegen Daimler eingeleitet.

Rückruf

Mercedes muss 60.000 Dieselautos zurückrufen

Verdacht auf illegale Abschalteinrichtung zur Abgasmanipulation.

Mercedes muss rund 60.000 Dieselautos des Modells GLK 220 mit der Abgasnorm Euro 5 zurückrufen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verhängte einen Zwangsrückruf gegen den Mutterkonzern Daimler, wie ein Unternehmenssprecher einen Bericht der "Bild am Sonntag" bestätigte. Das KBA wirft dem Autobauer vor, eine illegale Abschaltvorrichtung zur Abgasmanipulation eingesetzt zu haben. "Wir legen gegen den Bescheid Widerspruch ein", teilte der Daimler-Sprecher mit.

Das KBA hatte in dem Fall bereits im April ein formelles Anhörungsverfahren gegen Daimler eingeleitet. Betroffen sind Mercedes-Modelle, die zwischen 2012 und 2015 produziert wurden. Der Zwangsrückruf erging am Freitag.

Daimler erklärte, das Unternehmen kooperiere mit dem Kraftfahrt-Bundesamt. "Wir haben die beschriebene Funktion bereits im Mai 2018 dem KBA vorgestellt und seitdem in mehreren Besprechungen umfassend erläutert." Daimler bleibe bei seiner Rechtsauffassung: "Wir halten unsere Funktion für legal."

Laut "Bild am Sonntag" wird Daimler auch durch ein Experten-Gutachten des Bundesverkehrsministeriums belastet. Da der Hersteller rechtliche Schritte angekündigt habe, sei ein "renommierter Fachmann" beauftragt worden, die Software zu überprüfen. Das Gutachten bestätige die Einschätzung des KBA, dass eine illegale Abschaltvorrichtung eingesetzt worden sei. Der Daimler-Sprecher erklärte, der Konzern kenne dieses Gutachten nicht.

Laut "BamS" weitet das KBA aufgrund des Gutachtens die Ermittlungen auf weitere Modelle aus, in denen die Software eingesetzt wurde. Es handle sich um die Modelle der Motorbaureihen OM 642 und OM 651, betroffen sein könnten bis zu 700.000 Fahrzeuge.

Der Vize-Fraktionschef der Grünen, Oliver Krischer, kritisierte, Rückrufe mit einem Software-Update brächten wenig. "In den Autos ist eine so billige Abgasreinigung installiert, die die gesetzlichen Grenzwerte gar nicht einhalten kann."

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) müsse sich endlich zu einer Verpflichtung der Hersteller durchringen, damit die Abgassysteme vernünftig mit zusätzlicher Technik nachgerüstet werden, forderte Krischer. "Sonst bleiben die Fahrverbote in den Innenstädten noch viele Jahre bestehen." (afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare