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Trägt Ackermann eine Mitschuld am Freitod des Finanzvorstands?
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Trägt Ackermann eine Mitschuld am Freitod des Finanzvorstands?

Josef Ackermann

Der menschliche Ackermann

  • VonSebastian Wolff
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Nach dem Rücktritt des Top-Managers Josef Ackermann beim Versicherer Zurich wird über seine wahren Beweggründe spekuliert. Zumal die Familie des Finanzchefs Pierre Wauthier, der Selbstmord beging, schwere Vorwürfe gegen Ackermann erhebt.

Nach dem Rücktritt des Top-Managers Josef Ackermann beim Versicherer Zurich wird über seine wahren Beweggründe spekuliert. Zumal die Familie des Finanzchefs Pierre Wauthier, der Selbstmord beging, schwere Vorwürfe gegen Ackermann erhebt.

Der Titel des Buches ist pikant: Ausgerechnet „Späte Reue“ nennt sich die Biographie, die über Josef Ackermann in den nächsten Tagen erscheinen wird. Nun rätselt man in der Finanzwelt, ob es auch Reue ist, die den ehemaligen Chef der Deutschen Bank jetzt veranlasst hat, als Verwaltungsratspräsident des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich zurückzutreten.

Auslöser für Ackermanns überraschenden Rücktritt war das Ableben seines Finanzchefs Pierre Wauthier, der am Montag tot aufgefunden worden war und vermutlich Suizid begangen hat. „Der unerwartete Tod Pierre Wauthiers hat mich zutiefst erschüttert“, teilte Ackermann mit. „Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag“, fügte Ackermann hinzu. Um jegliche Rufschädigung zu Lasten von Zurich zu vermeiden, habe er deshalb beschlossen, mit sofortiger Wirkung zurückzutreten.

Schlechtes Gewissen

Der bemerkenswerte und dennoch etwas nebulöse Hinweis auf die Familie Wauthiers, die offensichtlich schwere Vorwürfe gegen ihn erhebt, sowie die anstehende Buchveröffentlichung eröffnen natürlich reichlich Raum für Spekulationen.

Einerseits weise Ackermann damit jede Mitschuld am Tod Wauthiers zurück, andererseits lasse er aber auch ein schlechtes Gewissen anklingen, heißt es in Finanzkreisen. Herrschte bei Zurich unter Ackermann ein Klima der Angst und des Misstrauens? Fühlte sich Wauthier womöglich sogar persönlich von Ackermann so stark unter Druck gesetzt, dass er sich das Leben nahm?

Tatsache ist: Seit Ackermanns Amtsantritt bei Zurich im März 2012 hat der Konzern einen Aderlass von Spitzenleuten zu verkraften. Unter anderem wechselte der Leiter des Sachversicherungsgeschäfts, Mario Greco, Mitte 2012 zum italienischen Konkurrenten Generali. Vor zwei Wochen ging der Leiter des Lebensversicherungsgeschäfts, Kevin Hogan, zur amerikanischen AIG.

Eine weitere Spekulation beschäftigt sich mit der Frage, ob Ackermanns Rücktritt auch in Zusammenhang mit Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft gegen ihn und andere frühere Vorstände der Deutschen Bank im Schadenersatzprozess der Kirch-Mediengruppe steht. So will die Staatsanwaltschaft Ackermann der Agentur Reuters zufolge im Rahmen ihrer Ermittlungen wegen Prozessbetrugs vernehmen.

Zeugen befragen

Hintergrund ist laut „FAZ“ der Verdacht, dass die gesamte frühere Führungsriege der Deutschen Bank das Gericht angelogen und dies zuvor sogar untereinander verabredet habe. Namentlich seien dies neben den früheren Vorstandschefs Ackermann und Rolf Breuer auch Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und der einstige Personalchef Tessen von Heydebreck. In den kommenden Wochen wolle die Staatsanwaltschaft mehr als eine Handvoll Manager der Bank als Zeugen befragen, so das Blatt. Die Erben des Medienunternehmers Leo Kirch machen das Geldhaus für die Pleite der Gruppe im Jahr 2002 verantwortlich und fordern Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Der heute 65-jährige Schweizer Staatsbürger Ackermann stand zehn Jahre lang, von 2002 bis 2012, an der Spitze der Deutschen Bank. In der Öffentlichkeit wurde er zum Symbol eines rücksichtslosen und arroganten Managers, weil er die Bank auf die ehrgeizige Eigenkapitalrendite von 25 Prozent trimmte und zugleich vor Entlassungen in großem Stil nicht zurückschreckte. Hinzu kamen Gesten wie das Victory-Zeichen im Gerichtssaal, als er zu den Angeklagten gehörte, denen im Mannesmann-Prozess Untreue zur Last gelegt wurde.

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