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MHK

Ein Meister am Herd

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Der Küchenspezialist MHK durchbricht beim Umsatz die Marke von sechs Milliarden Euro.

Den Zigarillo will sich Hans Strothoff im Empfangsraum seiner nigelnagelneuen Zentrale in Dreieich bei Frankfurt nicht nehmen lassen. Im Gegenteil, beim Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr dürfte sie dem Vorstandsvorsitzenden der MHK Group AG sogar besonders schmecken: 6,01 Milliarden Euro hat der Dienstleister für den Küchenfachhandel sowie für Sanitär-, Heizungs- und Wohnbaubetriebe im Jahr 2018 erwirtschaftet, das entspricht einer Umsatzsteigerung von 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Vor zehn oder 15 Jahren hätte ich nicht nur fünf Euro, sondern mehr dagegen gewettet, wenn mir jemand gesagt hätte, dass mal eine sechs davorsteht“, sagte Strothoff, den Zigarillo mittlerweile wieder weggelegt. Rund 86 Millionen Euro schüttete die Aktiengesellschaft 2018 an seine Teilhaber aus – 7,3 Prozent mehr als im Jahr davor. Kurzum, ein „hervorragendes Jahr 2018“.

Um die Kunden bei der Stange zu halten, hat sich der Küchen-Riese jedoch das ein oder andere einfallen lassen müssen. Denn die Kunden machten heute keine fünf oder sechs Besuche beim Fachhändler mehr, sondern höchstens zwei. Zuvor werde die persönliche Traumküche online zusammengesponnen. Genau da hat die MHK Group mit einer eigenen App angesetzt, mit der Kunden ihre Küche ausmessen und nach Belieben einrichten können. Zu dem digitalen Tool gehört auch ein Vorschlagsassistent, der die erste Planungsbasis liefert. „Mit den neuen Funktionen haben unsere Partner ein rundes Paket, um online Frequenz zu schaffen“, sagt Strothoff.

Einen Wermutstropfen trübt die Bilanz dann aber doch: Auch die Küchenbranche hat mit Fachkräftemangel zu kämpfen. „Ein echtes Problem“, bekennt Strothoff. Und die wenigsten Facharbeiter der mehr als 3000 angeschlossenen Firmen von MHK seien noch bereit, eine Küche in den dritten Stock zu liefern und die alte dann vielleicht noch runter zu tragen. Deshalb will der Küchenriese deutschlandweit einen eigenen Logistikprozess etablieren, um die Montageteams zu entlasten. Bislang müssten die Monteure nämlich noch schleppen, mitunter also auch in den dritten Stock. Das sollen künftig Mitarbeiter ohne Fachausbildung, dafür mit Muskelkraft machen.

Die braucht es nicht nur für die Küchenschränke und -armaturen – vorzugsweise in weiß oder schwarz, so der ungebrochene Farbtrend–, sondern auch für die Elektroeinbaugeräte, die bei einer MHK-Küche mitgeliefert werden. Und das wurden in den vergangenen Jahren immer mehr. 50 Prozent einer Küche bestünden inzwischen aus Elektroeinbaugeräten wie Kühlschrank, Herd oder gar Kaffeemaschine, so MHK.

Darauf führt es Strothoff auch zurück, dass die Küchen im Durchschnitt um drei Prozent teurer geworden sind. 13 751 Euro haben die Kunden im vergangenen Jahr durchschnittlich für ihre Traumküche ausgegeben. Unterm Strich mag auch das zu der guten Jahresbilanz des Küchenriesen beigetragen haben. Das Wachstumstempo will er in diesem Jahr nicht zwingend beibehalten: Solange er heuer sechs statt 8,3 Prozent zulegt, ist er zufrieden. Dann gibt es einen weiteren Rekord und der Zigarillo wird ihm in einem Jahr wohl wieder so gut schmecken.

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