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Mehrweg ist die Lösung

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Von: Hanna Gersmann

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Werden nur einmal verwendet: die Plastikeimer für Schnittblumen.
Werden nur einmal verwendet: die Plastikeimer für Schnittblumen. © imago images/Eibner

Beim sicheren Transport von Waren in die Geschäfte entstehen enorme Müllberge.

Zum Beispiel die Rosensträuße: Sie stehen im Supermarkt in Plastikeimern. Sind alle Blumen verkauft, landet der Eimer im Müll. „Nicht alles wird recycelt, aber selbst wenn, ist das noch immer Verschwendung pur, weil auch das viel Energie benötigt“, sagt Michael Meierhöfer vom Logistik-Konzerns Ifco mit Sitz in Pullach bei München. Er und sein Team haben nachgerechnet. Demnach schmeißen die Supermärkte in Europa 104 Millionen solcher Einweg-Eimer für Schnittblumen einfach weg – Jahr für Jahr. Genutzt wurden sie alle nur einmal.

Bislang ist häufig die Rede von Shampooflaschen, Plastiktüten, Unmengen Verpackungen im Online-Handel, jedoch selten von dem Müll, der anfällt, um die Ware erst einmal unbeschädigt in den Supermarkt, die Drogerie, den Handel zu bringen.

Dort türmt sich ein enormer Müllberg auf. Das zeigen Zahlen, die die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag der Naturschutzorganisation Nabu jetzt erstmals gesammelt hat. So entsteht zum Beispiel auf dem Weg eines Müslis – 750 Gramm, Pappkarton mit Innenbeutel – von der Herstellung bis zum Supermarkt 1,5-mal mehr Abfall als durch die Müsliverpackung selbst. Anderes Beispiel: 500 Gramm Tiefkühl-Gemüse im Beutel. Hier ist das Verhältnis noch erstaunlicher: Da fällt beim Transport bis zum Ladenregal mehr als dreimal so viel Verpackung an wie später Zuhause. Extremstes Beispiel: Für den Transport einer 500-Gramm-Nudelpackung aus Kunststoff werden fast sechsmal so viel Verpackungsmaterialien verbraucht wie für die Nudeln an sich.

Transportverpackungen machten im Jahr 2021 mit 5,5 Millionen Tonnen fast ein Drittel des gesamten Verpackungsmülls aus. Das Gros davon: Einwegverpackungen. Darunter: Folien, Paletten, aber vor allem Papier, Pappe und Karton. Denn oft werden Regalkartonagen genutzt. Das sind sehr stabilen Kartons, die samt Inhalt meist in Lebensmittelregalen stehen.

Das Papier, die Pappe, der Karton bestünden nicht nur aus Altpapier, für sie würden jedes Jahr etwa 600000 Tonnen Primärfasern, also frisches Holz verbraucht, erklärt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Im Jahr gehen dafür 1,2 Millionen Stämme Nadelholz drauf.“ Das entspreche einer Fläche von knapp 7500 Fußballfeldern. Überdies sei auch das Papierrecycling „energieintensiv“.

Die Lösung: Mehrweg. Sagen Naturschützer:innen. Schon nach drei bis sechs Umläufen sei eine Kunststoff-Mehrwegkiste, deren Produktion zwar aufwendiger sei als die der Einweg-Alternative, ökologisch günstiger. Nur: Noch macht der Anteil bei den Transportverpackungen magere 13 Prozent aus.

Es sei immer noch am billigsten, alles einfach in den Müll zu werfen, anstatt die Behälter zu reinigen und dann wieder auszuliefern, erklärt Michael Jedelhauser, Nabu-Experte für Kreislaufwirtschaft. Doch Deutschland wolle raus aus der Wegwerfgesellschaft, die Bundesregierung in den kommenden Monaten eine nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie entwickeln. Jedelhauser fordert eine „steuerliche Besserstellung von Mehrweg oder einer Verteuerung von Einweg“.

Immerhin bei den Rosen tut sich etwas. Ifco bietet bereits seit längerem Mehrwegsysteme für Obst, Gemüse, Fisch, Milch und Eier an und ist damit weltweit führend. Nun kommen Mehr- wegeimer für Schnittblumen dazu. Meierhöfers Leute liefern die Eimer an die großen Umschlagplätze für Schnittblumen aus und sammeln sie auch wieder ein. Nach einer speziellen Reinigung geht alles von vorne los. „Säubern und Transport kosten Energie, aber nicht so viel wie die Produktion von Millionen von Kunststoffeimern“, sagt Meierhöfer. Der Discounter Penny, der bisher nach eigenen Angaben eine Million Einweg-Eimer pro Jahr verwendet, will sie nun als erster Lebensmittelhändler einführen.

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