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Mehr Spritschlucker

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Bei sinkenden Ölpreisen werden weniger spritsparende Autos entwickelt.
Bei sinkenden Ölpreisen werden weniger spritsparende Autos entwickelt. © Alex Kraus

Sprit ist so günstig wie lange nicht. Mit den sinkenden Spritpreisen kaufen die Menschen vermehrt wieder schwere, PS-starke Autos. Der Anreiz für Hersteller, umweltfreundliche Technologien zu entwickeln, nimmt ab.

Diesel-Kraftstoff gab es gestern an vielen Tankstellen für 1,23 oder 1,24 Euro  pro Liter. Solche Preise haben die Autofahrer zuletzt 2010 in der globalen Finanzkrise gesehen. Dabei hatten viele Experten prognostiziert, dass die Zeit billigen Sprits endgültig vorbei sei und dass die Pkw-Halter sich daran gewöhnen müssen, für den Sprit deutlich mehr an der Tankstellenkasse zu zahlen.  Dies wurde von Wissenschaftlern und Automobilmanagern als wesentliches Argument für die Entwicklung neuer Antriebe und alternativer Kraftstoffe genannt. Und nun?

Der Harvard-Wirtschaftswissenschaftler James Stock warnt: Es werde mehr Nachfrage nach Erdölprodukten geben und weniger Anreiz für alternative Technologien. Ferdinand Dudenhöffer, Autoprofessor an der  Uni Duisburg-Essen, sagt sogar, dass der Preisverfall für viele Innovationen „nahezu das Aus“  bedeute und dass die Nachfrage nach sparsamen Autos weiter nachlasse. 

Trend zu PS-Protzen setzt sich fort

Dudenhöffer weist in einer Analyse  zurückreichend bis 2006 nach, dass sich parallel zum Benzinpreis der Marktanteil der Kleinen entwickelt hat. Ausreißer war lediglich das Jahr 2009, als durch die Abwrackprämie die Nachfrage nach Polo, Corsa oder Fiesta hochgetrieben wurde.

Liegt Dudenhöffer mit seinen Beobachtungen richtig, könnte sich der Trend zu immer schwereren und stärkeren Autos auf Deutschland Straßen fortsetzen. Wobei die Spritpreise mutmaßlich nur ein Faktor sind. Die relativ gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre, aber auch die immer attraktiveren Finanzierungsmöglichkeiten haben den Kauf großer, PS-starker Boliden begünstigt.

Gleichwohl  bedeutet die Entwicklung aber auch, dass aus den ambitionierten Pläne, mehr umweltfreundliche Autos mit Hybrid-, Erdgas- oder Elektroantrieb auf die Straße zu bringen, wohl nichts wird. Zumal die von der Politik vorgegebenen Abgasnormen zu keinerlei Anstrengungen für die Entwicklung innovativer Konzepte ermuntern. Die EU hat sich darauf geeinigt, dass die Grenzwerte, die Europas Autobauer heute schon erreichen (130 Gramm CO2 pro Kilometer), bis 2021 gelten werden. Die danach vorgeschriebenen 95 Gramm schaffen derzeit die meisten Klein- und Kompaktwagen auch schon. 

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