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Die kleinen, feinen Möbelläden in den Innenstädten bekommen Konkurrenz von den großen Ketten.

Möbelhäuser

Ikea und Mömax: Alle wollen in die City

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Die Einrichtungshäuser liefern sich einen harten Verdrängungskampf. Der Markt schrumpft. Es geht ums Überleben.

Nach der Arbeit nochmal kurz mit der U-Bahn oder dem Fahrrad zum Möbelhändler in der Innenstadt vorbeischauen; Probe sitzen, Kleinigkeiten kaufen oder sich per Virtual Reality den Raum einrichten lassen, das gibt es noch recht selten in Deutschland. Meist müssen die Kunden zu großen Palästen an den Stadtrand fahren. Doch gerade Jüngere haben gar kein Auto mehr.

Der Trend geht in die City, sagen Experten. Ikea hat das längst erkannt. Der schwedische Möbelhändler will in den Innenstädten kleinere Läden mit unterschiedlichen Konzepten eröffnen, in 30 Teststädten weltweit. Shops mit 5000 bis 7000 Quadratmetern, wo die Kunden größere Möbel wie Regale, aber auch Accessoires mitnehmen können. Außerdem kleinere Filialen, in denen sie nicht einkaufen, aber ihre Einrichtung planen können, etwa mit einer Virtual-Reality-Brille.

Ikea und Mömax liefern sich einen harten Wettbewerb

Der Wettbewerb ist hart auf dem deutschen Möbelmarkt, der im vergangenen Jahr mit sinkenden Besucherzahlen und Umsatzeinbußen zu kämpfen hatte. Mit einem Umsatz von rund fünf Milliarden Euro liegt Ikea vor der XXXLutz-Gruppe. Doch die Österreicher setzen an, um die Schweden zu überholen. „Wir wollen die Nummer eins im deutschen Möbelhandel werden“, gab sich jüngst Mitinhaber und Geschäftsführer Andreas Seifert in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ angriffslustig. Noch hält die Gruppe allerdings an den großen Verkaufsflächen fest. Aber auch sie plant kleinere Standorte in den Innenstädten.

„Das klassische Modell mit einem riesigen Palast auf der grünen Wiese funktioniert nicht mehr“, sagte jüngst Marc Appelhoff, Chef des Online-Händlers Home24 in einem Interview. Für viele Möbelhäuser sei der Umzug in die City aber nicht ohne weiteres möglich, da sie zum Beispiel in teure Immobilien investiert hätten, die noch nicht abgeschrieben seien. Heute lebten viele der bekannten Möbelhäuser von dem, was sie über die Jahre verdient hätten, in denen es der Branche gut ging. „Das wird auf Dauer aber nicht funktionieren.“

XXXLutz expandiert

XXXLutz will mit Übernahmen den Weg an die Spitze schaffen. Die Gruppe, die vergangenes Jahr Möbel Brügge und Müllerland übernahm und zu der auch 41 Mömax-Mitnahmemärkte gehören, expandiert stark. Sie schluckt kleine, aber auch größere Wettbewerber, wie zuletzt Poco. Mit den Einnahmen des Discounters schaffte sie es auf 3,8 Milliarden Euro Umsatz. In Deutschland betreibt die Firma 48 Einrichtungshäuser. Jährlich eröffnet XXXLutz im Schnitt sechs weitere Möbelhäuser

Der Verdrängungswettbewerb ist hart. Die zehn größten Unternehmen machen heute mehr als die Hälfte des Branchenumsatzes aus. Der lag vergangenes Jahr bei rund 33 Milliarden Euro. Während insgesamt die Verkaufsfläche in den vergangenen Jahren gewachsen ist, sank die Zahl der Möbelhäuser. Rund 9000 zählte zuletzt das Statistische Bundesamt.

„Die Möbelbranche kann intern nicht mehr wachsen, also versuchen sie es extern, mit Übernahmen“, sagt Uwe Krüger, Möbelexperte des Instituts für Handelsforschung in Köln (IFH). Gerade die kleineren, solitär aufgestellten Möbelhäuser ständen daher unter Druck, so Krüger. Lange Zeit waren sie geschützt durch Einkaufsverbände. Mehr als 80 Prozent aller Handelsbetriebe sind darin organisiert und haben durch ihre Kooperationen Einkaufsvorteile. Einer der größten ist Giga International, der wiederum zur XXXLutz-Gruppe gehört.

Die Gruppe könne kleinen Firmen helfen, ihren traditionsreichen Möbelhandel in die Zukunft zu führen, sagt Pressesprecher Volker Michels, sei es durch einen Verkauf, eine Kooperation oder eine Partnerschaft. Für viele Händler sei die Option über Giga International einzukaufen und das XXXLutz-Know-how zu nutzen eine attraktive Möglichkeit, sich am Markt zu behaupten und den Namen als Marke fortzuführen. Dies zeigten viele Beispiele wie etwa Hiendl, Neubert oder Mann Mobilia. Gemeinsam seien die Standorte langfristig gesichert und weiterentwickelt worden.

Angst vor dem Möbelhaussterben

Die Konzentration der großen Händler wird weiter zunehmen, ist sich IFH-Experte Krüger sicher. Gerade erst habe Höffner etwa den Paderborner Möbelhändler Finke übernommen. Höffner, ebenfalls wachstumsfreudig, liegt auf Rang drei der Marktführer einer generell mittelständisch geprägten Einzelhandelsbranche. Viele Experten erwarten in den kommenden Jahren ein Möbelhaussterben. Home24-Chef Appelhoff glaubt, dass das Einkaufserlebnis nicht mehr den Kundenerwartungen entspreche. Viele große Möbelhäuser seien viel zu vollgestellt, unübersichtlich und böten kaum Beratung.

Insgesamt geht der Umsatz mit Möbeln in Deutschland zurück. „Und wird auch weiter sinken“, sagt Krüger. Die Möbelaffinität der Deutschen sei zwar ausgeprägt und die konjunkturellen Rahmenbedingungen seien gut, aber der Bedarf an Möbeln sei überwiegend gedeckt.

Wettkampf der Rabattangebote

Um Kunden anzuziehen, versuchen sich die Firmen mit Rabattangeboten zu überbieten. In der Möbelbranche werde mehr über den Preis verkauft als über die Werte, bedauert Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM). „Da wird gefeilscht wie auf dem Basar. Diese Rabattschlachten ärgern uns als Industrie.“ Tolle Qualität, Materialien oder Design sollten eher im Vordergrund stehen. Ikea mache es da besser, die hätten andere Ideen. „Sie haben es geschafft sich eine Community aufzubauen und verbinden Einkauf mit leckerem Essen, da geht man gerne hin.“

Doch der Bummel durch das Möbelhaus könnte vom Stöbern im Internet bald abgelöst werden. Noch sind die Online-Bestellungen von Möbeln in Deutschland vergleichsweise gering. Nach Angaben des Handelsverbands Möbel und Küchen (BVDM) wurden zuletzt rund zehn Prozent des Umsatzes mit Möbeln, Küchen und Einrichtungsgegenständen online erwirtschaftet. Doch die Zahl wird steigen, ist sich die Branche einig.

Immer mehr bestellen Möbel online

Vor allem die jüngere Generation bestellt ihre Möbel sehr viel lockerer online, sagt Geismann. Gerade die Mischung aus online und Läden sei erfolgreich, das mache der Handel noch zu wenig. Home24 setzt auf die Verknüpfung von Online-Shops und Ausstellungsräumen in mehreren deutschen Städten. Hier können die Kunden gucken, Probe sitzen, fühlen – und dann bestellen.

Aber auch reine Online-Händler wie Made oder Westwing werden immer beliebter. Konkurrenten für die Branchengrößen sind auch Otto, Tchibo oder Amazon, die im Netz Einrichtung anbieten. Otto rangiert bereits auf Platz eins der Möbelhändler im Netz und auf Rang vier der führenden deutschen Möbelhändler.

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Onlineanteil zweistellig ist und damit anderen Kategorien folgt wie zum Beispiel Mode, Schuhe, Elektronik oder Bücher“, prognostiziert Appelhoff. Mittelfristig rechne er sogar mit einem Anteil von über 20 Prozent.

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