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5G soll bis zu 100 Mal schneller als 4G sein.

Mobilfunk

Mehr als fünf Milliarden für 5G

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Die Auktion der Mobilfunk-Frequenzen bringt mehr Geld als gedacht. Das liegt vor allem an dem Newcomer 1&1 Drillisch.

Jetzt ist es doch passiert. Die Gebote bei der Versteigerung der 5G-Frequenzen sind über die Schwelle von fünf Milliarden Euro gesprungen. Nach der 177. Runde hatten sich die vier Unternehmen am Donnerstag auf Gebote mit einer Gesamtsumme von 5,14 Milliarden Euro hochgeschraubt. Der maßgebliche Grund für den unerwarteten Wettstreit der Bieter: Mit 1&1 Drillisch hat ein Newcomer die Bühne betreten, der die Mobilfunk-Branche in den nächsten Jahren ziemlich aufmischen dürfte. Bislang betreiben nur die Deutsche Telekom, Telefonica/O2 und Vodafone Funknetze für Smartphones.

Im Vorfeld der Auktion hatte es in Bieterkreisen immer wieder geheißen, dass man die Kosten für die Erlaubnis zum Funken begrenzen wolle, weil auf die Unternehmen noch ein sehr kostspieliger Ausbau der Netze zukommt. So müssen die Erwerber der Lizenzen bis 2022 mit ihren Netzen 98 Prozent der Haushalte, alle Autobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde versorgen, was weitgehend mit der etablierten 4G-Technik umgesetzt wird.

Ein Großteil der Experten taxierte, dass zwei bis vier Milliarden Euro bei der Auktion zusammenkommen. Von den Mobilfunkunternehmen war immer wieder zu hören, dass mit den 5000 Millionen eine Schmerzgrenze erreicht werde, über die man tunlichst nicht hinausgehen wollte. Nun wird der Staatskasse doch noch ein heftigen Geldregen beschert, wobei die Einnahmen für den Ausbau der Telefon-Festnetze eingesetzt werden sollen.

Drillisch überrascht

Die drei etablierten Betreiber der Mobilfunknetze waren sich eigentlich schon vor Beginn der Versteigerung weitgehend einig, wer welche Stücke vom Kuchen bekommen soll. Jedes Unternehmen braucht eine bestimmte Anzahl von Frequenzabschnitten, um künftig seine Kunden mit der neuen superschnellen Mobilfunktechnik versorgen zu können, die bis zu 100 Mal schneller als 4G sein soll, aber frühestens Mitte des nächsten Jahrzehnts flächendeckend zur Verfügung stehen wird.

Auch wusste jeder Bieter, was die anderen benötigen. Man hätte sich also auch an einen Tisch setzen und die Frequenzblöcke untereinander aufteilen können. Doch dann kam Drillisch hinzu – ein Unternehmen, das bislang keine eigenen Mobilfunknetze hat und stattdessen Netz-Kapazitäten bei den drei anderen Unternehmen zu Großhandelskonditionen einkauft und sie an seine Kunden weitergibt.

Zunächst wurde vermutet, dass das Unternehmen sich auf eine Art Wadenbeißer-Rolle beschränkt, damit droht, die Preise nach oben zu treiben, um so den Boden für günstige Konditionen bei künftigen Geschäften mit den großen Drei zu bereiten. Drillisch preschte dann auch gleich in der ersten Runde mit hohen Geboten vor, die zu dieser Strategie passen würden. Doch nun ist klar: Drillisch will sich als neuer Netzbetreiber durchsetzen.

Die Bundesnetzagentur hat als zuständige Behörde insgesamt 41 Frequenzblöcke im Angebot. Auf alle können die Vier in jeder Runde gleichzeitig bieten, sie wissen aber nicht, was die anderen tun. Kommen keine Gebote mehr, ist die Auktion beendet.

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