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Mehr als nur Umsatz und Gewinn

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Von: Tobias Schwab

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So sah Buchhaltung früher aus. Vieles hat sich seitdem geändert, weiteres sollte sich ändern.
So sah Buchhaltung früher aus. Vieles hat sich seitdem geändert, weiteres sollte sich ändern. © Imago

Unternehmen sollen in ihren Geschäftsberichten auch die Umweltwirkungen und sozialen Folgen ihrer Produktion darstellen. Ein Bündnis hat für Lebensmittelfirmen jetzt ein Handbuch herausgegeben, das helfen soll, die wahren Kosten zu ermitteln.

Das Ziel einer ehrlicheren Bilanzierung findet sich auch im Koalitionsvertrag der Ampelregierung. „Ökologische und gegebenenfalls soziale Werte“ sollten „im Dialog mit der Wirtschaft“ stärker in die Rechnungslegung integriert werden, heißt es dort. Konkret geht es darum, dass die betriebliche Buchführung die Wirkung von Unternehmensaktivitäten auf Mensch und Natur besser abbildet. Bilanzen sollen nicht mehr nur Kennzahlen wie Gewinn und Umsatz ausweisen, sondern auch Umweltwirkungen und soziale Folgen darstellen.

Einen Ansatz dazu hat die Value Balancing Alliance (VBA) erarbeitet, ein Netzwerk aus mehr als 20 großen Unternehmen wie BASF, Deutsche Bank und Porsche. Die VBA will eine Methodik bereitstellen, die auf ganzheitliche Weise den positiven und negativen Wertbeitrag von Unternehmen für Gesellschaft und Umwelt misst.

Die Nichtregierungsorganisationen Nabu, Germanwatch und WWF haben die VBA-Methodik jüngst kritisiert, weil sie etwa die planetaren Belastungsgrenzen nicht zentral berücksichtige, das Konzept sich nicht klar an gesellschaftlichen Zielen orientiere und Menschenrechte nicht der fundamentale Bezugspunkt seien.

Einen eigenen Ansatz verfolgt für den Nahrungsmittelsektor die Initiative „True Cost - From Costs to Benefits in Food und Farming“, der Unternehmen wie Eosta, Gepa, Hipp, Lebensbaum, die Martin Bauer Group, Primavera, die GLS Bank und das Hilfswerk Misereor angehören. Geleitet wird das Bündnis vom Thinktank TMG und der Beratungsfirma Soil & More Impacts. Ergebnis der gemeinsamen Arbeit ist das jüngst vorgestellte „TCA AgriFood Handbuch“.

Ziel des Projekts ist es, Unternehmen ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem sie die positiven wie negativen Wirkungen ihres Unternehmens messen könnten, erläutert TMG-Mitgründer Alexander Müller. „Die meisten Firmen wissen immer noch viel zu wenig über ihre Produkte, vor allem über ihre Vorlieferanten“, sagt der ehemalige Staatssekretär im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft und frühere Vizegeneraldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen.

Von den Folgen für die Biodiversität bis hin zur Frage, ob Kinder beschäftigt würden und wie Arbeiter:innen in der Lieferkette entlohnt würden, liege oft vieles im Dunkeln. Das frei verfügbare Handbuch biete Lebensmittelfirmen eine praktische Methode, um bisher versteckte Kosten zu messen und zu bepreisen, so Müller.

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