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Die Wall Street in New York: Die im Aktienindex Nasdaq 100 notierten Tech-Titel schießen seit Beginn des Jahres in die Höhe.

Kapitalmarkt

Mehr Aktien fürs Geld

  • vonStefan Winter
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Der Boom der Technologiewerte stellt Unternehmen wie Apple und Tesla vor ein Problem: Ihre Papiere sind Privatanlegern zu teuer. Ein technischer Kniff soll die Kurse wieder sinken lassen.

Mit Billigpreisen haben weder Apple noch Tesla viel am Hut. Ob Smartphones oder Elektroautos: Beide rangieren eher am oberen Ende der Preisskala. Das hat die Konzerne so erfolgreich gemacht, dass der Preis ihrer Aktien zum Problem geworden ist: Beide Papiere sind abschreckend teuer geworden. Nun soll ein Aktiensplit sie wenigstens optisch billiger machen.

Andere Konzerne könnten folgen, denn in den USA boomen seit Monaten die Technologieaktien – mancher Kurs ist vierstellig. Der Index Nasdaq 100, in dem von Apple bis Zoom Video die 100 wichtigsten Technologieaktien der USA versammelt sind, hat sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt, der Corona-Crash vom März ist in der Kurve nicht mehr als ein kleiner Knick. Und Tesla ist sogar in ganz anderen Sphären unterwegs: Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs ungefähr verfünffacht.

Treiber sind die niedrigen Zinsen und die Digitalisierung, die durch die Corona-Krise noch beschleunigt wird. Viel Geld sucht Anlagemöglichkeiten und findet die größten Chancen in Aktien. Während aber die klassischen Industrieunternehmen unter der Krise leiden, spüren etwa die Internetkonzerne wenig davon – und haben in Zeiten von Lockdown und Homeoffice größere Chancen denn je. So bricht der Nasdaq-Index kein halbes Jahr nach dem Crash täglich Rekorde. Und einige Aktienpreise steuern in Höhen, die zumindest Kleinanleger abschrecken.

Apple und Tesla nutzen deshalb einen technischen Kniff, damit sie wieder ein bisschen erschwinglicher werden: Beide machen einen Aktiensplit. Von diesem Montag an sind die Papiere scheinbar nur noch einen Bruchteil wert. Dafür gibt es aber auch mehr von den Anteilen. Fast 500 Dollar kostete eine Apple-Aktie am Freitag, umgerechnet rund 420 Euro. Fortan dürften es noch rund 125 Dollar sein. Wer bisher eine Apple-Aktie hatte, besitzt künftig vier. Ein Tesla-Papier war mehr als 2200 Dollar wert, jetzt sind es noch rund 440 Dollar. Aus einer Tesla-Aktie werden fünf.

Am Wert der Unternehmen ändert das genauso wenig wie am Vermögen ihrer Aktionäre. Der gleiche Kuchen wird einfach in mehr Stücke geteilt. Und das Motiv ist ähnlich simpel: Die Aktien sehen billiger aus – es ist nicht anders als bei Sonderangeboten oder Ratenkauf. Vor allem Privatanlegern fällt es so leichter, über die Kaufhürde zu kommen, und sie können ihr schmales Budget besser auf verschiedene Aktien verteilen. Das ist gerade an der US-Börse ein entscheidender Faktor, denn dort spielen die Privatanleger eine viel größere Rolle als in Deutschland.

Rund ein Drittel aller US-Aktien liegt direkt in der Hand von Privatleuten, während deren Anteil im Deutschen Aktienindex (Dax) nur gut halb so groß ist.

Bei Apple gibt es allerdings noch ein anderes Motiv für den Split: Durch den rapiden Kursanstieg hat die Aktie Übergewicht im Dow-Jones-Index bekommen. Dort sind die 30 Aktien nämlich nicht – wie etwa beim Dax – nach dem Wert des ganzen Unternehmens gewichtet, sondern der Preis der einzelnen Aktie spielt eine wichtige Rolle. Experten halten das für eine Fehlkonstruktion, aber auch diverse Korrekturen haben nichts Grundsätzliches geändert. So dominiert die Apple-Aktie wegen ihres hohen Kurses im Moment den Index. Nach dem Split wird sich das Papier bei den Kleineren einreihen.

Am Ende verfolgt auch die Teilung nur ein Ziel: Die Aktie soll noch attraktiver werden und ihr Preis – also der Wert des Unternehmens – steigen. Nur eben von einer niedrigeren Basis. Vier Mal hat Apple diesen Kniff seit Ende der 1980er Jahre schon angewendet -und immer wieder stieg der Kurs danach höher.

Auch dieses Mal ist der Effekt schon zu beobachten. Seit Ankündigung des Aktiensplits sind die Kurse beider Aktien schon wieder massiv geklettert. So wird bereits spekuliert, dass andere Unternehmen folgen könnten. Eine Amazon-Aktie etwa kostet nach dem Anstieg um 80 Prozent innerhalb eines Jahres 3400 Dollar. Beim Google-Mutterkonzern Alphabet sind es 1600 Dollar und beim Reiseportalbetreiber Booking 1900 Dollar.

Apple verdankt seinen jüngsten Kursschub vor allem den guten Geschäftszahlen. Im vermeintlichen Krisenquartal von Anfang April bis Ende Juni hat der Konzern 59,7 Milliarden Dollar Umsatz gemacht, Elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Unterm Strich blieben 11,25 Milliarden Dollar Gewinn, ein Anstieg um zwölf Prozent. Apple ist also nicht nur hochprofitabel, sondern bisher auch krisenfest. Der Börsenwert – also der Gesamtwert aller Aktien – liegt bei rund zwei Billionen Dollar. Apple ist damit aktuell das wertvollste Unternehmen der Welt.

Tesla machte zuletzt keinen Verlust mehr – und das ist schon ein großer Erfolg. Denn lange wurde spekuliert, dem E-Auto-Pionier könnte Geld ausgehen. Doch danach sieht es nicht aus, und nun setzen viele Anleger darauf, dass Tesla so etwas wie das Apple des Autogeschäfts werden könnte. Nach dem rapiden Kursanstieg ist das Unternehmen an der Börse mehr als 400 Milliarden Dollar wert.

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