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Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, will in die Verteilung von Arzneimitteln eingreifen.

Engpässe bei Arzneien

Medikamente auf Lager halten

Gesundheitsminister Spahn dringt auf Lösung für Lieferengpässe von Arzneimitteln. Im Gespräch: eine Meldepflicht für Pharmafirmen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will stärker gegen Arznei-Lieferengpässe vorgehen. „Patienten erwarten zu Recht, dass sie dringend notwendige Medikamente unverzüglich bekommen“, sagte der CDU-Politiker am Montag laut Mitteilung. „Das ist momentan leider zu häufig nicht der Fall.“ Der Bund werde daher wieder stärker in die Verteilung von Arzneien eingreifen.

Der Apothekerverband ABDA warnt immer wieder vor Lieferengpässen bei gängiger Medizin wie Schilddrüsenarzneien, Medikamenten gegen Gicht oder Ibuprofen-Schmerzmitteln. „Die Lieferengpässe haben in den vergangenen Jahren zugenommen“, sagte Vizepräsident Mathias Arnold der dpa. Die Zahl nicht verfügbarer verschreibungspflichtiger Arzneien hat sich laut ABDA fast verdoppelt: Von 4,7 Millionen Packungen 2017 auf 9,3 Millionen im vergangenen Jahr.

Als Gegenmaßnahme strebt Spahn eine Meldepflicht an. Damit könnte Pharmafirmen und Großhändlern vorgeschrieben werden, Behörden über Lagerbestände und drohende Lieferengpässen bei versorgungsrelevanten Arzneien zu informieren. Bisher gibt es nur freiwillige Angaben, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erfasst. Auch sollen künftig behördliche Vorgaben an Pharmafirmen und Großhändler zur Lagerhaltung von wichtigen Medikamenten erlaubt sein, so Spahn. Die Maßnahmen sind Teil von laufenden Gesetzesinitiativen.

Dazu zählen auch mögliche Abweichungen von Rabattverträgen zwischen Krankenkassen und Pharmaunternehmen. Dabei bekommen Kassen von Pharmafirmen Preisnachlässe für garantierte Mindestabnahmen. Apotheker sind so darauf beschränkt, je nach Kasse des Patienten nur ein Medikament bestimmter Arzneifirmen abzugeben. Spahn will das ändern: Wenn Rabatt-Arzneien nicht zur Verfügung stehen, sollen Apotheker künftig nach 24 Stunden alternative Mittel abgeben dürfen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat fast 290 Meldungen über Lieferengpässe bei Medikamenten erfasst – bei rund 103 000 zugelassenen Arzneimitteln in Deutschland. Bei Lieferengpässen können aber oft alternative Medikamente verabreicht werden.

Doch das bleibe oft nicht ohne Folgen, warnt Arnold. „Das sind nicht die Mittel, auf die die Patienten eingestellt sind und nicht zwingend die, die sie am besten vertragen.“ Hormone in Schilddrüsenmedikamenten etwa würden in Mini-Dosierungen verabreicht. „Wenn Firma B die Pillen anders presst, macht das schon einen Unterschied.“ Patienten müssten dann von ihrem Arzt anders eingestellt werden.

Auch bei Apothekern kosten Lieferengpässe Zeit: Helfen eine größere Packung oder doppelt so starke Tabletten, die der Patient teilen muss? Muss der Arzt das Rezept ändern? Das zehrt an den Nerven. Für neun von zehn selbstständigen Apothekern zählen Lieferengpässe zu den größten Ärgernissen im Alltag, so die ABDA. (dpa)

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