Wechsel in der SAP-Führung

McDermott beglückte die Aktionäre

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Warum der SAP-Chef dennoch gehen muss.

Vor uns liegt eine fantastische Zukunft“, sagte SAP-Chef Bill McDermott am Freitag. Nur: Diese Zukunft wird er nicht mehr als Topmanager bei Europas größtem Softwarekonzern erleben. Mit der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal hat das Walldorfer Unternehmen überraschend den sofortigen Rücktritt McDermotts bekannt gegeben. Bis zum Jahreswechsel bleibt der Amerikaner noch „beratend“ an Bord.

Vieles spricht dafür, dass McDermott den Zeitpunkt für seinen Abgang selbst gewählt hat – nämlich einen Moment, da SAP glänzende Zahlen vorzeigen kann. Der Konzern verdankt sie vor allem den Übernahmen der Ära McDermotts. Er hat vor allem Firmen gekauft, die auf das Cloud-Computing spezialisiert sind, und genau in dieser Sparte gab es in dem Vierteljahr von Juli bis September massive Zuwächse. Der Konzerngewinn schnellte auch deswegen um 30 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro hoch.

McDermott hat nachgeholt, was seine Vorgänger verschlafen hatten: Das Geschäft mit der Auslagerung von Daten und Programmen in die Computerwolke ist aktuell der wichtigste Trend in der IT-Welt. So betonte denn auch der mächtige Aufsichtsratschef und SAP-Mitgründer Hasso Plattner, von McDermotts Weichenstellung werde das Wachstum des Unternehmens „noch viele Jahre profitieren“. Der scheidende Chef hat es geschafft, SAP zum mit Abstand wertvollsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland zu machen. Es bringt aktuell 129 Milliarden Euro Marktkapitalisierung auf die Waage.

Warum muss der Mann mit der Sonnenbrille – er trägt sie, seit er bei einem Unfall ein Auge verlor – dann so plötzlich gehen? Von dem Konzern gibt es dazu keine Aussagen. Bekannt ist, dass Anfang des nächsten Jahres Verhandlungen über einen neuen Vertrag anstanden. Es kursiert die Vermutung, dass dem 58-Jährigen keine Verlängerung mehr angeboten werden sollte.

Mitgrund dafür könnten Beschwerden von Kunden stehen, die bemängeln, dass mit den neuen Cloud-Diensten die Nutzung der ohnehin schon hochkomplexen Anwendungen noch schwieriger geworden sei. Vor allem weil die Programme nicht so nahtlos ineinander griffen, wie SAP es versprochen hatte.

McDermott, der als Betreiber eines Delikatessenladens auf Long Island begann, gilt als begnadeter Verkäufer. Die Schattenseite: Aus der SAP-Belegschaft waren immer wieder Beschwerden über den massiven Druck zu hören, mit dem es vor allem Mitarbeiter im Vertrieb zu tun hatten.

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