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Jetzt hält er doch an seiner Kandidatur fest: Wolfgang Mayrhuber. (Archivbild)

Lufthansa-Aufsichtsrat

Mayrhubers Kehrtwende

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Erst Nein, dann Ja: Der frühere Lufthansa-Chef Mayrhuber kandidiert nun doch für den Aufsichtsratsvorsitz bei der Airline. Noch Stunden zuvor hatte Mayrhuber erklärt, nach harscher Kritik aus Aktionärskreisen nicht zur Verfügung stehen zu wollen.

Aktienstrategen und Fondsmanager in Frankfurt waren sich am Montag einig: So etwas haben sie noch nicht erlebt. Unvorstellbar sei das bislang bei einem Dax-Konzern gewesen, sagt einer. Einen Tag vor der Hauptversammlung zog erst der designierte neue Aufsichtsratschef der Lufthansa, Wolfgang Mayrhuber, seine Kandidatur zurück – eine Riesenblamage für Deutschlands größte Fluggesellschaft. Am Nachmittag kam das Kontrollgremium zu Beratungen über die neue Situation zusammen. Und am Abend die Rolle rückwärts: Mayrhuber soll nun doch in den Aufsichtsrat einziehen. „Nach der heutigen Bekräftigung des Wunsches zur Kandidatur Wolfgang Mayrhubers durch den Aufsichtsrat sowie der Ankündigung wichtiger Investoren, für Wolfgang Mayrhuber zu stimmen, hat Herr Mayrhuber sich bereit erklärt, an seiner Kandidatur zur Wahl in den Aufsichtsrat unverändert festzuhalten“, hieß es in der Pflichtmitteilung am Abend.

Was war dieser spektakulären Wende vorausgegangen? Am Vormittag ließ die Lufthansa wissen, dass Mayrhuber „wegen Kritik aus Aktionärskreisen“ nicht mehr für das Amt zur Verfügung stehe. Gleichwohl hatte nach Informationen der Frankfurter Rundschau der noch-amtierende Aufsichtsratschef Jürgen Weber am Nachmittag unter Großaktionären unverdrossen für Mayrhuber geworben – in der Hoffnung, doch noch eine Mehrheit für den Manager zu organisieren, der immer sein Wunschkandidat für die Nachfolge war. Offenbar mit Erfolg. Fest steht indes: Auf der Hauptversammlung am heutigen Dienstag in Köln muss eine ganze Reihe neuer Aufsichtsräte bestimmt werden, die dann aus ihrer Mitte den Vorsitzenden wählen.

Verfehlte Akquisitionspolitik

Was ist da bei der Lufthansa los? Das Hickhack um den 66-Jährigen ist der vorläufige Höhepunkt eines Konflikts, der schon über zwei Jahre schwelt. Mayrhuber hat eine lange Karriere bei der Lufthansa hinter sich – 1970 begann er als Ingenieur bei der Triebwerksinstandhaltung. 2003 wurde er zum Vorstandschef – Weber gilt als sein wichtigster Förderer. Mayrhuber wäre am liebsten schon unmittelbar nach dem Auslaufen seines Vorstandsvertrages Anfang 2011 in den Aufsichtsrat gegangen. Doch hierzulande ist inzwischen per Gesetz eine „Abkühlungsphase“ von zwei Jahren vorgeschrieben – die ist mittlerweile beendet. Doch es gab schon 2011 und es gibt noch immer unter den Aktionären eine starke Opposition gegen den Ex-Chef. Das Lager der Kritiker war offenbar in den Tagen vor der Hauptversammlung immer größer geworden und konnte nur mühsam beruhigt werden.

Am Wochenende noch hatte der US-Aktionärsberater Institutional Shareholder Services (ISS) ihren Kunden geraten, gegen Mayrhuber zu stimmen. Die ISS-Experten kritisierten vor allem, dass der Österreicher inzwischen eine Vielzahl von Mandaten in Aufsichtsräten ausübe: Er sitzt unter anderem in den Kontrollgremien der Dax-Unternehmen BMW, Munich Re und Infineon. Zudem war die relativ kurze Wartezeit von zwei Jahren Stein des Anstoßes. Aktionärsberater spielen bei der Lufthansa eine wichtige Rolle, da es keinen dominierenden Großaktionär gibt, der entscheidet, wo es langgeht.

Als Kritiker des Ex-LH-Chefs outete sich auch die Fondsgesellschaft Union Investment. „Es geht hier nicht nur um Formalia, sondern darum, dass Herr Mayrhuber für die alte Lufthansa steht“, sagte Fondsmanager Ingo Speich. Diesen Einwand habe man schon vor geraumer Zeit bei der Lufthansa vorgebracht. Speich kritisierte, dass unter Mayrhuber als Vorstandschef zu wenig Geld in die Flotten-Erneuerung investiert worden sei. Die Flugzeuge hätten deshalb zu hohen CO2-Ausstoß. Als weiteren Kritikpunkt führte er eine verfehlte Akquisitionspolitik an. Es geht dabei um die Übernahmen der österreichischen Fluggesellschaft AUA, der Swiss, der britischen BMI und der belgischen Brussels Airlines. Mayrhuber als Aufsichtsratschef – das wäre ein falsches Signal, so Speich.

Wende eingeleitet

Unter dem neuen Vorstandschef Christoph Franz wurden die Zukäufe nicht nur gestoppt, die BMI ist mittlerweile verkauft. Franz hat ein hartes Sanierungsprogramm aufgelegt, mit dem er den Gewinn und die Margen nach oben treiben will, um eine Erneuerung der Flotte stemmen zu können. Zu spüren bekommen das vor allem die Beschäftigten.

Als Versäumnis wird Mayrhuber von Branchenkennern vorgeworfen, auf die wachsende Konkurrenz der Billigflieger in Europa nicht reagiert zu haben. Franz versucht dies nachzuholen, indem er die Tochter Germanwings zu einem Billigflieger umbaut. Das zeigt: Franz hat auf vielen Felder eine 180-Grad-Wende eingeleitet.

Vor Mayrhubers erneuter Zusage kursierten eine ganze Reihe von Namen für den Posten des Aufsichtsratschefs: Häufig genannt wurden Werner Brandt, Noch-Finanzchef von SAP, und Jürgen Hambrecht, Ex-BASF-Chef. Beide sitzen bereits in dem Kontrollgremium. Nun wird es wahrscheinlich doch der, den Rückzug schon verkündet hatte – Wolfgang Mayrhuber.

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