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Volkswagen-Werk in Schanghai: Mit der  Verlagerung von Produktionsstätten sparte die deutsche Industrie nach dem Mauerfall Lohnkosten - und hatte  zudem ein Druckmittel in der Hand.

30 Jahre nach dem Mauerfall

Die Wurzeln steigender Ungleichheit in Ost und West

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Nach dem Fall der Berliner Mauer entstand ein einheitlicher Weltmarkt: Jobs wurden verlagert, Löhne gedrückt. Das wirkt bis heute nach. Die Analyse.

Als vor 30 Jahren die Berliner Mauer fiel, bedeutete dies nicht nur das Ende der Systemalternative zum Kapitalismus. Der Anschluss des Ostens an das System des Westens war auch der Startschuss für die Schaffung eines einheitlichen Weltmarkts, wie er heute besteht. Den Unternehmen bescherte diese Öffnung neue Absatzmärkte, neue Investitionsziele, neue Konkurrenten – und einen drastisch erweiterten Zugriff auf Arbeitskräfte. Mit dem Eintritt Chinas in den Weltmarkt hatte sich ihre Zahl gegenüber 1989 global verdoppelt. Die Folgen sind bis heute gravierend.

In den neunziger Jahren begannen die Konzerne aus den etablierten Industriestaaten der OECD-Gruppe, Produktion gen Osten zu verlagern – einmal wegen der Nähe zu den neuen Absatzmärkten und den niedrigen Steuern, vor allem aber auch wegen der gut ausgebildeten und billigen Arbeitskräfte. So siedelten sich die deutschen Autobauer in Tschechien, der Slowakei und Ungarn an. Das Magazin „Spiegel“ titelte: „Deutschland Exportweltmeister (von Arbeitsplätzen)“. Später kamen neue Produktionsstätten in China dazu.

Nach dem Mauerfall: Deutsche Industrie mit ihrer Strategie erfolgreich

Diese Verlagerung sparte Lohnkosten. Dazu kam die Drohung mit Verlagerung, die die Konzessionsbereitschaft der inländischen Belegschaften erhöhte. Lohnzurückhaltung zur Sicherung von Jobs, hieß daher die Devise. Die deutsche Industrie war mit dieser Strategie so erfolgreich, dass der Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung in Deutschland relativ stabil blieb, denn Produktionsverlagerung ins Ausland wurde durch erhöhte Gesamtproduktion kompensiert.

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Andere Länder dagegen waren nicht so glücklich: So schrumpfte die Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe in den USA von 17 Millionen 1992 auf zuletzt etwa zwölf Millionen. In Frankreich ging allein seit 1998 der Anteil der Industriebeschäftigten um 25 Prozent zurück. Die gesamte OECD-Gruppe verzeichnete einen Rückgang um 20 Prozent.

Nach dem Mauerfall: Lohndruck führte zur Flexibilisierung der Arbeitsmärkte

Eine Folge davon war ein steigender Anteil der Dienstleistungen an der Beschäftigung – und dort wird tendenziell schlechter gezahlt. Das Lohnniveau der Dienstleister in den OECD-Ländern liegt etwa 20 Prozent niedriger als im Verarbeitenden Gewerbe. Der Lohndruck führte vielerorts auch zu einer Flexibilisierung der Arbeitsmärkte. So knickte unter der chinesischen Konkurrenz die portugiesische Textilfertigung ein, woraufhin die Arbeitsgesetze dereguliert wurden, zum Beispiel durch die Liberalisierung der Zeitarbeit.

Im Ergebnis klafften Produktivität und Löhne zunehmend auseinander: Seit 1996 stieg die Produktivität in den OECD-Ländern um 35 Prozent, der reale Lohn dagegen um nicht einmal die Hälfte. Die Lohnquote, also der Anteil der Arbeitnehmer am Volkseinkommen, der Mitte der siebziger noch bei 75 Prozent gelegen hatte, beträgt nur noch etwa 65 Prozent.

30 Jahre Mauerfall: Wie es wirklich war im sogenannten Sozialismus - das scheint ziemlich unvermittelbar

Sinkende Lohnquote, höhere Kapitalerträge, Deindustrialisierung, Flexibilisierung der Arbeit und zunehmende Lohndifferenzierung – all dies ließ die Ungleichheit in den Industrieländern steigen. Der Anteil des reichsten ein Prozent der Bevölkerung am gesamten Einkommen legte in den OECD-Staaten seit 1998 von 12,8 auf über 15 Prozent zu. Der Anteil der Armen stieg von 20,2 auf 21,2 Prozent. Und der Gini-Index der Ungleichheit der Markteinkommen stieg von 0,467 auf 0,503 im Jahr 2016.

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