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Bereitmachen zum Impfen.

Engpässe

Masernimpfstoff ist knapp

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Der Engpass bei Impfstoffen wird wohl noch bis Herbst anhalten. Wir erklären, warum es auch bei anderen Arzneimitteln Lieferschwierigkeiten gibt.

Wer vorhat, sich oder die eigenen Kinder in den kommenden Monaten gegen Masern impfen zu lassen, muss mitunter eine Menge Geduld haben. Es kann passieren, dass der passende Impfstoff gegen die tückische Infektionskrankheit derzeit nicht lieferbar ist. Und das, obwohl im März nächsten Jahres die Masern-Impfpflicht in Kitas, Schulen und Flüchtlingsunterkünften in Kraft treten soll. Oder liegt es vielleicht sogar genau daran?

Fest steht: Neu sind solche Versorgungsschwierigkeiten nicht. Im Jahr 2018 gab es für insgesamt 45 Impfstoffe einen Lieferengpass. In 33 Fällen waren lediglich bestimmte Verpackungsgrößen nicht lieferbar, alternative Arzneimittel aber verfügbar. In zwölf Fällen gab es zeitweise überhaupt keine Alternativen. 2017 war die Lage noch angespannter. Damals gab es 57 Meldungen über Engpässe, 2016 insgesamt 70 Meldungen.

Nachlesen kann man diese Daten in den Statistiken des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Die Bundesbehörde für Impfstoffe und Arzneimittel führt seit 2015 entsprechende Statistiken über Lieferengpässe von Impfstoffen.

Bei Masern ist derzeit ein spezieller Impfstoff nicht lieferbar. Laut Sebastian Gülde vom Bundesgesundheitsministerium handelt es sich um ein Kombinationspräparat gegen Mumps, Masern, Röteln und Varizellen. Die Knappheit bei diesem Kombinationsimpfstoff werde aller Voraussicht nach im Oktober behoben sein, sagt Gülde. Und: Alternativen stünden zur Verfügung, etwa ein Vierfachimpfstoff.

Doch warum entstehen in einem so sensiblen Bereich wie der Arzneimittelversorgung überhaupt Lieferengpässe? Die Antwort auf diese Frage ist vielschichtig. Da die Herstellung von Impfstoffen sehr aufwendig und langwierig sei, könne es immer wieder zu Engpässen kommen, wenn in einem Zeitraum deutlich mehr Impfstoffe verwendet werden als üblicherweise, erklärt Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut. Ein erhöhter Bedarf könne etwa durch weltweite Impfprogramme entstehen. Wenn ein Engpass erst Mal da sei, bestehe er so lange, bis die nötigen Impfstoffe nachproduziert seien.

Ministeriumssprecher Gülde weist auf die globalen Lieferketten hin, die zur Folge hätten dass manche Arzneimittel und Wirkstoffe nur an wenigen Herstellungsstätten produziert würden. Komme es zu Qualitätsmängeln oder Produktionsverzögerungen entstehe schnell ein Problem.

Thomas Porstner vom Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels, kurz Phagro, weist noch auf ein weiteres Problem hin. „Lieferengpässe bringen die komplette Arzneimittellieferkette durcheinander“, sagt er. Schon bei drohenden Engpässen würden sich manche Großhändler bevorraten, um ihre Kunden weiterhin versorgen zu können. „Dabei werden zum Teil zur Sicherheit Vorräte für einige Monate angelegt“, so Porstner. Andere Händler bekämen dann keine Ware mehr, obwohl sie im Markt grundsätzlich verfügbar sei.

Solchen Effekten versuchen Handel und Industrie durch engere Absprachen entgegenzuwirken. Es gibt einen regelmäßigen Austausch, den sogenannten „Jour Fixe“ des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, an dem auch die Arzneimittelkommissionen der deutschen Ärzteschaft und Apothekerschaft sowie die pharmazeutische Industrie beteiligt sind.

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