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Mit Centeno übernimmt erstmals ein Vertreter Südeuropas die Leitung der Eurogruppe.

Portugiesischer Finanzminister

Mario Centeno wird neuer Eurogruppenchef

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Der portugiesische Finanzminister tritt die Nachfolge von Jeroen Dijsselbloem an. Bei der Wahl setzt er sich gegen drei Mitbewerber durch.

Der portugiesische Finanzminister Mario Centeno wird neuer Chef der Eurogruppe. Das beschlossen am Montagnachmittag die Finanzminister der Eurozone in Brüssel. Der prestigeträchtige und einflussreiche Posten bleibt damit in der Hand der europäischen Sozialdemokraten. Der scheidende Amtsinhaber Jeroen Dijsselbloem aus den Niederlanden gehört ebenfalls dieser Parteienfamilie an. Er gibt das Amt nach fast fünf Jahren ab, weil seine Partei der Arbeit nicht mehr Teil der niederländischen Regierung ist.

Mit Centeno, der Ende dieser Woche 51 Jahre alt wird, übernimmt zudem erstmals ein Vertreter Südeuropas die Leitung der Eurogruppe. Vor Dijsselbloem hatte der Luxemburger Jean-Claude Juncker über viele Jahre hinweg diesen Posten inne. Inzwischen ist Juncker Chef der Brüsseler EU-Kommission.

Portugal war wie Griechenland, Spanien und weitere Länder selbst im großen Stil von der Finanz- und Staatsschuldenkrise der vergangenen Jahre betroffen und musste die Partner um Notkredite bitten. Mittlerweile ist das Land aber aus dem europäischen Hilfsprogramm entlassen. Der Regierung in Lissabon gelang es auch, das heimische Haushaltsdefizit zu mindern, ohne die Konjunktur kaputtzusparen.

Wunsch-Kandidat der mächtigsten Euro-Staaten

Wie der EU-Ministerrat in Brüssel mitteilte, wird Centeno sein neues Amt am 13. Januar antreten. Bei der Wahl am Montag setzte er sich gegen drei Mitbewerber durch: Und zwar gegen den slowakischen Ressortchef Peter Kazimir, der ebenfalls ein Sozialdemokrat ist, sowie gegen den Luxemburger Pierre Gramegna von den Liberalen. Ebenfalls im Rennen war die lettische Ressorchefin Dana Reizniece-Ozola, die in ihrer Heimat einem Bündnis aus Grünen und Bauernpartei angehört.

Centeno galt als Wunsch-Kandidat der mächtigsten Euro-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Bei der Wahl hatte allerdings jeder Finanzminister nur eine Stimme. Da es 19 Euro-Länder gibt, war eine Mehrheit von 10 Stimmen erforderlich.

Die Europäische Volkspartei (EVP), in der die Bürgerlich-Konservativen zusammengeschlossen sind, hatte keinen eigenen Kandidaten für den Eurogruppen-Vorsitz ins Rennen geschickt. Die EU-Kommission, der Europäische Rat sowie das Europaparlament werden allesamt von EVP-Vertretern geleitet. Frauen bleiben auch nach der Wahl Cetenos in den Brüsseler Spitzenposten unterrepräsentiert. Prominenteste Frau in den Institutionen ist die sozialdemokratische Außenbeauftrage Frederica Mogherini aus Italien.

Die Gruppe der Euro-Finanzminister ist eigentlich ein informelles Gremium. Aber sie hat beträchtlichen Einfluss, weil hier zentrale finanz- und wirtschaftspolitische Entscheidungen fallen. Der künftige Vorsitzende wird einen Großteil seiner Energie darauf verwenden müssen, die geplante Reform der Eurozone voranzutreiben. Wie genau diese aussehen soll, ist noch nicht klar. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat allerdings bereits umfangreiche Vorschläge dazu vorgelegt, am Mittwoch will auch die EU-Kommission ihre Ideen präsentieren. Einer der Vorschläge dürfte darin bestehen, das Amt des Eurogruppen-Vorsitzenden mit dem des EU-Währungskommissars zu verschmelzen.

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