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Mallorca hat genug

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Von: Annika Leister

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Für viele Deutsche ist Mallorca ein Traumferienziel. Viele Mallorquiner finden das schon lange nicht mehr traumhaft ? sie fühlen sich von Touristen überrannt.
Für viele Deutsche ist Mallorca ein Traumferienziel. Viele Mallorquiner finden das schon lange nicht mehr traumhaft ? sie fühlen sich von Touristen überrannt. © imago

Die Stadtregierung der Inselhauptstadt Palma will die Vermietung von Apartments über Portale wie Airbnb verbieten. Einheimische sollen so endlich wieder Wohnraum finden.

Die linke Stadtregierung von Palma de Mallorca hat genug von Airbnb und Wimdu: In Zukunft sollen Wohnungsbesitzer in der Inselhauptstadt keine Zimmer mehr an Touristen vermieten dürfen. Nur die Vermietung von Einfamilienhäusern soll dann noch erlaubt sein. Der Stadtrat muss die neuen Vorschriften noch billigen, was aber als Formsache gilt. Schon im Juni oder Juli soll die Regelung in Kraft treten. Ein bereits im August verabschiedetes Tourismusgesetz auf den Balearen sieht hohe Strafen für die illegale Vermietung vor – bis zu 400 000 Euro für Plattformen und bis zu 40 000 Euro für Immobilienbesitzer.

Palma ist nicht die erste spanische Gemeinde, die sich so rigoros gegen die Sharing-Plattformen wendet. Die Nachbarinsel Ibiza hat ein ähnliches Vermietungsverbot bereits im Februar beschlossen, es soll ebenfalls ab diesem Sommer gelten. Vorausgegangen waren Berichte, nach denen sich Einheimische eine Wohnung nicht mehr leisten konnten und in ihren Autos übernachten mussten. In Madrid denkt man über ähnliche Regelungen nach. In Barcelona patrouillieren rund 100 von der Stadt beauftragte Inspektoren durch die Straßen, die illegal vermietete Wohnungen aufspüren sollen.

Auch in Palma sind die Mieten extrem gestiegen. Im Laufe der vergangenen fünf Jahre haben sie sich verdoppelt. Allein im Jahr 2017 betrug der Preisanstieg in der Inselhauptstadt gut 16 Prozent. Bürgerinitiativen protestieren aber nicht nur gegen höhere Lebenshaltungskosten, sondern gegen die Folgen des Massentourismus generell: Die Insel sei vollkommen überlaufen, Innenstädte, Straßen und Strände einfach zu voll. 2016 ging manchen Bergdörfern auf der Insel wegen des Ansturms das Wasser aus, die Reserven waren so niedrig wie lange nicht. Umweltverbände befürchten außerdem bleibende Schäden durch den starken Verkehr und Kreuzfahrtschiffe.

Im vergangenen Jahr besuchten allein 13,7 Millionen Menschen Mallorca und die Nachbarinseln – so viele wie noch nie zuvor. Unter ihnen sind die Deutschen mit rund 50 Prozent am stärksten vertreten. Auch für 2018 sagen die Touristikkonzerne ähnliche Zahlen voraus, bei Tui liegen die Buchungen sogar bereits fünf Prozent über dem Vorjahr. Da die Zahl der Hotelbetten laut Thomas Cook auf Mallorca seit Mitte der 80er Jahre nur um rund zwei Prozent gestiegen ist, dürften Hauptgrund für die Rekord-Besucherzahlen tatsächlich die privaten Anbieter sein.

Internetplattformen wie Airbnb werben mit dem Ideal des „Homesharing“. Wer auf Reisen geht, soll seine Wohnung mit wenigen Mausklicks für kurze Zeit vermieten und so Geld verdienen können. Allerdings ist mit den Touristenwohnungen auf Dauer mehr Geld zu verdienen als mit normalen Mietwohnungen. Auch viele gewerbliche Anbieter sind deswegen in das Geschäft eingestiegen. Einer Analyse der „Süddeutschen Zeitung“ aus dem Jahr 2017 zufolge hat jeder fünfte Airbnb-Vermieter mehr als eine Wohnung im Angebot.

Wegen des angespannten Wohnungsmarktes haben auch deutsche Städte die Vermittlungsplattformen seit langem im Blick. Meistens regulieren sie diese mit einem Gesetz mit dem wenig attraktiven Namen „Zweckentfremdungsverbot“. Es untersagt die gewerbliche Vermietung von Wohnraum. Im Fall eines Verstoßes drohen Bußgelder. Sie schwanken von Stadt zu Stadt stark: Frankfurt erhebt maximal 25 000 Euro, Köln 50 000 Euro, Berlin 100 000 Euro. Spitzenreiter ist München, die nach Mieten teuerste Stadt Deutschlands, mit Bußgeldern von einer halben Million Euro.

Hamburg hat das Zweckentfremdungsgesetz bereits seit 1971 und ganz unabhängig von den Sharing-Anbietern verankert. Erlaubt ist danach, ein Zimmer in einer ansonsten selbst bewohnten Wohnung für ein halbes Jahr unterzuvermieten – oder eine ganze Wohnung für mindestens drei Monate. Die Regelung soll in diesem Jahr noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden, sagte Christian Carstensen, Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen in Hamburg. „Wir planen kein komplettes Verbot wie in Palma, wollen die Regelung aber noch einmal verschärfen.“

In Köln gilt ein Verbot seit Sommer 2014. Verzichtet ein Vermieter in Verdachtsfällen nicht auf das illegale Vermieten, droht ihm ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro und die Anordnung, das Feriendomizil wieder in Wohnraum umzuwandeln. Allerdings steht Köln wie andere Städte vor der Herausforderung, die illegalen Wohnungen erst einmal aufzuspüren und als illegal nachzuweisen. Bisher zeigt das Gesetz deswegen so gut wie keine Wirkung: Erst 37 Ferienwohnungen wurden seit 2014 wieder in normalen Wohnraum verwandelt, teilte eine Sprecherin der Stadt auf Nachfrage mit.

München und Berlin wollen Wohnungen leichter aufspüren, indem sie die Bürger mit einspannen: Über Internetplattformen oder per Anruf beim Amt können Nachbarn illegale Airbnb-Domizile bei den Behörden melden. Die Möglichkeit stand als „Stasi“- oder „Petz-Gesetz“ schwer in der Kritik. Allerdings zeigt es Wirkung, vor allem bei Immobilien, die immer wieder von lauten Gästen gemietet werden: Seit Einführung der Regel vor 100 Tagen sind laut „Bild“-Zeitung in München 455 Meldungen eingegangen.

Nicht alle deutschen Städte gehen aber auf Konfrontation. Manche kooperieren sogar mit Airbnb. In Dortmund treibt die Plattform zum Beispiel direkt für die Stadt die Bettensteuer ein. Auch in Düsseldorf sowie anderen deutschen Städten soll ein ähnliches Angebot vorliegen.

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