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Kühne+Nagel

Mahnmal wider Willen

  • VonEckhard Stengel
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Die Leser der "Taz" sammeln Geld für ein Mahnmal, das an die NS-Vergangenheit der Spedition Kühne+Nagel erinnern soll. Dabei wollte das Unternehmen unbeschwert ein Jubiläum feiern.

Wenn es um Vergangenheitsbewältigung geht, sind die Leserinnen und Leser der „Taz“ ziemlich freigebig. Innerhalb von drei Wochen überwiesen sie 26 000 Euro auf ein Spendenkonto, damit ihre Zeitung vier Quadratmeter Bremer Boden kaufen kann – nicht für sich selbst, sondern um dort ein Mahnmal zu errichten, eine Installation, die an die NS-Vergangenheit der 1890 in Bremen gegründeten Spedition Kühne+Nagel (K + N) erinnern soll.

Eigentlich wollte die Logistikfirma, die zu den größten der Welt zählt, 2015 unbeschwert ihren 125. Geburtstag feiern. Doch Historiker und Medien förderten zu Tage, dass die Firma prächtig daran verdient habe, dass die Nazis ab 1942 fast 70 000 Wohnungen von verschleppten Juden in Frankreich und den Benelux-Staaten plünderten. Die Spedition, ein „nationalsozialistischer Musterbetrieb“ mit „Gau-Diplom“, habe im Staatsauftrag bereitwillig mit Hunderten von Frachtschiffen und Güterzügen die Möbel der Naziopfer nach Deutschland transportiert, wo sie dann versteigert oder an Ausgebombte verteilt worden seien.

Zu wenig Aufarbeitung?

Das Unternehmen selbst hatte darüber lange geschwiegen. Erst nach den Enthüllungen ging es in die Öffentlichkeit: Wie auch andere Firmen sei die Spedition in die Kriegswirtschaft eingebunden gewesen „und musste in dunklen und schwierigen Zeiten seine Existenz behaupten“. „Kühne+Nagel ist sich der schändlichen Vorkommnisse während der Zeit des Dritten Reiches bewusst und bedauert sehr, dass es seine Tätigkeit zum Teil im Auftrag des Nazi-Regimes ausgeübt hat.“

Für die „Taz“ Bremen war das zu wenig Aufarbeitung und zu viel Beschönigung. Sie startete ihre Spendenaktion für das Vier-Quadratmeter-Mahnmal. Die Gelegenheit war günstig, denn Kühne+Nagel will seine Bremer Verwaltung neu bauen und braucht dazu ein städtisches Grundstück, genau 971 Quadratmeter. Vier davon hätte gerne die „Taz“, und sie bot dem rot-grünen Senat sogar das Doppelte des mit K+N ausgehandelten Preises von nur tausend Euro pro Quadratmeter.

Die Stadt hat das Angebot jetzt abgelehnt. Die „Taz“ aber gibt nicht auf. Sie will den Bremer Rechnungshof fragen, ob das klamme Bundesland ihr doppelt so hohes Quadratmeterpreis-Angebot einfach ausschlagen darf. Stadt und Firma könnten zudem auch ohne Verkauf dem Mahnmal zustimmen. Sollte auch das nicht zum Ziel führen, sollen die gesammelten Spenden an bedürftige Bremer Juden gehen.

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