Sorgen für gute Laune, aber nicht für Umsätze: Skulpturen in der Innenstadt von Rheda-Wiedenbrück.
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Sorgen für gute Laune, aber nicht für Umsätze: Skulpturen in der Innenstadt von Rheda-Wiedenbrück.

Einzelhandel

Magnetwirkung für die Innenstädte

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will das Leben in den Stadtzentren retten. Er lädt zu einem Gipfel für den Handel. Gesucht sind Konzepte, die Menschen anziehen.

Wie kann die Verödung von Innenstädten gestoppt werden? Diese Frage beschäftigt insbesondere Kommunalpolitikerinnen und -politiker schon lange. Nun lädt Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für Anfang September zu einem Einzelhandelsgipfel ein. Denn die Corona-Krise hat das Thema noch bedeutsamer gemacht. Wir erläutern, wie die erhoffte Magnetwirkung erzielt werden kann.

Wie schlecht geht es dem Einzelhandel?

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes erzielte der Versand- und Onlinehandel im Juni ein Plus von 30,7 Prozent im Vergleich zum Juni 2019. Der Handel mit Textilien, Schuhen und die Verkäufe in Waren- und Kaufhäusern gingen hingegen um rund 16 Prozent zurück – die Einbußen haben genau die Sektoren getroffen, die in den Citys lokalisiert sind. Und Einkaufen sei für die meisten Menschen der Hauptgrund, um in die Innenstädte zu kommen, so Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Die Handelslobby warnt vor Pleiten, die die Leerstände erhöhen und zu einem Niedergang vieler Zentren führen könnten.

Warum schaltet sich Wirtschaftsminister Altmaier nun in die Diskussion ein?

Der HDE macht massiv Druck und fordert die Einrichtung eines Innenstadtfonds, der mit 500 Millionen Euro bestückt werden soll. Altmaier reagiert hierauf und will für Anfang September zu einem Gipfel einladen. Doch er hat der Deutschen Presseagentur schon gesagt, dass es „weniger darauf ankomme, immer neues Geld zu verteilen, sondern darauf, die Attraktivität der Innenstädte zu stärken“. So gelte es etwa für kleinere Schuh- und Modeläden, Kundenbeziehungen zu digitalisieren: Es müsse möglich sein, beispielsweise ein Marken-Hemd online zu bestellen.

Hilft Altmaiers Vorschlag weiter?

Er kann ein Element sein – die Verknüpfung von E-Commerce und stationärem Handel hat durch die Corona-Krise an Bedeutung gewonnen. Mode-Giganten wie H&M und Inditex (Zara) haben dafür Investitionen in Milliardenhöhe eingeplant. Kleinen Läden fehlt es vielfach an finanziellen und logistischen Kapazitäten, um beispielsweise eigene Webseiten zu betreuen und den Versand zu organisieren. Hier wird schon länger darüber diskutiert, wie kleinere Händler gemeinsam Online- und Versandinfrastrukturen betreiben können. Für Branchenkenner wie die Experten des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) ist klar, dass es im Einzelhandel ohne Online-Präsenz künftig nicht mehr gehen wird.

Was setzt den Händlern in den Städten neben Online-Konkurrenz und Corona noch zu?

Konsens unter den Experten ist, dass ein grundlegender Strukturwandel im Einzelhandel stattfindet, der durch massive Veränderungen im Verhalten der Kundschaft angetrieben und durch Corona verstärkt wird. Und das betrifft nicht nur kleine inhabergeführte Läden, sondern auch Filialisten und Warenhausbetreiber: So verliert das gezielte Einkaufen in der City an Bedeutung, es geht vielmehr um das Erlebnis von Urbanität, zu dem auch der Besuch von Cafés, Bistros oder Museen gehören kann. „Dieser Strukturwandel lässt sich nicht stoppen“, sagte Handelsexperte Christian Schulz-Wulkow von der Beratungsgesellschaft EY dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Es macht deshalb keinen Sinn, Geschäftsmodelle zu konservieren, die sich überholt haben.“

Was bedeutet der Wandel für die Innenstädte?

Auch hier geht die Entwicklung in verschiedene Richtungen. In Großstädten besteht nach wie vor ein extrem hoher Druck durch steigende Ladenmieten. Das bedeutet, die Produktivität von Flächen muss erhöht werden. Das kann die vielfach beklagte Verdrängung von alteingesessenen Fachgeschäften durch Flagshipstores mit sich bringen. Es könne, so Schulz-Wulkow, aber auch bedeuten, dass an Warenhäuser angeschlossene Parkhäuser abgerissen und durch Büros ersetzt werden. In freigewordenen Flächen in den Warenhäusern selbst könnten großflächige Coworking-Büros, Fitnessstudios oder Restaurants entstehen. Denkbar sei bei der Neukonzeption von Standorten in Großstädten auch, dass sich in den unteren Geschossen noch Einzelhandelsgeschäfte befinden, in den Stockwerken darüber könnten beispielsweise auch Hotels entstehen – mit einer Bar auf dem Dach. Generell gilt, dass die Nutzungsänderungen der Immobilien in B- und C-Lagen deutlicher ausfallen werden als in der Haupteinkaufsstraße.

Wie sieht es in kleinen und mittelgroßen Städten aus?

Hier ist die Umwandlung von Flächen um ein Vielfaches komplizierter als in Großstädten. Der HDE etwa sieht besonders in Mittelstädten die Gefahr von Leerständen, die dann in Abwärtsspiralen münden könnten. Unter den Experten herrscht Einigkeit, dass hier die Kommunalpolitik stark gefragt ist, die gemeinsam mit Immobilienbesitzern Quartierslösungen erarbeiten sollte. Ziel müsse sein, so Schulz-Wulkow, eine Magnetwirkung zu erzielen und die Aufenthaltsqualität zu steigern: „Das kann auch bedeuten, dass dort zusätzlich die Stadtbibliothek, das Bürgeramt oder andere kommunale Einrichtungen angesiedelt werden.“ Zudem sei es entscheidend, Einzelhandelskonzepte zu etablieren, für die eine dauerhafte Nachfrage bestehe.

Was fordert der Handelsverband?

Die 500 Millionen Euro sollen in drei Töpfe aufgeteilt werden. Einer soll den Kommunen helfen, Innenstadt-Konzepte zu entwickeln. Mit dem zweiten will der HDE ein bundesweit einheitliches Leerstandskataster aufbauen lassen. Und mit dem dritten Topf soll eine aktive Ansiedlungspolitik der Kommunen gefördert werden – inklusive der Möglichkeit des Vorkaufsrechts von Immobilien, um bestimmte Nutzungen zu erreichen.

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