Telekommunikation

Magenta und Orange

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Die Deutsche Telekom liebäugelt mit einer Fusion mit dem französischen Konkurrenten. Der Konzern braucht mehr Luft für Investitionen.

Die Deutsche Telekom spielt offenbar einen Zusammenschluss mit dem französischen Konkurrenten Orange durch. Doch da stehen viele Hürden im Weg. Wir erläutern, warum die Telekom eine neue Strategie braucht.

Wie weit sind die Überlegungen für eine Fusion mit Orange?

Laut Branchenkreisen gibt es bei der Telekom wieder Planspiele. In den vergangenen Jahren kamen Spekulationen über eine Verschmelzung mit dem französischen Ex-Monopolisten, der früher France Télékom hieß, immer wieder hoch. Das ist naheliegend, da beide Unternehmen seit Jahren vielfältig kooperieren. Außerdem gibt es für beide Konzerne keine anderen potenziellen Partner in einer ähnlichen Größenordnung.

Warum müssen diese Unternehmen immer größer werden?

Es geht um Aufwendungen für Investitionen und für den laufenden Betrieb. Das alles wird vom technischen Fortschritt angetrieben. Mehr Leistung bei stabilen oder sogar sinkenden Preisen – dieses Prinzip wird sich nach Ansicht von Branchenkennern fortsetzen. Die Geschwindigkeiten bei der Übertragung von Daten werden sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk in den nächsten Jahren erheblich schneller wachsen als bisher. Das zwingt die Unternehmen zu riesigen Investitionen in die Netze, deren Ausbau preiswerter wird, wenn Komponenten in möglichst großen Stückzahlen eingekauft werden.

Welche Rolle spielt die geplante Übernahme des Mobilfunkers Sprint durch T-Mobile US?

Das ist ein zentrales Element in der Telekom-Strategie. Konzernchef Tim Höttges erwartet, dass der Deal in den USA mit einem Volumen von 26 Milliarden Dollar Anfang 2020 endlich unter Dach und Fach gebracht werden kann. Dann soll T-Mobile US auf Augenhöhe mit den Marktführern AT&T und Verizon kommen. Danach steht dort ein umfänglicher Netzausbau mit der neuen 5G-Mobilfunktechnik an. Das gilt aber auch für die vielen europäischen T-Töchter. Das Problem: Die Investitionen werden nur mit einer deutlichen Zeitverzögerung die Profite steigern. Aber zugleich will die Telekom ihre üppige Verschuldung nicht noch weiter steigern.

Welche Möglichkeiten hat die Telekom?

Laut Analysten vom Bankhaus Lampe werden in der Bonner Konzernzentrale „weitreichende Maßnahmen zum Umbau“ durchgespielt. Dabei soll es auch um den Verkauf der Mobilfunktöchter in Ost- und Südosteuropa sowie in den Niederlanden gehen. Ferner könnten Mobilfunksendeanlagen – große Funktürme und Tausende Sendemasten – veräußert werden. Interessenten gibt es reichlich. Auch der immense Bestand an Immobilien könnte zur Disposition stehen. Als Alternative bietet sich zumindest eine engere Kooperation mit den Franzosen an.

Wie arbeitet die Telekom bereits mit Orange zusammen?

Seit acht Jahren betreiben beide Konzerne eine Einkaufsgemeinschaft. Und sie haben gerade einen gemeinsam entwickelten intelligenten Lautsprecher auf den Markt gebracht. Die Erfahrungen mit Orange seien durchweg positiv, sagte ein Telekom-Sprecher dem „Handelsblatt“. Von 2010 bis 2016 gab es überdies in Großbritannien ein Mobilfunk-Joint-Venture. Nach diesem Muster könnten nun die jeweiligen Mobilfunkauslandstöchter (ohne T-Mobile US) zu einem Gemeinschaftsunternehmen zusammengeführt werden, ohne gleich die Konzerne als Ganze fusionieren zu müssen.

Was spricht gegen eine vollständige Fusion der Konzerne?

Vor allem die staatlichen Beteiligungen. Deutschland gehört fast ein Drittel der Telekom, dem französischen Staat knapp ein Viertel von Orange. Da müsste eine Art Balance der Einflussmöglichkeiten der Regierungen hergestellt werden, etwa über den Aufsichtsrat. Zudem müsste man wohl – ähnlich wie einst bei Airbus – mit zwei Zentralen arbeiten und die Top-Positionen paritätische besetzen

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