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Der fallende Ölpreis macht Benzin und Diesel billiger - und vieles spricht dafür, dass sich der Trend fortsetzt.

Dax steigt, Ölpreis sinkt

Die Märkte spielen verrückt

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Der Dax erklimmt neue Höchststände, gleichzeitig fällt der Ölpreis – normal ist das nicht. Die Analyse.

Für Händler an den Aktien- und den Rohstoffbörsen ist es derzeit nicht einfach, die Übersicht zu behalten: Brexit-Chaos, das Hin und Her bei den Handelsgesprächen zwischen China und den USA, die geopolitischen Verwerfungen im mittleren Osten, ein unberechenbarer US-Präsident und, und, und.

Das alles hat in den vergangenen Tagen zu einer kuriosen Situation geführt. Während der Deutsche Aktienindex (Dax) auf neue Jahreshöchstwerte kletterte, geht es mit dem Ölpreis bergab – und damit verbilligen sich auch Benzin und Diesel. Normalerweise bewegt sich beides im Gleichklang. Wenn die Mehrheit der Akteure am Finanzmarkt auf Aufschwung setzt, dann steigen die Bewertungen für Firmen sowie der Öldurst gleichermaßen.

Aktuell scheint manches aus den Fugen geraten zu sein. Aktien werden getrieben von den niedrigen Zinsen, dem vielen im Umlauf befindlichen Geld und dem Mangel an Anlagemöglichkeiten immer beliebter – selbst wenn sich die wirtschaftlichen Aussichten eintrüben, zumal die Zentralbanken dann noch mehr und noch billigeres Geld auf den Markt werfen, um die Konjunktur zu stützen.

Das Fass Öl (159 Liter) kostete am Mittwoch noch rund 58,50 Dollar. Die jüngste Entwicklung beim immer noch wichtigsten Rohstoff ist bemerkenswert. Gut einen Monat ist es her, als Drohnen und Marschflugkörper saudi-arabische Ölanlagen trafen. Der Brent-Preis schoss kurzzeitig über die Marke von 71 Dollar. Experten warnten schon, dass Öl sich erheblich und dauerhaft verteuern könnte. Hätten die Attacken doch vor allem gezeigt, wie verletzlich die Ölindustrie in Saudi-Arabien ist.

Doch es kam alles anders. Die Ölpreise gaben nach und zwar auf ein Niveau, das unter den Notierungen vor den Angriffen lag. Das machte sich auch bei den Spritpreisen hierzulande bemerkbar. Am Mittwoch kostete nach den Daten der Onlineplattform Clever Tanken ein Liter Super E10 noch 1,35 Euro. Drei Cent weniger als der Durchschnittspreis im September. Vor einem Jahr war der Sprit sogar noch mehr als 15 Cent pro Liter teurer. Vieles spricht derzeit dafür, dass sich der Abwärtstrend fortsetzt. Gestützt wird dies durch die Internationale Energieagentur (IEA): Der Fokus liege aktuell wieder auf Fundamentaldaten für Nachfrage und Angebot. Bei der Nachfrage hat die IEA gerade ihre Prognosen für 2019 und 2020 nach unten korrigiert. Besonders die reichen Industrieländer zeigten sich in einer schwachen Verfassung mit schwindendem Bedarf. Auch der Internationale Währungsfonds hat für 2019 seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum mit drei Prozent auf den niedrigsten Wert seit einem Jahrzehnt zurückgeschraubt.

Dabei spielen wieder die durchwachsenen Meldungen zum US-China-Handelsstreit eine maßgebliche Rolle. US-Präsident Donald Trump versucht zwar, mit seinen Tweets über vermeintliche Einigungen die Akteure an den Finanzmärkten bei Laune zu halten. Doch US-Medien berichten, dass noch gar nichts in trockenen Tüchern sei. Peking verlange zunächst die Senkung von US-Strafzöllen als Bedingung dafür, dass mehr Agrarprodukte aus den USA importiert werden können.

Und beim Ölangebot machen die IEA-Experten darauf aufmerksam, dass Norwegen und die USA die Förderung ausweiten. Eine Verknappung und Preissteigerungen scheinen derzeit eher unwahrscheinlich.

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