Gleichberechtigung

Mädels, jetzt Vollgas!

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Noch immer erklären uns Männer die Welt und nehmen sich dabei jeden Raum für ihre Selbstdarstellung. Frauen müssen sich endlich einen gleichberechtigten Platz in den politischen Sendungen erobern.

Seit Januar gibt es in der Formel 1 keine Grid Girls mehr. Sie wissen schon, die jungen Frauen in knappen Outfits, die die Startnummern der Fahrer hochhalten – von Fans zu Race Queens geadelt, von Gegnern als Boxenluder verspottet.

Eine Entscheidung, die die Rennsport-Welt spaltet. Die einen beklagen den Verlust einer Tradition, die anderen freuen sich über einen schon lange fälligen Fortschritt. So erklärt der Formel 1-Marketingchef, dass Grid Girls nicht den Werten der Marke entsprächen, außerdem sei die Praxis nicht mit „modernen sozialen Normen“ vereinbar. Trotzdem ließ der Shitstorm im Internet nicht lange auf sich warten.

„Motorsport-Total“-Redakteurin Maria Reyer verteidigt den Verzicht auf leicht bekleidete Nummerngirls. Frauen, so erklärt sie, gehörten nicht nur weg aus der Startaufstellung, sondern rein in Rennautos, Kommentatorenkabinen und Entscheidungsgremien der Teams. Schließlich sollten sie den Sport, der nicht nur für Männer veranstaltet wird, selbst aktiv mitgestalten. Ich kann mich dem nur anschließen. Also, Mädels, runter von der Bremse und Vollgas geben!

Das gilt auch im übertragenen Sinne, wenn wir mal vom Rennsport zum Denksport wechseln: So gibt es in Talkshows noch viel zu tun für uns Frauen. Die „Taz“ hat mal in einer Woche gezählt, wie das Männer-Frauen-Verhältnis in politischen Sendungen bei ARD und ZDF war und kam auf 13 : 2. Nun gut, das muss nicht repräsentativ sein, aber eine Tendenz zeigt es mit Sicherheit: Noch immer erklären uns Männer die Welt und nehmen sich dabei jeden Raum für ihre Selbstdarstellung.

Auch hier ist meine Devise: Frauen, gebt Vollgas und bremst die Männer aus! Solange wir uns keinen gleichberechtigten Platz in den politischen Sendungen erobern, werden wir auch künftig vor allem wie Heidi Klums Topmodels wahrgenommen. Eben nicht als denkende, redende und selbstbewusste Menschen, die über die Fragen unserer Welt nachdenken und mitentscheiden. Sondern als hübsch gekleidete Püppchen, die sich am meisten dafür interessieren, wie attraktiv sie auf andere wirken. Zu meiner großen Freude gibt es aber an Klums Show zunehmend Kritik. Immer mehr junge Frauen fragen sich nämlich: Was für ein antiquiertes Frauenbild wird dort eigentlich transportiert?

Die Autorin ist Karriereberaterin und Trainerin. Zuletzt erschien von ihr „Weck die Chefin in Dir“ im Ariston-Verlag.

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