+
Die Werft in Saint-Nazaire kann nicht nur Kreuzfahrtschiffe bauen, sondern auch Flugzeugträger.

Frankreich

Macrons Breitseite gegen "italienische Freunde"

  • schließen

Frankreichs Präsident Macron verhindert den Verkauf einer wichtigen Werft durch eine Verstaatlichung. Das verärgert die Italiener. Sie sehen in ihm einen schlechten Europäer.

Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben, dass seine Regierung die Schiffswerft STX „zeitweilig“ verstaatlichen werde. Damit schiebt er der Übernahme durch die italienische Fincantieri auf brüske Weise einen Riegel vor.

Ex-Präsident François Hollande hatte die riesige Anlage mit 350 Meter langen Trockendocks zum Jahresanfang für knapp 80 Millionen Euro an Fincantieri verkauft. Die staatliche Schiffbaufirma aus Triest übernahm zusammen mit einem italienischen Investor 55 Prozent der Anteile von einem Pleite gegangenen Verkäufer aus Südkorea.

Als Emmanuel Macron im Mai in den Elysée-Palast einzog, bedauerte er bereits den Verlust eines „strategischen“ Unternehmens für Frankreich. Strategisch auch deshalb, weil die Werften in Saint-Nazaire sogar einen neuen Flugzeugträger bauen könnten. Zudem hat sich die Lage von STX-France merklich gebessert: Mehrere Aufträge für den Bau gewaltiger Kreuzfahrtschiffe schlagen derzeit mit 4,5 Milliarden Euro zu Buche. Dagegen wirkt der Kaufpreis von 79,5 Millionen wie ein Schnäppchen.

„Können nicht schlechter als die Koreaner behandelt werden“

Macron wollte den Deal deshalb neu aushandeln. Er verlangte einen Anteil von 50 Prozent für die französische Seite, bestehend namentlich aus dem Staat und dem Schiffsbauunternehmen Naval Group. Den gleich hohen Anteil wollte er „den italienischen Freunden“ überlassen, wie Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte.

In Triest wies man diesen Vorschlag erbost zurück. „Es gibt keinen Grund für Fincantieri, auf die Mehrheit zu verzichten“, erwiderte Finanzminister Pier Carlo Padoan am Mittwoch in Rom. Sein Regierungskollege für Wirtschaftsentwicklung, Carlo Calenda, meinte an Macrons Adresse gerichtet, der STX-Deal sei „ein guter Test, um zu sehen, ob derjenige, der von Europadenken und liberalen Werten spricht, sie letztlich auch anwendet.“ Macron bestand den Test nicht: Sein erster industriepolitischer Entscheid von Bedeutung ist weder liberal noch europäisch ausgerichtet, sondern national und etatistisch. Indem seine Regierung das Vorkaufsrecht ausübt und ihren bisherigen Anteil von 33 auf „klar über 50 Prozent“ erhöht, bringt sie Fincantieri um die Kapitalmehrheit an STX.

Le Maire rechtfertigte sich am Donnerstag, das Vorkaufsrecht wäre am 29. Juli verfallen, weshalb es die Regierung haben ausüben müssen, um die Neuverhandlung des Dossiers mit Fincantieri zu ermöglichen. Zu diesem Zweck will der Minister am kommenden Dienstag nach Italien reisen. Er bestätigte aber, dass Frankreich nicht bereit sein werde, den Italienern die Mehrheit zu überlassen.

Während einer Pressekonferenz musste sich Le Maire gegen eine Flut italienischer Fragen verteidigen, warum Frankreich das nationale über das gesamteuropäische Interesse stelle. Der Minister erklärte, Macron sei „sehr proeuropäisch“, verteidige aber auch „nationale Interessen“.

Kritik aus Italien gibt es auch, weil französische Konzerne wie Vivendi, Carrefour, LVMH, Engie, BNP Paribas oder Axa in den letzten Jahren im Stiefel für Milliarden Firmeneinkäufe getätigt haben – jetzt, wo die Italiener Gegenrecht verlangen, legt Paris sein Veto ein.

Mit Verweis auf die fernöstliche Kapitalmehrheit beim früheren STX-Eigner meinte Fincantieri-Chef Giuseppe Bono erbost: „Wir sind Europäer und können nicht schlechter als die Koreaner behandelt werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare