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VW-Vorstandschef Winterkorn darf im Amt bleiben.

Winterkorn bleibt VW-Chef

Machtkampf bei Volkswagen beendet

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Überraschung im VW-Machtkampf: Vorstandschef Winterkorn bleibt im Amt - und soll Volkswagen sogar über 2016 hinaus führen. Doch nach einer Woche im Zeichen der Führungskrise bleiben offene Fragen.

Was als Machtkampf bei VW tituliert wurde, ist erstmal beendet. Martin Winterkorn darf Vorstandschef bleiben, sein Vertrag soll sogar verlängert werden. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch wollte seinen einst eng Vertrauten vom Hof jagen. Das ist gründlich misslungen. Und jetzt? Business as usual? Ganz bestimmt nicht.

Winterkorn ist jetzt eine lahme Ente, auch wenn sein Vertrag verlängert wird.  Auch der Pförtner bei VW weiß, dass das Tischtuch zwischen ihm und Konzern-Patriarch Piëch zerschnitten ist. So ein Chef kann keinen grundlegenden Umbau mehr angehen. Soll Winterkorn nun wirklich versuchen, die Fehler auszubügeln, die im US-Geschäft mit einer völlig falschen Modellpolitik  gemacht wurden? Dass Winterkorn hier in Anbetracht seiner geschrumpften Autorität und Durchsetzungsfähigkeit noch richtig was bewegen kann, ist nur schwer vorstellbar.

Für das Projekt mit der höchsten Priorität, die  dringend notwendigen Umbauarbeiten bei der Kernmarke VW, wird  Winterkorn künftig ohnehin nicht mehr zuständig sein. Das soll der Neue angehen: Herbert Diess, der demnächst von BMW kommt und vor allem die Aufgabe hat, Kosten zu drücken und die Beschaffung der Komponenten neu zu organisieren.

Das bedeutet, mehr von Zulieferern besorgen, die günstiger sind als die  Komponentenwerke des eigenen Konzerns. Hier werden langfristig enorm wichtige Entscheidungen fallen.  Hier wird ein zentraler Konflikt ausgetragen: Wie lassen sich notwendige Kostensenkungen damit vereinbaren, dass der Betriebsrat sich vehement gegen Stellenstreichungen wehrt.

Nochmal, das ist Diess` Baustelle. Vieles spricht dafür, dass Winterkorn zu einem besseren  Frühstücksdirektor von Betriebsrats Gnaden abrutscht. Und in den Kulissen warten schon seine potenziellen Nachfolger, allen voran Porsche-Chef Matthias Müller. Ob Winterkorn  eines Tages doch noch Aufsichtsratschef wird, bleibt mehr als fraglich.

Und Piëch? Der Machtkampf hat gezeigt, dass er sich nicht mehr so verhalten kann, als würde der Konzern ihm gehören. Einsam und allein, ohne sich vorher zumindest mit anderen wichtigen Aufsichtsräten zu besprechen, wollte er Winterkorn abservieren. Das widerspricht auch den einfachsten Grundregeln der guten Unternehmensführung.

Betriebsrat bot Piëch die Stirn

Vor allem Betriebsratschef Bernd Osterloh soll Piëch tapfer die Stirn geboten haben. Aber er wird als Aufsichtsratschef weitermachen, er hat in  der Vergangenheit vielfach gezeigt, dass er Rückschläge verkraften kann. Doch der  Enkel des legendären Ferdinand Porsche, der bislang wie ein beinahe allmächtiger Herrscher des demnächst weltgrößten Autoimperiums wirkte,  hat einen nachhaltigen Reputationsverlust erlitten, den - wie sollte es auch anders funktionieren – er sich selbst beigebracht hat.

Bei Volkswagen ist nun vieles anders. Wir haben in den vergangenen Tagen eine Destabilisierung der Führung gesehen. Das birgt die Gefahr, dass die besagten wichtigen Projekte, die die Profitabilität und damit dauerhaft auch Arbeitsplätze sichern sollen, nicht konsequent angegangen werden. In der Führungskrise liegt aber auch eine Chance.

Die Chance, dass sich aus dem aktuellen Vakuum heraus nämlich in dem Konzern endlich die Führungsstrukturen entwickeln, die dem global agierenden Konzern mit seinen zwölf Marken entsprechen. Und die müssen weniger hierarchisch, weniger auf einzelne Personen zugeschnitten, sondern erheblich dezentraler werden. Vor allem braucht es in den verschiedenen Regionen selbstbewusste Manager, die weitgehend autonom entscheiden können, welche Modelle in ihren Regionen produziert werden. (dpa)

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