+
Die Geldanlage in Bitcoin gilt als hochriskant, die Technologie dahinter, eine sogenannte Blockchain, etabliert sich jedoch gerade in vielen Anwendungen.

Bitcoin

Ein Wal macht die Welle

  • schließen

Erneut schwankt der Kurs der Kryptowährung Bitcoin wild.

Nach vergleichsweise ruhigen Monaten hat der Kurs des Bitcoin zuletzt wieder eine spektakuläre Berg- und Talfahrt hingelegt. Am Freitag rauschte die Kryptowährung innerhalb weniger Minuten von knapp 8000 auf gut 6000 Dollar hinab – ein einzelner Anleger, ein sogenannter Wal, soll die Verkaufswelle ausgelöst haben. Am Sonntag schien der Schreck schon wieder verdaut, der Kurs kehrte zurück zur alten Höhe. Die Hoffnung, dass sich die virtuelle Währung für seriöse Anwendungen etabliert, bekommt damit einen Dämpfer.

Ende 2017 hatte Bitcoin mit einer Kursexplosion Schlagzeilen gemacht. Rund 20 000 Dollar kostete zeitweise eine der Währungseinheiten, die nicht als Schein oder Münze existieren, sondern ausschließlich als Ergebnis einer Rechenoperation im Computer. Inzwischen sind ungezählte ähnliche Kryptowährungen entstanden, unter denen der Bitcoin die bekannteste ist. Man kann sie zum Bezahlen im Internet verwenden, es gibt aber auch Onlinebörsen, wo die virtuelle in eine klassische Währung umgetauscht werden kann.

Die Geldanlage in Bitcoin gilt als hochriskant, die Technologie dahinter, eine sogenannte Blockchain, etabliert sich jedoch gerade in vielen Anwendungen. Weltweit experimentieren Geldhäuser mit Anlageprodukten und Zahlungsverkehr in Bitcoin, große Onlinehändler akzeptieren die Währung, Logistiker kontrollieren Warenströme mit der Blockchain, und Microsoft hat jüngst angekündigt, dass für eine Identifizierungssoftware die Bitcoin-Blockchain verwendet werden soll – nicht die Währung, aber die Technologie.

Dieser Trend half, den Wert des Bitcoin nach dem Absturz Anfang 2018 stabil zu halten und zuletzt wieder rapide steigen zu lassen. Als Anfang 2018 die riesige Spekulationsblase platzte, ging es abwärts bis auf 3000 Dollar. Lange pendelte der Wert in dieser Region, doch seit Anfang Mai ging es wieder steil aufwärts bis fast 8000 Dollar. Die Bitcoin-Projekte großer Konzerne – teils real, teils nur Spekulation – dürften ihren Teil dazu beigetragen haben.

Außerdem hat Sören Hettler von der DZ-Bank beobachtet, dass der Bitcoin-Wert vor allem in politisch unsicheren Zeiten steigt, ähnlich wie der Goldpreis. Als Donald Trump etwa die Zölle gegen China überraschend erhöhte, sprang der Bitcoin-Kurs. Offenbar fühlen sich Anleger mit der Kryptowährung sicher vor Turbulenzen im regulären Finanzmarkt.

Dafür drohen ihnen andere Risiken: Vermutlich ein einzelner Anleger sorgte am Freitag dafür, dass der Bitcoin-Wert um 20 Prozent abstürzte. „Der Verdacht liegt nahe, dass ein sogenannter Bitcoin-Wal aktiv geworden ist“, schreibt der auf Kryptowährungen spezialisierte Finanzmarktanalyst Timo Emden in einer Analyse. Als „Wale“ werden große Spieler am Finanzmarkt bezeichnet, und tatsächlich berichtete die Onlinebörse Bitstamp von einem großen Bitcoin-Einzelverkauf, der „starken Einfluss auf das Orderbuch“ gehabt habe. Der Vorgang werde nun untersucht.

Offenbar seien mehrere Tausend Bitcoins im zweistelligen Millionenwert auf einen Schlag verkauft worden, erklärt Emden. Anleger fürchteten die „Wale“, die in der Lage seien, den Markt mehr oder weniger zu lenken. „Dies hat in der Vergangenheit schon öfter zu Unbehagen bei Kleinanlegern geführt und sorgt bis heute für einen faden Beigeschmack.“ Am Wochenende nutzten trotzdem viele den Wertverlust zum vermeintlich günstigen Einstieg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare