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Verkaufsschlager: Eier von Hühnern aus biologischer Haltung.

Lebensmittel

Bio macht Landwirten Hoffnung

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Ökologische Lebensmittelproduktion wächst stark: Täglich stellen fünf konventionelle Bauernhöfe auf Bio um.

Bilder protestierender Bauern, die sich von der Gesellschaft nicht mehr verstanden und regulatorisch überfordert sehen, sind allgegenwärtig. „Es waren auch Bio-Bauern dabei, aber meist aus Solidarität mit konventionell wirtschaftenden Nachbarn“, sagt Felix Prinz zu Löwenstein. Denn die Probleme traditioneller Kollegen hätten sie nicht, betont der Chef des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (Bölw) zum Start der weltgrößten Messe für Bio-Lebensmittel Biofach in Nürnberg. „Biobauern fühlen sich anders wahrgenommen, auch weil sie Lösungen für drängende Probleme von Artenvielfalt bis Grundwasserschutz entwickeln“, erklärt der Bölw-Chef die Zweiteilung der Bauernschaft. Er plädiert dafür, den Bio-Gedanken über die Lebensmittelversorgung hinaus zu nutzen.

„Biologische Landwirtschaft kann Bauern und Gesellschaft versöhnen“, meint der Öko-Lobbyist. Auf den Verbraucher, der beim Lebensmitteleinkauf nicht mehr nur auf Preise achtet, sei dabei Verlass. Der hat in Deutschland 2019 Bio-Ware im Wert von knapp zwölf Milliarden Euro gekauft. Das war fast ein Zehntel mehr als im Jahr davor, womit sich das Wachstum beschleunigt. 2018 betrug das Umsatzwachstum 5,5 Prozent. Das zeige auch, dass Verbraucher mit Bio-Lebensmitteln finanziell nicht grundsätzlich überfordert seien. „Der Bio-Einkaufszettel wird stetig verlängert“, stellt Löwenstein fest.

Zwar bleiben Bio-Lebensmittel mit nun 5,3 Prozent Anteil am gesamten heimischen Lebensmittelabsatz eine Nische. Aber bei einigen Produkten geht es erkennbar in Richtung Massenmarkt. Ausgemachte Bio-Verkaufsschlager sind hierzulande Eier mit gut 14 Prozent Bio-Anteil und Mehl (12,1 Prozent), gefolgt von Milch (10,1 Prozent).

Anhaltend wachsender Bio-Nachfrage steht auch vermehrt Angebot aus heimischer Produktion gegenüber. An jedem Tag des Vorjahres haben im Schnitt fünf Landwirte auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Unter dem Strich ergab das einen Zuwachs der Bio-Anbaufläche um 6,6 Prozent auf mehr als 1,6 Millionen Hektar. Das ist erstmals mehr als ein Zehntel der gesamten Anbaufläche.

Blickt man auf die Anzahl der fast 34.000 Bio-Höfe, was einen Anteil von 12,6 Prozent bedeutet, ist der Öko-Gedanke so gerechnet sogar noch weiter verbreitet. Das politisch ausgegebene Ziel, bis 2030 auf ein Fünftel Bio-Anbaufläche zu kommen, ist bei anhaltenden Wachstumsraten erreichbar, freut sich Löwenstein.

Für Bio-Bauern bedeutet ökologisches Wirtschaften auch mehr ökonomische Sicherheit. Das lässt sich exemplarisch am Milchpreis ablesen. Erzeugerpreise für konventionelle Milch haben in den vergangenen sechs Jahren stark zwischen gut 20 und knapp 40 Cent je Kilogramm geschwankt. Zuletzt lagen sie bei 33 Cent. Bei Bio-Milch dagegen sind Preisschwankungen fast unbekannt. Zudem liegen die Preise durchgängig auf deutlich höherem Niveau von zuletzt 47 Cent.

Höhere Bio-Erzeugerpreise schlagen auf den Endverbraucher durch. Zwischen 30 Prozent mehr bis hin zum Doppelten müssen Kunden in Deutschland für Bio-Ware zahlen, sagt Löwenstein. Am geringsten seien die Unterschiede bei Milch oder Brot, am größten bei Fleisch. Davon können wiederum Bio-Bauern recht passabel leben.

Sie haben zwar mehr Aufwand. Aber nach einer Untersuchung des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft haben Arbeitskräfte auf Bio-Höfen im Vergleich zu denen in konventionellen Betrieben deutlich mehr im Geldbeutel. Rund 2500 Höfe wurden dazu verglichen. Ökobauern kommen pro Kopf im Schnitt auf 37 450 Euro Jahreseinkommen, konventionell wirtschaftende Kollegen auf 27.453 Euro und damit gut ein Drittel weniger.

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