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Eon macht höchsten Verlust der Firmengeschichte

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender von E.ON.
Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender von E.ON. © dpa

Der Stromriese fährt einen Verlust von 16 Milliarden Euro ein ? nur die Telekom musste schon einmal einen höheres Minus ausweisen. Wir erläutern, wie sich nun die Fehler der Vergangenheit rächen.

Wie ist der Verlust zustande gekommen?
Der größte Brocken sind Abschreibungen von elf Milliarden Euro auf die Tochter Uniper, die sich auf das Geschäft mit Gas spezialisiert hat. Hier kommt zum Tragen, dass die Kraftwerke nicht mehr soviel Geld wie einst einspielen und deshalb massiv an Wert verlieren.

Gibt es weitere Faktoren?
Es kommen die Beiträge für den Atomendlagerfonds hinzu. Noch einmal zwei Milliarden müssen dafür auf die hohe Kante gelegt werden. Insgesamt muss Eon bis Mitte des Jahres zehn Milliarden Euro überweisen. Schließlich verlangen Bilanzierungsvorschriften, dass  Eon Verluste durch Währungsumrechnungen bei Uniper-Geschäften in die eigenen Geschäftszahlen übernehmen muss.  

Wie kommen Einbußen von elf Milliarden Euro zustande?
Die Ursache für diese Entwicklung ist die Energiewende. Die Erneuerbaren werden nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, in denen Eon aktiv ist, ausgebaut. Dadurch wachsen die Stromerzeugungskapazitäten immer weiter, zumal Eon und andere Betreiber ihre konventionellen Kraftwerke weiter laufen lassen.

Was bedeutet das für die Strompreise?
Hierzulande sind inzwischen enorme Überkapazitäten entstanden, was in den vergangenen fünf Jahren zu kontinuierlich sinkenden Strompreisen führte. Obwohl es in jüngster Zeit eine Stabilisierung der Notierungen gegeben hat, erwarten die Experten auf absehbare Zeit ein niedriges Preisniveau, da durch die technologische Entwicklung Wind- und Sonnenstrom immer günstiger werden.

Was ist bei Eon schief gelaufen?
Der Konzern hat es über Jahre hinweg versäumt, die Konsequenzen aus politischen Entscheidungen zu treffen. Die Förderung der Erneuerbaren und der Atomausstieg wurden immerhin erstmals um die Jahrtausendwende von der rot-grünen Bundesregierung beschlossen. Das heißt Eon hatte anderthalb Jahrzehnte Zeit, die Geschäfte umzustellen.

Wie sah die Strategie des Managements aus?
Jahrelang beharrte das Management auf ihrem Geschäftsmodell, das sich auf fossile Energiequellen und die Kernenergie fokussierte. Zugleich wurde massiv Lobbyarbeit betrieben, um Beschlüsse wie den Atomaussteig rückgängig zu machen, was zeitweise erfolgreich war, allerdings nur  bis zur Reaktorkatastrophe von Fukushima. Die Erneuerbaren wurden jahrelang madig gemacht, etwa mit Warnungen vor vermeintlichen Blackouts.  

Wann wurde umgesteuert?
Erst mit der Gründung von Uniper Anfang 2016. Damit entstand zugleich eine neue Eon, die sich auf Stromerzeugung von Erneuerbaren, auf Netze, den Vertrieb und Dienstleistungen konzentriert. Uniper wurde im September 2016 an die Börse gebracht. Eon hält noch 53 Prozent der Anteile. Allerdings haben Analysten immer wieder gewarnt, dass Werte für die Uniper-Kraftwerke zu hoch angesetzt waren. Dies soll mit den jetzigen Abschreibungen glatt gezogen werden.  Die Bilanz sei ein letztes Mal von den Lasten der Vergangenheit geprägt, sagte Konzernchef Johannes Teyssen am Mittwoch. Der Weg in die neue Energiewelt sei nun frei gemacht.

Wie sieht der Weg von Eon aus?
Auch in der Betriebstätigkeit von Eon sieht es eher mau aus.  Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und einmaligen Effekten lag mit 3,1 Milliarden Euro rund  13 Prozent  unter dem Vorjahr. Dieses Jahr soll das Niveau von 2016 einigermaßen gehalten werden. Der Schuldenberg ist auf 26 Milliarden Euro gewachsen. Teyssen will ihn durch den Verkauf der restlichen Uniper-Anteile und anderer Beteiligungen abbauen. Sparen, schrumpfen, verkaufen: Das ist derzeit die Devise. So will  Eon  1300 der  43 000 Arbeitsplätze streichen, davon etwa 1000 in Deutschland. Geplante Investitionen sollen um zwei auch acht Milliarden Euro gekürzt werden. Und zur Finanzierung des Atomausstiegs soll es möglicherweise eine Kapitalerhöhung geben. All das gefällt den Aktionären nicht. Die Aktie brach am Mittwochmorgen um mehr als drei Prozent ein, obwohl die den Anteilseignern noch immer eine Dividende von 21 Cent je Aktie gezahlt werden soll.

Reicht das, um das Unternehmen auf Vordermann zu bringen?
Experten fordern, dass der Konzern seine Handlungsfähigkeit noch deutlich steigern muss, etwa durch den Verkauf von Netzen. Eon gehört ein viele tausend Kilometer lange Leitungsnetze, die Strom auf regionaler Ebene verteilen. Deren Verkauf kann zwar Milliarden bringen, aber damit schwindet zugleich die Basis für extrem sichere Einnahmen – zumal mit der Energiewende künftig erheblich mehr Strom auf der regionalen Ebene verteilt werden muss. Langfristig dürfte maßgeblich entscheidend sein, ob es Eon gelingt, bei den Erneuerbaren eine lukrative Stromerzeugung aufzuziehen. Windräder an Land und auf hoher See haben ebenso Perspektiven wie Solarparks. Aber die Projekte werden  in vielen Ländern über Ausschreibungen vergeben. Hier muss Eon mit Unternehmen konkurrieren, die über größere Erfahrungen verfügen. Ein ganz neues Feld könnte  das Geschäft mit Speichern werden, das sich gerade erst entwickelt.

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