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Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne will sparen.
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Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne will sparen.

LH-Systems

Lufthansa will IT auslagern

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Die Airline will einen Teil der IT-Sparte outsourcen. Obwohl die Tochtergesellschaft LH-Systems profitabel arbeitet, soll die technische Infrastruktur verkauft werden. Die 4200 Beschäftigten sind in Sorge um ihre Arbeitsplätze.

Wenn Manager sich in der Disziplin Kostendrücken üben, dann ist der Verkauf der Informationstechnik eine der beliebtesten Übungen. Bei der Lufthansa wird das gerade auf exemplarische Weise mit LH-Systems vorgeführt. Die Verlierer sind die Beschäftigten.

Die IT-Tochter von Deutschlands größter Airline mit rund 4200 Beschäftigten soll deutlich kleiner werden. Verkauft werden soll die Sparte Infrastruktur (1400 Mitarbeiter), die Rechenzentren betreibt und Server wartet und neben der eigenen Mutter noch eine große Zahl von Kunden außerhalb des Konzerns hat. Geplant ist ein klassischer Outsourcing-Deal: Die Rechenzentren werden inklusive der Belegschaft abgegeben. Zugleich führt der neue Eigner die Dienstleistungen für die Lufthansa für mehrere Jahre weiter. In etwa einem Jahr soll alles abgeschlossen sein.

Bemerkenswert dabei ist, dass der Bereich Infrastruktur nach FR-Informationen profitabel arbeitet. Warum dann verkaufen? Die Kosten der Sparte Infrastruktur lägen 30 Prozent über denen am Markt, sagt dazu die Finanzchefin der Lufthansa, Simone Menne.

Es kommt auf Größe an

Der Grund: Im harten Geschäft mit Rechenzentren kommt es auf Größe an. Je mehr Server ein Anbieter betreut, umso billiger wird es. LH-Systems ist aber nur ein kleiner Akteur. Zu den ganz Großen der Branche zählen IBM, Hewlett-Packard (HP) oder Atos. Mit den Dreien verhandeln die Lufthansa-Manager auch bereits. Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, dass das Interesse sehr groß ist.

Das liegt auf der Hand. Denn der künftige Eigentümer kauft mit der LH-Systems-Sparte auch einen neuen Kunden, die Lufthansa, die für viele Jahre auf dessen Dienste angewiesen sein wird. Damit kann der IT-Dienstleister zugleich seine Luftfahrt-Sparte stärken. Und der Fliegerei werden in den nächsten Jahren hohe Wachstumsraten zugetraut, es wird immer mehr IT gebraucht.

Der Clou für die Interessenten ist aber, dass zugleich der Spezialisierungsgrad der Rechenzentren nicht besonders ausgeprägt ist – spezifisch für eine Airline sind vor allem Dienste mit Hochsicherheitsanforderungen. So etwas muss ein IT-Dienstleister aber unter anderem auch für Firmen aus der Finanzbranche anbieten können. Das bedeutet: Der neue Eigentümer kann die Rechenzentren der Lufthansa, das wichtigste steht in Kelsterbach bei Frankfurt, mit den eigenen Rechenzentren verschmelzen und dadurch die Effizienz steigern. Auch das ist eine klassische Konstellation für einen Outsourcing-Deal.

Gut verkäuflich

Das zeigt: Die Infrastruktur-Sparte steht auch deshalb auf der Verkaufsrampe, weil sie gut verkäuflich ist – einen zweistelliger Millionenbetrag wird die Lufthansa dafür bekommen. Favorit soll Branchenkennern zufolge HP sein. Das Unternehmen wolle die LH-Systems auch dafür nutzen, sein Geschäft mit Mittelständlern auszubauen, heißt es.

„Die Interessenten für LH-Systems sind bereit, einige Kröten zu schlucken“, sagt ein Insider. Darauf baut auch Finanzchefin Menne. Sie will erreichen, dass der Käufer eine Jobgarantie für möglichst viele der 1400 Beschäftigten abgibt, am besten für alle. So etwas wird aber befristet. Drei Jahre sind üblich.

Unter den Beschäftigten jedenfalls geht die Angst um, dass es letztendlich darauf hinausläuft, dass die Zahl der Arbeitsplätze sukzessive reduziert wird und dass vielleicht schon in fünf Jahren kaum noch einer von der jetzigen Belegschaft übrig geblieben ist. Denn Effizienzsteigerung bedeutet vor allem Jobabbau. Auch das wäre typisch für einen Outsourcing-Deal.

Für Anfang Juni sind Protestaktionen der LH-Systems-Mitarbeiter geplant.

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