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Lufthansa streicht 1000 Flüge

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Von: Rolf Obertreis

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Flughafen Frankfurt: Viele Lufthansa-Maschinen bleiben am Mittwoch am Boden.
Flughafen Frankfurt: Viele Lufthansa-Maschinen bleiben am Mittwoch am Boden. © AFP

Wegen des Warnstreiks am Boden fallen am Mittwoch nahezu alle Lufthansa-Flüge in Deutschland aus. Der Ausstand werde noch längere Auswirkungen haben, warnt die Airline.

Laut Gewerkschaft ist es nur ein Warnstreik. Trotzdem sind die Auswirkungen drastisch – vor allem an den beiden größten deutschen Flughäfen in Frankfurt und München. Dort stellt Lufthansa den Flugbetrieb am Mittwoch praktisch komplett ein. In Frankfurt und München würden wegen des Streiks nahezu das gesamte Flugprogramm und insgesamt mehr als 1000 Flüge abgesagt, teilte die Lufthansa am Dienstag mit. In Frankfurt müssten insgesamt 678 Flüge gestrichen werden, davon 32 bereits am gestrigen Dienstag und 646 am Mittwoch. Am Drehkreuz München seien insgesamt 342 Flüge betroffen, teilte die Lufthansa am Dienstag mit. Betroffen seien in Frankfurt voraussichtlich 90 000 Passagiere, in München 42 000.

Von Streichungen betroffene Reisende seien bereits am Dienstag informiert und nach Möglichkeit umgebucht worden. Allerdings seien die Kapazitäten dafür begrenzt, weil alle Flüge derzeit gut oder komplett gebucht seien.

Der Streik, den die Gewerkschaft Verdi für rund 20 000 Boden-Beschäftigte der Lufthansa am Check-in, beim Gepäcktransport und dem Rangieren der Flugzeuge an allen größeren deutschen Flughäfen ausgerufen hat, sollte am Mittwochmorgen um 3.45 Uhr beginnen und bis Donnerstagmorgen um sechs Uhr dauern.

Verdi-Streik bei Lufthansa mit Folgen für Flugplan

Damit ist nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers klar, dass sich das auch auf den Flugplan am Donnerstag auswirken wird und auch dann noch mit Flugausfällen zu rechnen ist. Schließlich werden die Umläufe der Maschinen massiv gestört, so dass Flieger zum Teil erst wieder von ausländischen Flughäfen nach Frankfurt und München zurückkehren müssen. Der Ausstand werde Kund:innen und Personal über den Streik hinaus belasten, sagt Jens Ritter, Chef der Lufthansa-Airline.

Inwieweit der Warnstreik auch Auswirkungen auf den Ferienbeginn am Donnerstag in Baden-Württemberg und am Samstag in Bayern hat, ist unklar. Lufthansa hofft, dass sich das Fluggeschehen in München bis Samstag wieder normalisiert. Die Lufthansa-Tochter Eurowings, die unter anderem ab Stuttgart fliegt, ist zwar vom Streik nicht direkt betroffen. Allerdings ist sie zum Teil auch auf Bodendienste der Lufthansa angewiesen. Ein Lufthansa-Sprecher rät deshalb dringend, sich auch über den Status von Flügen mit Eurowings und auch anderen Airlines ab Frankfurt und München zu informieren. Das gilt vornehmlich für die Lufthansa-Töchter Swiss, Austrian und Brussels.

Viele Flugzeuge bleiben am Boden

„Die frühe Eskalation nach nur zwei Verhandlungstagen in einer bislang konstruktiv verlaufenen Tarifrunde richtet enorme Schäden an“, kritisierte Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann am Dienstag den Streik. „Angesichts unseres Angebots mit sehr substanziellen Vergütungssteigerungen im Zeitraum der nächsten zwölf Monate von mehr als zehn Prozent Plus in den Vergütungsgruppen bis 3000 Euro und rund sechs Prozent Plus bei 6500 Euro monatlicher Grundvergütung ist dieser sogenannte Warnstreik mitten in der Hauptreisezeit schlicht nicht mehr verhältnismäßig.“

Für die unterste Gehaltsgruppe von 2000 Euro brutto hat Lufthansa eigenen Angaben zufolge knapp 15 Prozent mehr angeboten. Zudem solle der Mindestlohn am 1. Oktober auf 13 Euro pro Stunde steigen. Verdi fordert eine Erhöhung der Gehälter um 9,5 Prozent oder mindestens 350 Euro im Monat. Die Lufthansa bietet in zwei Stufen 250 Euro und ab 1. Juli 2023 eine weitere Anhebung um zwei Prozent an, letztere aber abhängig davon, dass im Konzern dann wieder Gewinn erwirtschaftet wird.

Passagiere haben zumindest laut Plattform flightright.de auch im Falle eines wegen eines Streiks ausgefallenen Flugs möglicherweise Anspruch auf Entschädigung, zumindest wenn der Ausfall nicht unmittelbar auf den Tag des Streiks fällt. Dort heißt es: „Fällt ein Flug in die aktive Streikphase eines Arbeitskampfes, den die Airline nicht verhindern konnte, also beispielsweise ein Streik der Flughafenmitarbeiter oder der Fluglotsen und Lotsinnen, dann befreit die EU-Fluggastrechte-Verordnung die Fluggesellschaft von der Entschädigungspflicht“. Der aktuelle Warnstreik von Verdi richtet sich aber direkt gegen Lufthansa. Insofern besteht möglicherweise auch bei einem Flugausfall am Streiktag ein Anspruch auf Entschädigung.

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