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Wie läuft das Geschäft? Die Lufthansa äußert sich an diesem Dienstag dazu.

Flugverkehr

Airlines auf Kollisionskurs

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Der Wettbewerb in der Branche verschärft sich. Preisführer Ryanair verzeichnet einen Gewinneinbruch. Das bedeutet für Konkurrenten wie die Lufthansa nichts Gutes.

Die erfolgsverwöhnten Manager von Ryanair müssen einen Rückschlag hinnehmen. Der Gewinn des Billigfliegers bricht ein. Auch weil die Iren aggressiv um Marktanteile kämpfen, aber zugleich höhere Kosten wegstecken müssen. Wir erläutern, warum die gesamte Branche in eine tiefe Krise rutscht.

Wie sehen die aktuellen Zahlen von Ryanair genau aus?
Bemerkenswert ist, dass der Umsatz und die Zahl der Fluggäste in den drei Monaten von Anfang März bis Ende Juni um jeweils elf Prozent kletterten, der Gewinn aber um gut ein Fünftel auf 243 Millionen Euro einbrach. Das Wachstum wurde also massiv mit geringeren Ticketpreisen erkauft.

Wie haben sich die Kosten entwickelt?
Die sind massiv gestiegen, und zwar um rund 300 Millionen auf gut zwei Milliarden Euro. Der wichtigste Faktor dabei ist, dass die Preise für Treibstoff um fast ein Viertel beziehungsweise um 150 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr geklettert sind. Der Hintergrund: Im Frühjahr 2018 profitierte das Unternehmen noch von Lieferverträgen für Kerosin, die zu Zeiten abgeschlossen wurden, als der Liter Rohöl zeitweise noch weniger als 40 Dollar pro Fass (159 Liter) kostete. Dieses Frühjahr kamen Kontrakte mit deutlich höheren Preisen zum Tragen. Das wird sich auch in den nächsten Monaten fortsetzen. Derzeit kostet das Fass Rohöl 63 Dollar.

Wie sieht es bei den Personalkosten aus?
Auch die sind gestiegen, und zwar um 21 Prozent. Bei der Bezahlung des Personals nähert sich Ryanair immer mehr Konkurrenten wie Lufthansa oder Air France an. Das Management weigerte sich lange, mit Gewerkschaftern über Tarifverträge zu verhandeln. Diese Zeiten sind nach Streiks der Beschäftigten vorbei.

Warum hat Ryanair die Preise gesenkt?
Die Verbraucher sind in vielen europäischen Ländern zurückhaltender geworden – das gilt insbesondere für die Briten, die Angst vor einem harten Brexit haben. Und Großbritannien ist für Ryanair ein extrem wichtiger Markt. Zugleich gibt es in Europa nach wie vor ein Überangebot an Airlines und Flugzeugen. Der Kampf um Kunden hat sich verschärft. Ryanair hat mit billigen Tickets einerseits Marktanteile verteidigt und andererseits die extrem hohe Auslastung der Flieger halten können: Von 100 Sitzplätzen sind im Schnitt 96 besetzt. Diese Kennziffer gilt in der Branche als Indikator für Agilität und Effizienz einer Airline. Die Lufthansa kommt auf 85 Prozent.

Wie werden sich die nächsten Monate entwickeln?
Ryanair-Chef Michael O’Leary kann nur wenig Erfreuliches aus seiner Sicht berichten. Die niedrigen Ticketpreise würden in den kommenden Monaten Bestand haben, was Fluggäste erfreuen dürfte. Zugleich werde die Spritrechnung weiter steigern. Dennoch will der Manager die Zahl der Passagiere weiter steigern. Bei all dem gibt es aber eine große Unbekannte: Ryanair hat auf die Boeing 737 Max als Spritsparflieger gesetzt, die Kosten weiter drücken sollte. Doch für diese Maschinen gilt nach zwei Abstürzen ein Flugverbot. Deshalb wurden bislang keine Jets an die Iren ausgeliefert. O’Leary hofft nun, dass die ersten Flugzeuge Anfang 2020 in Dienst gestellt werden. Im Sommer nächsten Jahres sollen 30 Max-Maschinen fliegen, eigentlich sollten es dann schon 58 sein.

Was bedeuten diese Zahlen für die Konkurrenz?
Ryanair ist im europäischen Flugverkehr Preisführer. Andere Airlines müssen versuchen, möglichst nah heranzukommen. Das dürfte für diesen Sommer extrem schwer werden und vielfach rote Zahlen bringen, denn Ryanair ist in Europa auch die Airline mit den geringsten Kosten. Zudem ist zu bedenken, dass Wohl und Wehe vieler Fluggesellschaften von der Ferienzeit abhängt, denn dann wird das Geld verdient, von dem die Unternehmen im Gesamtjahr zehren. Weitere Pleiten kleinerer Anbieter könnten deshalb im Winterhalbjahr folgen.

Wird das Problem auch die Lufthansa treffen?
Die hiesige Nummer eins legt am heutigen Dienstag Zahlen vor, die Anlegern mutmaßlich wenig Freude bereiten werden. Schon Anfang Juni hatte der Konzern seine Prognosen nach unten korrigiert. Im Gesamtjahr könnte der Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit um bis zu 30 Prozent sinken. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten fast ein Drittel an Wert verloren.

Wie tief werden die Einschnitte in der Branche ausfallen?
Derzeit wird bei den großen Anbietern massiv über neue Strukturen nachgedacht. So soll es bei der Lufthansa Pläne geben, den Konzern in eine Holding umzubauen. Die verschiedenen Sparten könnten so effizienter werden. Dabei spielt eine Rolle, dass sich die Geschäfte immer stärker ausdifferenzieren: Bei der Billigsparte Eurowings müssen die Kosten in den nächsten zwei bis drei Jahren massiv gesenkt werden, um Ryanair Paroli bieten zu können. Das kann in diesem Maß in der Premiumkernmarke insbesondere bei Langstreckenflügen nicht nachvollzogen werden, weil es zu Ungunsten des Service ginge. Auch Ryanair schraubt an seinem Geschäftsmodell. Dabei geht es vor allem darum, die Ferienfliegerei für Reiseveranstalter neu zu organisieren, dafür soll die österreichische Tochter Lauda zuständig sein. Zudem kursieren Spekulationen, dass Ryanair mit der Tochter Malta-Air in das Afrika-Geschäft einsteigen könnte – mit dem Airport auf Malta als Umsteigeflughafen.

Welche Rolle spielt der Klimaschutz?
Er dürfte für alle Airlines immer stärker in den Fokus rücken. Wobei Kenny Jacobs, Marketingchef von Ryanair, immer wieder darauf hinweist, dass sein Unternehmen bislang von Flugscham nichts bemerke. Gleichwohl veröffentlicht Ryanair seit Kurzem seine CO2-Emissionen und macht darauf aufmerksam, dass man mit im Durchschnitt 66 Gramm pro Passagier und Kilometer beinahe nur halb so hoch wie die Lufthansa liege. Ryanair würde es besonders hart treffen, wenn die Kundschaft massenhaft auf die beliebten Wochenendtrips verzichten würde.

Hauptstadtflughafen BER wird geprüft

Nach jahrelanger Sanierung am künftigen Hauptstadtflughafen BER prüft der Tüv seit Montag im Hauptterminal, ob alle wichtigen technischen Anlagen im Verbund funktionieren. Ein Erfolg der Prüfungen gilt als Voraussetzung dafür, dass der Flughafen wie geplant im Oktober 2020 in Betrieb gehen kann. „Wir erwarten keine größeren Probleme“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im RBB-Inforadio. Er sei sehr optimistisch, was den Eröffnungstermin angehe.

Der drittgrößte deutsche Flughafen sollte eigentlich im Herbst 2011 in Betrieb gehen. Die Eröffnung wurde aber sechsmal verschoben. Baumängel, Technikprobleme und Planungsfehler verzögerten das Vorhaben. Vor allem beim Brandschutz gab es viele Umbauten.

Für die Wirk-Prinzip-Prüfungen sind zwei Monate veranschlagt. Dabei wird getestet, ob die Anlagengruppen im Zusammenspiel funktionieren. Dazu zählen zum Beispiel die Brandmelde- und Alarmierungsanlagen und die Sicherheitsstromversorgung. Davor waren die Anlagen nur einzeln geprüft worden. (dpa)

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