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160 Maschinen will die Lufthansa vom 1. Juni an wieder an den Start bringen.

Luftfahrtbranche

Lufthansa-Rettung in der Schwebe

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Die mögliche Staatshilfe für die Airline führt zu Streit - selbst die Union ist sich nicht einig.

Jetzt geht es in den Reihen der Union munter durcheinander. Zuerst hat sich Hessen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) für eine Staatsbeteiligung bei der Lufthansa ins Zeug gelegt. Postwendend warnte Markus Söder (CSU), Ministerpräsident in Bayern, am Freitag vor einer „Halbverstaatlichung“ von Deutschlands größter Airline. Die Verhandlungen über ein Rettungskonzept könnten sich hinziehen. Derweil geht der Fluggesellschaft langsam aber sicher das Geld aus.

Grenzöffnungen rücken näher. Und allenthalben versucht die Luftfahrtbranche, aus dem Lockdown heraus zu kommen. Es geht darum, den Neustart nicht zu verpassen. Denn das kann Marktanteile kosten. Ryanair, Europas größter Billigflieger, etwa will ab 1. Juli mit 40 Prozent der Flüge dabei sein. Die Lufthansa plant den Einsatz von 160 Jets – doppelt so viele wie aktuell – schon vom 1. Juni an.

Das könnte die prekäre Lage des Unternehmens noch verschärfen. Sind die Maschinen nur spärlich ausgelastet, könnte die Airline draufzahlen. Dabei verbrennt das Unternehmen derzeit schon rund 800 Millionen Euro pro Monat. Die Reserven sind bald aufgebraucht, wenn keine Hilfe vom Staat kommt. Dass rund neun Milliarden Euro mobilisiert werden sollen, darüber besteht indes in der schwarz-roten Koalition Konsens. Doch wie das Auffangnetz geknüpft werden soll, ist höchst umstritten.

Sozialdemokraten und Gewerkschafter wollen eine Mischung aus Krediten und Eigenkapital. Mit dem Effekt, dass der Bund zum größten Aktionär wird. Mit mutmaßlich zwei Sitzen im Aufsichtsrat und einer Sperrminorität. Alle weitreichenden Entscheidungen des Managements müssten dann im Konsens mit dem Bund und den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat gefällt werden. Das wird brisant, wenn es beim anstehenden Umbau des Konzerns um Arbeitsplätze und Standorte geht.

Einschnitte fürs Personal

Bouffier unterstützt diesen Plan – in Frankfurt befindet sich die Heimatbasis der Lufthansa. Seine Begründung: „Wir müssen aufpassen, dass niemand heimlich die Lufthansa-Aktien aufkauft und dann Druck auf den Konzern ausübt“, sagte Bouffier der „Rheinischen Post“. Tatsächlich ist das Unternehmen mit seinem Börsenwert von nur noch 3,7 Milliarden Euro leicht angreifbar. Theoretisch könnten staatlich kontrollierte Airlines aus China oder vom Persischen Golf größere Aktienpakete erwerben. Eine komplette Übernahme ist indes unwahrscheinlich, denn dann würde die Lufthansa Start- und Landrechte verlieren, die vor der Krise sehr wertvoll waren. Hinzu kommt, dass auch die Rivalen heftig mit der Corona-Krise zu kämpfen haben.

Söder hingegen machte am Freitag deutlich, dass die CSU das „Halbverstaatlichungsmodell“ äußerst skeptisch sieht. „Wir glauben nicht, dass das der richtige Weg ist, die Lufthansa zu einer zweiten deutschen Bahn zu machen.“ In Branchenkreisen heißt es, dass auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den direkten Einstieg ablehnt. Dabei sind offenbar vor allem Bedenken wegen der EU-Wettbewerbsregeln ein maßgebliche Faktor.

Ryanair-Chef Michael O’Leary hat angekündigt, gegen Stützungsaktionen für Airlines Klagen beim Europäischen Gerichtshof einzureichen. Er befürchtet insbesondere, dass eine mit Staatsgeld gestärkte Kranichlinie sich zuerst den trudelnden Ferienflieger Condor einverleiben und damit die Dominanz in Deutschland ausbauen wird.

Die Lufthansa verlangt unterdessen von ihren Beschäftigten erhebliche Sanierungsbeiträge. So sollen nach Forderung des Unternehmens die Einkünfte der Flugbegleiter mindestens um 20 Prozent sinken, bestätigte der Geschäftsführer der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, Informationen des Magazins „Spiegel“. Zulagen und Gewinnbeteiligung für 2019 sollten laut „Spiegel“ ebenso gestrichen werden wie der Arbeitgeberbeitrag zur Übergangsversorgung. Und ab kommendem Sommer auch das Urlaubsgeld. Im Gegenzug wolle man auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.

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