Schlechtestes Konzernergebnis der Geschichte

Corona stürzt die Lufthansa in eine schwere Krise: Konzern kündigt Kündigungswelle an

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Die Krise der Lufthansa verschärft sich weiter. Der Konzern stellt Mitarbeiter infolge der Corona-Pandemie auf Kündigungen ein, Verhandlungen mit den Gewerkschaften laufen.

  • Die Lufthansa hat betriebsbedingte Kündigungen angekündigt.
  • Der Konzern verzeichnete im ersten Halbjahr 2020 rund 3,6 Milliarden Euro Verlust.
  • Eine Erholung nach der Corona-Pandemie könne mehrere Jahre dauern, so Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr.

Frankfurt - Die Lufthansa hat ihre Mitarbeiter betriebsbedingte Kündigungen eingestellt. Grund sind laut der Fluggesellschaft der eingebrochene Flugverkehr aufgrund der Corona-Pandemie und stockende Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Noch vor wenigen Wochen waren diese Kündigungen ausgeschlossen worden.

Lufthansa rechnet mit mehreren Jahren Erholungsphase

In einem Brief an die Beschäftigten schildert der Konzern die aktuelle Lage. „Uns bleibt keine andere Wahl, als uns viel schneller und stärker zu verändern.“ Damit gehe einher, dass nicht mehr auf die Prozesse und Methoden der Vergangenheit gesetzt werden könne. Einer Hoffnung auf schnelle Verbesserung des Geschäfts erteilte die Konzernspitze eine Absage. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bezeichnete der Lufthansa-Vorstand als „gravierender und noch nachhaltiger“, als noch im Frühjahr vermutet wurde.

Der Umsatz des größten deutschen Luftfahrtkonzerns sank aufgrund des durch die Corona-Pandemie eingeschränkten Luftverkehrs um 80 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, für das erste Halbjahr 2020 wird mit einem Verlust von 3,6 Milliarden Euro gerechnet. Die Zahl der Fluggäste der Lufthansa sank auf 1,7 Millionen und damit um 96 Prozent gegenüber 2019. Aufgrund der Verluste war die Lufthansa-Aktie bereits aus dem DAX gestrichen worden. Auch andere Aktien sind durch die Pandemie zwischenzeitlich in den Keller gerutscht.

Lufthansa und Gewerkschaften in schwierigen Verhandlungen

Konkret wurde die Stilllegung von Flugzeugtypen und ganzer Flottenteile angekündigt. Entsprechende Maßnahmen sollen mit den Gewerkschaften abgestimmt werden. Aber: „Betriebsbedingte Kündigungen können wir aber überall dort, wo Modelle und Vereinbarungen zur Kompensation von Überkapazitäten fehlen, nicht mehr ausschließen.“ Daher sollen im Rahmen einer Restrukturierung infolge der Corona-Pandemie 22.000 der Ende Juni 129.400 Vollzeitstellen bei der Lufthansa abgebaut werden. Die Zahl der Führungskräfte soll um 20 Prozent sinken.

Neben der Corona-Pandemie machte der Vorstand der Lufthansa auch die zähen Verhandlungen mit Gewerkschaften für den Stellenabbau verantwortlich. So habe man sich mit keiner Gewerkschaft auf eine endgültige Vereinbarung einigen können. Verdi-Vorsitzende Christine Behle wies den Vorwurf zurück. Die Gewerkschaft vertritt vor allem die 35.000 Beschäftigten der Lufthansa am Boden. Behle attestierte dem Konzern eine „Blockadehaltung“ und forderte einen sozialverträglichen Personalabbau mit ausreichendem Schutz vor Kündigungen. Lohnverluste seien nicht hinnehmbar.

Lufthansa-Chef Spohr verabschiedet sich vom Wachstum

Erst vor wenigen Wochen hatte die Lufthansa staatliche Hilfen in Höhe von rund neun Milliarden Euro zugesagt bekommen. Mit weiteren Krediten verfügt der Konzern über 11,8 Milliarden Euro, um aus der Krise zu kommen. Trotz dieser umfassenden Unterstützung rechnet Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr nicht mit einer baldigen Rückkehr der Nachfrage zum Vorkrisenniveau. „Insbesondere bei Langstreckenverbindungen wird es keine schnelle Erholung geben“, so Spohr. Erst bis zum Jahr 2024 erwarte er eine Erholung. Die Corona-Pandemie habe die ganze Branche betroffen, so Spohr. Diese sollte nicht mehr um jeden Preis nach Wachstum streben. Von Marcel Richters mit AFP

Rubriklistenbild: © Boris Roessler / dpa / picture alliance

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