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Das Fliegen ist der Ausgangspunkt der Reisekette.

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Lufthansa will Reisen komfortabler machen

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Vom Transportunternehmen zum Reise-Paket-Anbieter: Gespräch mit Christian Langer über neue Ideen beim Kranich. 

Yilu oder Airlinecheckins – diese Start-ups mögen derzeit nur für Insider gängige Begriffe sein. Doch solche innovativen Firmen werden immer wichtiger, glaubt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Es sind zwei Reise-Start-ups, die Lufthansa selbst auf die Beine gestellt hat, im Innovation Hub in Berlin. Gerade hat Lufthansa eine Forschungsallianz mit der kanadischen Firma Hopper geschlossen, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die Entwicklung von Flugpreisen vorhersagen und damit den besten Zeitpunkt für Buchungen nennen kann. Weil dort die Start-up-Szene auch für das Reisen brummt hat die Airline in Singapur den nächsten Hub eröffnet. Lufthansa will dabei sein. Christian Langer verantwortet die Digitalisierungsstrategie und die Innovation Hubs der Lufthansa. Im Gespräch mit der FR erzählt der 47-Jährige von Herausforderungen, Erfolgen, aber auch Fehlschlägen auf diesem Weg.

Herr Langer, Ihr Chef Carsten Spohr war zwar bei der Eröffnung nicht dabei. Gleichwohl bezeichnet er den neuen Lufthansa Innovation Hub in Singapur als extrem wichtig. Es gibt doch schon seit 2014 einen in Berlin? Warum ein zweiter und noch 2019 ein dritter im chinesischen Shanghai?
Der Hub in Berlin gibt uns einen extrem guten Zugang zum Start-up-Markt in Europa und Nordamerika. Aber der Blick nach Asien lohnt immer mehr. Gerade in Singapur hat sich eine sehr lebendige Innovations- und Start-up-Szene insbesondere rund um das für Lufthansa wichtige Thema Mobilität und Reisen entwickelt. Es geht immer schneller, immer mehr Geld fließt in diese Szene. Deshalb sollten, ja müssen wir vor Ort sein.

Was macht ein Innovation Hub?
Es geht um die gesamte Betrachtung der Reisekette mit dem Fliegen als Ausgangspunkt. Wo gibt es links und rechts davon neue Unternehmen und Technologien? Daraus erkennen wir für uns spannende neue Geschäftsmodelle. Der Innovation Hub initiiert Partnerschaften zwischen der Lufthansa Group und kleinen Start-ups bis zu größeren Unternehmen. Wir investieren in solche Unternehmen und der Innovation Hub fungiert als Inkubator für neue Firmen, gründet sie selbst und entwickelt sie weiter.

Wie stark ist der Einfluss der Digitalisierung und auch der Künstlichen Intelligenz auf die Branche? Welche Bedeutung hat dies für das Reisen?
Vieles von dem was sein wird, können wird noch gar nicht absehen. Das ist das Spannende an Innovationen. Wir möchten frühzeitig erspüren, was gehen könnte. Reisen wird ein durchgängiges, einfaches und stärker personalisiertes Erlebnis. Es geht darum, das Reisen aus Sicht des Kunden nahtloser zu gestalten. Da helfen alle neuen Technologien.

Wie viele für Lufthansa und die Branche wichtige Start-ups gibt es? Wo sitzen die?
Weltweit sind es rund 2500 relevante Start-ups, die sich mit Zukunftsfragen der Mobilität und des Reisens befassen. Die beobachten wir ständig. Etliche sitzen in Nordamerika, einige in Europa, sehr viele und immer mehr in Asien.

Die Rede ist immer wieder von erfolgreichen Unicorns unter den Mobilitäts- und Reise-Startups, was heißt das? Gibt es solche Unicorns auch in Deutschland?
Weltweit hat der Innovation Hub 34 Start-ups als Unicorns identifiziert. Das bedeutet, dass sie einen Unternehmenswert von mehr als einer Milliarde Dollar haben. In Asien gibt es 17 Unicorns im Reise- und Mobilitätskontext. In Europa sind es vier. In Deutschland mit Flixbus und GoEuro zwei. Und es sieht so aus, als gäbe es mit GetYourGuide bald ein drittes.

Um was geht es Lufthansa genau? Um Innovationen fürs das Fliegen?
Wir schauen auf die gesamte Reisekette. Niemand denkt heute nur noch ans Fliegen, man möchte ein Erlebnis haben, einen Geschäftstermin wahrnehmen. Beides soll von der Haustür aus bis zum Termin oder Erlebnis und zurück gestaltet werden. Deswegen blicken wir etwa auf Firmen für die Mobilität am Boden, also das Fahrrad, das Taxi, auf Carsharing oder E-Roller – also auf alle Teile der Reisekette. Die gesamte Reise soll möglichst komfortabel und einfach gestaltet werden.

Wie hoch ist der Druck aus dem Vorstand?
Es gibt keinen Druck, sondern wir spüren starke Unterstützung. Die Vorgabe besteht darin, eine Verbindung von Lufthansa zu den Innovationstreibern der Reise- und Mobilitätsbranche zu schlagen und zu verstehen, was dort passiert. Quantifizierbar in Zahlen ist das im ersten Schritt nicht. Aber natürlich sollen das Kerngeschäft der Lufthansa beschleunigt und neue Geschäftsfelder jenseits davon erschlossen werden. Dafür haben wir die volle Unterstützung des Vorstands. 2018 hat er ein Digital Executive Board als zentrales Entscheidungsgremium für Digitalthemen gebildet mit Beteiligung von drei Vorständen, unter anderem Harry Hohmeister für die Lufthansa und Thorsten Dirks für Eurowings.

Christian Langer.

Wie wird Ihre Arbeit in anderen Bereichen des Konzerns gesehen? Gibt es Widerstände? Digitalisierung und Innovation bedeutet meist auch mehr Automatisierung und weniger Arbeitsplätze.
Lufthansa geht seit Jahrzehnten erfolgreich mit technologischen Veränderungen um. Das ist auch bei der Digitalisierung so. Ich sehe keine Widerstände. Was immer bleibt sind die Fähigkeit und Bedeutung von Pilotinnen und Piloten, die soziale Kompetenz von Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern und das handwerkliche Geschick und außergewöhnliche Know how unserer Ingenieure und Flugzeugtechniker. All das wird weder durch Digitalisierung noch durch Roboter ersetzt werden. Aber die Digitalisierung wird auch ihnen helfen.

Was ist seit 2014 im Innovation Hub in Berlin passiert?
Es gab für unsere Arbeit keine Blaupause. Wir haben vieles ausprobiert, mussten auch Fehlschläge hinnehmen. Vieles hat nicht funktioniert. Es war ein kurviger Weg. Seit Mitte 2016 hat sich vieles geklärt und insbesondere letztes Jahr war sehr erfolgreich. Wir haben drei Investments in Tech-Start-ups getätigt, vier strategische Partnerschaften realisiert und erstmals gemeinsam mit der Lufthansa Group ein Start-up ausgegründet. Mit dem Schritt nach Singapur leiten wir jetzt die nächste Evolutionsstufe ein.

Was heißt das konkret?
Der Innovation Hub hat Unternehmen gebaut wie AirlineCheckins, eine App die Sie automatisch bei jeder Airline weltweit eincheckt. Oder eine Zehnerkarte für das Fliegen, die bei Eurowings und Swiss getestet wurde und bei Swiss dauerhaft eingeführt werden soll. 50 Prozent der Projekte des Innovation Hubs sind aktiv und generieren schon Umsatz. Einige wurden an den Konzern übergeben, andere verfolgt der Innovation Hub selbst weiter. 2018 haben wir mit Yilu in Berlin die erste Firma ausgegründet. Sie führt alle Reiseinformationen auf einer Plattform zusammen. Die nächsten Start-ups stehen in den Startlöchern.

Was macht die Konkurrenz?
Keine größere Airline in Europa, Amerika, Asien und in Afrika kümmert sich nicht um Digitalisierung und Innovationen. Das kann sich niemand leisten. Aber die Ausprägung beim Lufthansa Innovation Hub ist, glauben wir, einmalig umfassend.

Geht es bei den Innovation Hubs in Berlin und Singapur auch um Flughäfen? Hat das auch Bedeutung für den Berliner Flughafen, de 2020 eröffnet werden soll?
Das Erlebnis am Flughafen ist ein wichtiger Teil der gesamten Reiseerfahrung und schließt unmittelbar an die Flugerfahrung an. Deswegen interessieren uns innovative Lösungen und Services, die etwa einen nahtlosen Anschluss an die Mobilitätsoptionen am Flughafen ermöglichen oder die Zeit am Flughafen für Geschäftsreisende möglichst effizient und bequem gestalten. Mit dem Flughafen München Terminal 2 haben wir 2018 bereits eine Kooperation mit mytaxi realisiert und Taxi-Sharing an den Flughafen gebracht. Wir erkunden aktuell, wie wir mit dem Flughafen Changi in Singapur zusammenarbeiten können, der weltweit zu den technologisch führenden Airports zählt. In Berlin gibt es den neuen Flughafen ja leider noch gar nicht.

Ein zentrales Thema muss der Klimaschutz und die Frage des umweltverträglichen Transports sein. Was kann ein Innovation Hub beisteuern?
Das fängt für den Innovation Hub gerade an eine Rolle zu spielen. Kundenbefragungen zeigen uns, dass es diesen Wunsch gibt. ‚Rydes‘ ist ein solches von uns entwickeltes Programm, durch das man etwa durch das Nutzen von Miet-Fahrrädern oder von Carsharing Punkte sammeln und Prämien erhalten kann. Der Verzicht auf das eigene Auto und das gemeinsame Nutzen neuer Mobilitätsangebote in der Stadt werden belohnt.

Und beim Fliegen selbst?
Klimaschutz ist für die Lufthansa Group ein wichtiges und großes Thema. Wir können durch digitale Prozesse eine noch bessere Auslastung der Flugzeuge erreichen und damit den Pro-Kopf-Verbrauch pro Passagier weiter senken. Es geht um die Frage, wie wir die Digitalisierung nutzen können, um das Fliegen noch effizienter zu machen. Da können und werden Innovation Hubs ihren Beitrag leisten.

Interview: Rolf Obertreis

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