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Da war er noch ganz in seinem Element: Christoph Franz bei der Bilanzpressekonferenz der Kranichlinie im Frühjahr.

Lufthansa

Lufthansa-Chef Franz geht von Bord

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Dieser Wechsel kommt auf für Insider überraschend: Christoph Franz verlässt nach 15 Jahren die Lufthansa und wird Verwaltungsratsvorsitzender bei Roche. Bei der Lufthansa hat sich Franz viele Feinde geschaffen.

Dieser Wechsel kommt auf für Insider überraschend: Christoph Franz verlässt nach 15 Jahren die Lufthansa und wird Verwaltungsratsvorsitzender bei Roche. Bei der Lufthansa hat sich Franz viele Feinde geschaffen.

Ist das Fahnenflucht? „Nein“, sagt Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler. „Christoph Franz hat einfach die schönere Braut gewählt.“ Die Braut ist der Schweizer Pharmakonzern Roche. Der Lufthansa-Boss verlässt Deutschlands größte Fluggesellschaft und wird im Frühjahr Präsident des Roche-Verwaltungsrats. Für die Airline ist das ein schwerer Schlag.

Der Wechsel kommt auch für Insider überraschend. Denn der gebürtige Frankfurter gilt als Lufthanseat durch und durch. Zudem ist der von ihm angestoßene Großumbau des Unternehmens bestenfalls zur Hälfte bewältigt. Franz erkälte, die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. Aber „aus beruflichen Gründen“ habe er sich entschlossen, nach Erfüllung seines Vertrages im Mai 2014 nicht mehr für die Airline zu arbeiten. Die beruflichen Gründe dürften nach Einschätzung von Pieper klar sein: „Mehr Gehalt und ein merklich einfacheres Unternehmen.“

Roche ist Weltmarktführer in der Krebsbehandlung. Schon lange sucht der Konzern einen Nachfolger für den 67-jährigen Verwaltungsratschef Franz Humer, der im Frühjahr 2014 in Rente geht. Mehrere Kandidaten haben abgewinkt. Franz passt beinahe ideal auf den Posten des Verwaltungsratschefs. Er kennt die Arbeit, seit 2011 hat er als Nebenjob einen Sitz in dem Gremium. Deutsch als Muttersprache und Erfahrungen mit der Globalisierung von Unternehmen definierte Humer kürzlich als weitere Voraussetzung für Interessenten.

Das Manko von Franz: Mit der Pharmabranche hatte er bislang nichts am Hut. Der studierte Wirtschaftsingenieur kommt auf rund 15 Jahre bei der Lufthansa. Anfang der 90er Jahre gehörte er zu dem Stab, der unter dem damaligen Vorstandschef Jürgen Weber den ersten Großumbau des Konzerns umsetzte. 1994 warb der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn ihn ab. Bei der Bahn erlebte Franz sein größtes Desaster: Er führte ein Preissystem ein, das sich an den Ticketverkauf von Airlines anlehnte. Nach heftigen Protesten wurde es zurückgenommen und Franz 2003 gefeuert. Ein Jahr später kehrte er zum LH-Konzern zurück – mit der Mission die gerade übernommene und darniederliegende Schweizer Fluggesellschaft Swiss wieder auf die Beine zu bringen. Für die Sanierung gab es viel Lob.

Damals zog er mit seiner Familie in die Nähe von Zürich. Dort ist noch immer sein Lebensmittelpunkt, obwohl Franz seit 2009 zum Vorstand der Lufthansa gehört und seit Anfang 2011 an der Spitze des Unternehmens steht. Insider gehen davon aus, dass die besondere Beziehung zur Schweiz ein weiterer Faktor für den Wechsel zu Roche war.

Franz' Job als Lufthansa-Chef ist nicht einfach. Der Konzern wird in die Zange genommen: auf Kurz- und Mittelstrecken von Billigfliegern, die erheblich günstiger wirtschaften als die LH, auch weil sie ihren Beschäftigten weniger zahlen. Auf der Langstrecke setzen dem Konzern vor allem Airlines vom Persischen Golf zu, die von ihren Regierungen stark subventioniert werden. Franz hat mit einem groß angelegten Umbauprogramm namens Score reagiert, für das er von Anlegern und Analysten abermals viel Lob bekommen hat. Die wichtigsten Schritte waren die Erneuerung und Vereinheitlichung der überalterten Flotte und die Stärkung der Billigflugtochter Germanwings. Im Juli hat der Low-Cost-Carrier von der Lufthansa die europäischen Verbindungen übernommen, die nicht über die beiden Drehkreuze Frankfurt und München gehen. „Franz ist die Umstrukturierung konsequent angegangen und sich dabei nicht gescheut, mit Traditionen zu brechen und sich mit den Arbeitnehmervertretern anzulegen“, sagt Pieper. Jetzt bestehe die Gefahr, dass Score ins Stocken komme.

Zumal sich Franz im Konzern viele Feinde geschaffen hat. Immer wieder wurde sein technokratischer Führungsstil kritisiert. Überall im Konzern seien Controller unterwegs, die sich zwar mit Zahlen, aber nicht mit dem Luftfahrt-Geschäft auskennen würden, heißt es. Während des Tarifkonflikts beim Bodenpersonal im Frühjahr warf die Gewerkschaft Verdi dem Lufthansa-Vorstand vor, dass Lohndrückerei betrieben werde.

Gleichwohl, Frank Skodzik, Analyst bei der Commerzbank, ist davon überzeugt: „Das Rad kann nicht mehr zurück gedreht werden.“ Die Umstrukturierung sei organisatorisch breit aufgestellt und inzwischen tief in den Strukturen der Lufthansa verankert. Unter Analysten gibt es auch schon einen klaren Favoriten für die Franz-Nachfolge: Carsten Spohr. Der Chef des Passagiergeschäfts ist ohnehin derjenige, der die größten Brocken des Umbauplans bewältigen muss.

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