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Ein Beschäftigter der LSG Sky Chefs bringt Essen an Bord.

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Lufthansa Catering: Soziale Verantwortung angemahnt

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LSG Sky Chefs will massiv Personal abbauen. Beschäftigte, Gewerkschaft und Politik sorgen sich.

Die hessische Landesregierung ist mit der Lufthansa wegen der Unruhe in ihrer Catering-Tochter LSG Sky Chefs im Gespräch. „Tausende Menschen sind dort beschäftigt – darunter viele Mitarbeiter, die sich derzeit große Sorgen machen, weil das Angebot an vergleichbaren Jobs begrenzt ist“, sagte ein Sprecher von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) der Frankfurter Rundschau am Freitag. „Das ist verständlich und natürlich war das in letzter Zeit auch Thema bei Gesprächen mit der Lufthansa.“

Lufthansa hat seine Catering-Tochter, die Mahlzeiten für Flugpassagiere zubereitet, zum Verkauf gestellt. Zugleich plant die LSG einen enormen Einschnitt beim Personal. Nach LSG-Unterlagen, die der FR vorliegen, gab es dort im Februar 2017 noch 4182 Vollzeitstellen. Ziel sei es, die Zahl bis 2022 auf 2330 zu reduzieren.

7000 Beschäftigte in Deutschland

Die Zahl der Betroffenen liegt weit höher, da viele Beschäftigte keine volle Stelle haben. In Deutschland verdienen laut Angaben der Gewerkschaft Verdi derzeit rund 7000 Menschen bei LSG ihr Geld, die meisten davon in Frankfurt.

Im tschechischen Bor baut LSG eine neue Großküche, die Arbeit aus Frankfurt übernehmen könnte. Mitarbeiter berichten der FR, dass dies zu Qualitätseinbußen führen würde, da das Essen dann nicht mehr frisch in die Flugzeuge gebracht werden könnte, sondern ein stundenlanger Transport notwendig wäre. Es gebe Hinweise, dass Fluggesellschaften mit hohen Qualitätsansprüchen dann den Anbieter wechseln könnten.

LSG steht seit Jahren unter Druck, weil der Absatz der Menüs sinkt. Die Beschäftigten hatten in den vergangenen Jahren Einschnitte hinnehmen müssen, etwa eine Lohnsenkung um drei Prozent und den Verzicht auf Urlaubstage. Im November schrieben Mitglieder des Betriebsrats an Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr und erinnerten ihn an die „soziale Verantwortung“ des Unternehmens. Outsourcing und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland müssten gestoppt werden.

Lufthansa: Proteste gehen weiter

Das Unternehmen ließ sich fünf Monate Zeit, bevor LSG-Chef Erdmann Rauer antwortete. Er machte den Beschäftigten wenig Hoffnung. „Um LSG Sky Chefs in Deutschland – unabhängig von der Überprüfung der Eigentümerstruktur – wettbewerbsfähig zu gestalten, ist die unsererseits konsequent verfolgte Transformation unumgänglich“, teilte er mit.

Bei einer Protestveranstaltung der Gewerkschaft Verdi in dieser Woche stellten sich SPD und Linke hinter die Forderungen der Beschäftigten. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LSG dürfen nicht die Verlierer einer Strategie zur Bilanzoptimierung werden“, verlangte SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel. Linken-Fraktionschefin Janine Wissler prangerte an, dass schon heute Leiharbeit, Minijobs und Arbeit auf Abruf „leider Normalität im Unternehmen“ seien.

Frankfurter Flughafen: Nachtflugverbot wird regelmäßig nicht eingehalten

Das Land Hessen sieht wenig Möglichkeiten, Lufthansa und LSG von ihren Plänen abzubringen. Es bleibe „eine unternehmerische Entscheidung der Lufthansa, wie sie in Zukunft ihren Konzern aufstellt“, sagte Al-Wazirs Sprecher. „Die Landesregierung hat keine direkten Einflussmöglichkeiten. Umstrukturierungen muss sich die Lufthansa von der Landesregierung nicht genehmigen lassen.“

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