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Fluglotsen sitzen an ihren Arbeitsplätzen in einem Kontrollraum der Deutschen Flugsicherung (DSF) in Karlsruhe.

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Lotsen dringend gesucht

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Es wird eng: Die Deutsche Flugsicherung rekrutiert Personal und hofft auf chaosfreie Osterferien.

Die erste große Reisewelle des Jahres steht an Ostern bevor. Klaus-Dieter Scheurle, Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS), hat am Mittwoch versprochen, dass seine Leute ihr Bestes tun wollen, um ein Flugchaos rund um die Feiertage zu verhindern. Die Personalplanung sei so gestrickt, dass die Lotsen mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeitkontingente während des Sommerflugplans ableisten. Doch der Manager räumte auch ein: „Wir müssen damit rechnen, dass sich durch die Flugsicherung bedingte Verspätungen möglicherweise noch etwas erhöhen werden.“

Im vergangenen Jahr hatte es chaotische Zustände an europäischen Flughäfen gegeben. Ursache war ein Wachstum des Luftverkehrs, den die Branche unterschätzt hatte. Deutschland hat nun Frankreich als Land mit dem am höchsten belasteten Luftraum auf dem Alten Kontinent abgelöst.

Scheurle sprach am Mittwoch von „einem beachtlichen Wachstum“, das sich in diesem Jahr fortgesetzt habe. So hat die DFS im Februar pro Tag durchschnittlich 246 Flüge mehr als im Vorjahresmonat gezählt. Am stärksten zugelegt habe Ryanair.

Der Trend wird sich noch verstärken. Nach dem Rekordwert von 3,34 Millionen von der DFS kontrollierten Flügen 2018 wird für 2019 eine weitere Steigerung auf 3,46 Millionen erwartet. Wachstumstreiber sind ost- und südosteuropäische Länder. Und mit ähnlichen Steigerungsraten soll es die nächsten Jahre laut einer gemeinsamen Prognose von DFS und der hiesigen Airlines weiter nach oben gehen. 2025 wird mit 3,8 Millionen Flügen hierzulande kalkuliert. „Wir werden zunehmend ein Problem haben“, sagte Scheurle. Man komme an die Kapazitätsgrenze des Luftraums über der Republik.

Doch nicht nur der Platz am Himmel wird knapp. Die Flugsicherung hat auch mit Personalproblemen zu kämpfen. Zum einen orientierte sich die Planung bei den Fluglotsenstellen an Hochrechnungen der europäischen Luftfahrtbehörden, die das Wachstum massiv unterschätzten. Zum anderen räumte Scheurle hausgemachte Fehler ein. Falsch eingeschätzt habe man die Zahl der Lotsen, die in Frührente oder Teilzeit gegangen seien. Derzeit sind 2200 Lotsen im Dienst.

Doch die DFS bemüht sich, ihre Belegschaft schnell aufzustocken. Aktuell sind 221 Azubis in der Ausbildung. Doch bis sie voll einsatzfähig sind, dauert es bis zu fünf Jahre. Überdies ist es nicht einfach, geeignete Kandidaten zu finden. Sie müssten „ein gutes Zeitgefühl haben, mathematisch talentiert und sehr stressfest sein“, so Scheurle. Dieses Jahr sollen gut 120 Neue hinzukommen. Doch um die Richtigen zu finden, braucht es rund 5000 Bewerber. Für nächstes Jahr müssten sogar 7500 Bewerber ihre Unterlagen an die DFS schicken, dann sollen 146 Nachwuchskräfte ihr Training beginnen.

Beim Thema Rekrutierung sieht Scheurle sein Unternehmen, das dem Bund gehört, „zwischen Baum und Borke“: Denn zum Personalaufbau kommt, dass die Flugsicherung zugleich sparen soll. Die EU-Kommission hat vorgegeben, dass die Gebühren, die Airlines für die Flugsicherung zahlen, im nächsten Jahrfünft um knapp zwei Prozent per annum sinken. Das sei eine politische Vorgabe, so der DFS-Chef. Brüssel will damit Kosten für die Fluggesellschaften senken.

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