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Lohnsteuererklärung: So erhöhen Sie mit einem Antrag das Netto-Gehalt

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Von: Niklas Kirk

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Steuerentlastung
Zum Ausgleich der kalten Progression plant die Bundesregierung den Grundsteuerfreibetrag anzuheben. © Christin Klose/dpa-tmn

Ein Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung kann kurzfristig zu mehr Liquidität verhelfen. Möglich macht dies eine Erhöhung des Freibetrags.

Frankfurt – Um die kriegs- und inflationsbedingten Teuerungen zumindest kurzfristig abmildern zu können, sprang zunächst vor allem der Staat in Form von Entlastungspaketen für die Bürger:innen ein. Doch für Arbeitnehmer:innen bieten sich darüber hinaus Möglichkeiten, kurzfristig zu mehr Nettoeinkommen zu gelangen. Möglich macht es eine Lohnsteuer-Ermäßigung.

Dabei müssen die Beschäftigten einen Antrag beim Finanzamt stellen. Bei Bewilligung des Antrags können Steuer-Freibeträge kurzfristig erhöht werden, indem Aufwendungen verrechnet werden, die erst bei zukünftigen Steuererklärungen zu Buche schlagen würden. Die Freibeträge, die den individuellen Bedürfnissen in der Höhe angepasst werden können, sind dann bis zu zwei Jahre gültig. Es ist jedoch zu bedenken, dass in diesem Fall, spätere Erstattungen im Rahmen der Steuererklärung wohl geringer ausfallen werden.

Lohnsteuererklärung: So hat Ihr Antrag Aussicht auf Erfolg

Um unmittelbar vom Freibetrag profitieren zu können, ist der Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung bis spätestens Ende November 2022 beim zuständigen Finanzamt anhand des amtlichen Vordrucks oder via Elster zu stellen. Alternativ kann auch ein Antrag für 2023 gestellt werden. Nach der Genehmigung führen Arbeitgeber:innen dann bis zu 24 Monaten den reduzierten Lohnsteuerbetrag ab.

Bei Antragstellung ist jedoch darauf zu achten, welche Aufwendungen geltend gemacht werden können und ob sie einem Mindestbetrag unterliegen.

Lohnsteuererklärung: Mindestbeträge und Kategorien, diese Dinge sind bei Antragsstellung zu beachtet

Welche Ausgaben können also im Antrag geltend gemacht werden? Der Freibetrag kann grundsätzlich für Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Wichtig ist zu beachten, dass für die meisten Aufwendungen Ausgaben von mindestens 600 Euro nachzuweisen sind.

Zu Werbungskosten, die im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen müssen, zählen beispielsweise:

Zum Bereich der Sonderausgaben zählen unter anderem:

Auch weitere außergewöhnliche Belastungen, die steuerpflichtige Personen tragen mussten, können berücksichtigt werden. Dazu zählen beispielsweise:

Lohnsteuererklärung – Dienstleistungen im Haushalt ab dem ersten Euro anrechenbar

Die Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen in Privathaushalten unterliegen dagegen keinem Mindestbetrag, sind in ihrer Höhe jedoch gedeckelt. Bei Arbeiten durch Handwerker:innen beträgt der Steuerrabatt maximal 20 Prozent der tatsächlichen Gesamtausgaben, mit einer Höchstgrenze von 1200 Euro. Als Freibetrag werden laut Finanztip höchstens 4800 Euro, zum Beispiel vier Dienstleistungen á 1200 Euro festgesetzt.

Bei den haushaltsnahen Dienstleistungen wie Wohnungsreinigung, Gartenpflegearbeiten oder die Versorgung und Betreuung von Haustieren ist der Betrag gar auf 510 Euro begrenzt, bei einem Höchstbetrag von 2040 Euro.

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Zur Ermittlung des Freibetrags existieren mehrere Rechenmodelle © Christin Klose/dpa-tmn

Lohnsteuererklärung: Höhere Freibeträge für 2022 nur noch bis Ende November

Wie bereits erwähnt, müssen zur Festlegung des neuen Freibetrags in bestimmten Fällen Mindestausgaben in Höhe von 600 Euro in den Kategorien Werbungskosten, Sonderausgaben und Ausgaben für außergewöhnliche Belastungen nachgewiesen werden. Von den Gesamtausgaben, die von Antragstellenden geltend gemacht werden, zieht das Finanzamt bei den arbeitsbezogenen Werbungskosten den Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag von 1200 Euro ab. 

Kann eine steuerpflichtige Person etwa Werbungskosten durch Entfernungspauschalen, Fortbildungskosten, Fachliteratur und Arbeitsmittel über 3000 Euro nachweisen, ergibt sich ein Freibetrag von 1800 Euro. Dies würde steuerrechtlich zu folgenden Abzügen von der Lohnsteuer führen, abhängig vom Antragszeitpunkt:

Lohnsteuer-Ermäßigungen für 2022 können somit nur noch bis zum 30. November 2022 gestellt werden. Dies könnte sich etwa für die Arbeitnehmenden lohnen, die im Dezember noch Jahressonderzahlungen erwarten.

Lohnsteuererklärung: Bei Änderung der Lebensverhältnisse besteht Mitteilungspflicht

Zu guter Letzt ergeben sich aus einem bewilligten Antrag Pflichten für die Antragstellenden. So muss bei einem gewährten Antrag, verpflichtend eine Steuererklärung für das Jahr der Bewilligung eingereicht werden.

Außerdem müssen Änderungen von Umständen, die zur Bewilligung des Antrags geführt haben, dem Finanzamt unverzüglich mitgeteilt werden. Dies könnte etwa eintreten, wenn Unterhaltszahlungen nicht mehr geleistet werden müssen, oder die Aufwendungen für die Erstausbildung eines Kindes nicht mehr getragen werden. (nki)

Ein weiteres großes Steuerthema ist die abzugebende Grundsteuererklärung. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts setzt die Eigentümer:innen von Wohnraum unter Zugzwang.

 

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