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Derzeit weiß der Fernsehgerätehersteller Loewe nicht einmal, ob es nach dem kommenden Montag noch einen Service für Händler und Kunden mit Ersatzteilen oder elektronischen Updates für die modernen Internetfernseher geben wird.

Analyse

Loewe abgeschaltet

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Der fränkische TV-Hersteller Loewe muss den Betrieb einstellen. Welche Rolle spielt dabei der Finanzinvestor Riverrock?

Wer den Markt für Unterhaltungselektronik und speziell den für Fernsehgeräte kennt, für den ist die neuerliche Pleite der fränkischen Traditionsfirma Loewe wahrlich keine Überraschung. Lange schon dominieren asiatische Großkonzerne wie Samsung, LG oder Panasonic die TV-Weltmärkte. Wenn bei Loewe in Kronach aber nun kommenden Montag 96 Jahre nach Gründung möglicherweise endgültig die Lichter ausgehen, gilt es dabei auch einige Auffälligkeiten zu beachten.

Nach einer ersten Pleite 2013, als bei Loewe noch gut 1000 Leute beschäftigt waren, hatten sich die Kronacher erst mühsam wieder berappelt. 2017 wurden operativ schwarze Zahlen ausgewiesen. Aber die Franken brauchten Geld für Investitionen, das Banken nicht mehr gaben. Schließlich hatte der britische Finanzinvestor Riverrock einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag als Darlehen zur Verfügung gestellt – für einen Zins von 20 Prozent.

Diese Zinszahlungen haben Loewe wie ein Mühlstein um den Hals gehangen, sagen Insider. Als dann 2018 speziell in der Loewe-Domäne hochpreisiger und großformatiger Fernseher der Preisverfall eskalierte und bei Loewe massive Umsatzeinbrüche die Folge waren, war die nächste Talfahrt perfekt. Um schwarze Zahlen zu schreiben seien 180 Millionen Euro Umsatz nötig gewesen, tatsächlich habe Loewe aber nur 110 Millionen Euro geschafft, hat Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß klargestellt.

Dieser hat auch verraten, dass sich Riverrock die Markenrechte am Namen Loewe habe verpfänden lassen und die Pleitefirma darauf keine Zugriffsrechte mehr hat, was die Lage der Kronacher noch hoffnungsloser macht. Ohne den Namen Loewe verliert der Betrieb für jeden potenziellen Interessenten entscheidend an Bedeutung. Zehn solcher Interessenten soll es bis zuletzt immerhin noch gegeben haben.

Die IG Metall glaubt, dass Riverrock ein böses Spiel spielt und fühlt sich an den baden-württembergischen Küchenhersteller Alno erinnert. Auch beim dortigen Pleitefall 2017 war Riverrock als Investor und Hauptgläubiger mit von der Partie. Auch Alno habe Riverrock pleitegehen lassen, um kurze Zeit später kleine Teile der Belegschaft bei einem Viertel weniger Lohn und einer 40 Stunden-Woche ohne Tarifbindung wieder zurückzuholen, erinnern Gewerkschafter. Sie vermutet, dass sich ähnliches nun bei Loewe wiederholen könnte und Alno für das Vorgehen als Blaupause dient. Denn ohne Markenrechte hat niemand außer Riverrock eine Chance auf Wiederbelebung von Loewe.

Zugleich ist klar, dass dieses Szenario vermutlich noch das beste denkbare wäre. Die Alternative ist ein Schicksal wie das der anderen deutschen TV-Ikone Grundig, wo nur der Name überlebt hat und Fernseher dieser Marke in der Türkei gebaut werden. Damit ist die Chance groß, dass der 1923 in Berlin gegründete fränkische Traditionsbetrieb als selbst entwickelndes und produzierendes Unternehmen endgültig untergeht und die Bildschirme in Kronach für immer schwarz bleiben.

Für gut 400 Beschäftigte ist nicht einmal mehr Geld für eine Transfergesellschaft da, weil Riverrock einen Massekredit verweigert, der auch Zeit für eine Investorensuche erkauft hätte. Derzeit weiß Loewe nicht einmal, ob es nach dem kommenden Montag noch einen Service für Händler und Kunden mit Ersatzteilen oder elektronischen Updates für die modernen Internetfernseher geben wird.

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