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Mehrmals im Monat steht das Team der Verbraucherzentrale für einen Webitipp vor der Kamera

Verbraucher-Beratung

Locker die Finanzwelt erklärt

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Handyverträge, Ratenkäufe, Versicherungen ? viele Flüchtlinge sind mit solchen Themen überfordert. Die Verbraucherzentrale vermittelt auf Facebook in Arabisch, worauf es ankommt.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Debit- und einer Kreditkarte? Welche Versicherungen brauche ich wirklich? Wann habe ich bei gekauften Waren ein Umtauschrecht – und wann nicht? Das alles sind Fragen, die auch viele Deutsche nicht so leicht beantworten können. Wie soll es da Ausländern gehen, die sich in ihren Heimatländern noch niemals mit solchen Dingen beschäftigen mussten?

Im Zuge der Flüchtlingskrise bemerkte die Verbraucherzentrale Saarland, dass viele in Deutschland ankommende Menschen mit solchen Fragen vollkommen überfordert waren. „Wir haben gesehen, dass viele Flüchtlinge sich über unseriöse Quellen informierten und die falschen Informationen dann auch sehr schnell über soziale Medien die Runde machten“, sagt Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland. Er verantwortet gemeinsam mit Michael Preßer vom Filmstudio Framekit in Saarbrücken das Projekt Webitipp, in dem deutsch- und arabischsprachigen Zuschauern Verbraucherthemen einfach erklärt werden.

Webitipp startete im Sommer 2017 und wird von der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz in Berlin finanziell gefördert. Mehrmals im Monat steht Beutler oder ein anderer Experte einer deutschen Verbraucherzentrale vor der Kamera und erklärt etwa, worauf man beim Abschluss eines Wohnungsmietvertrags achten sollte, wie man gesund und fit durch den Ramadan kommt, warum man auf Online-Trading-Portalen oft abgezockt wird und warum eine Handyversicherung überflüssig ist. An ihrer Seite steht meistens der Syrer Mwoloud Daoud, der seit 2014 in Deutschland lebt und schon in seinem Heimatland als Schauspieler und Regisseur aktiv war. Alles, was die deutschen Experten sagen, übersetzt er – oder ab und an ein anderes Teammitglied – ins Arabische.

Präsentiert wird das ganze über das soziale Netzwerk Facebook. „Die Verbraucherzentrale sieht Facebook zwar grundsätzlich kritisch. Aber für uns ist es so nun einmal am leichtesten, die Zielgruppe zu erreichen. Die Flüchtlinge sind sehr stark auf Facebook miteinander vernetzt“, erklärt Beutler.

Die Clips bestehen nicht aus einem steifen Erklären und Übersetzen – so würde man die Zuschauer, die vor allem zwischen 25 und 34 Jahren alt sind, kaum bei der Stange halten. Statt dessen findet viel Interaktion statt. Die Nutzer können Fragen zu bestimmten Themen auf Deutsch oder Arabisch einsenden, die dann live auf Facebook beantwortet werden. Zudem wird das Thema sehr locker und oft humorvoll präsentiert. Das Team dreht auch nicht nur im Studio, sondern geht viel auf die Straße und befragt auch schon mal Passanten.

„Wir wachsen kontinuierlich“, sagt Beutler. Inzwischen habe Webitipp 15.000 Abonnenten bei Facebook. „Durchschnittlich erreichen wir mit jedem Clip aber um die 50.000 Zuschauer“, so Beutler. Verbraucherthemen scheinen allerdings eher Männer anzusprechen – nur 23 Prozent der Webitipp-Zuschauer sind Frauen.

Ende Februar läuft die Förderung des Projekts durch die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz aus, Beutler ist aber optimistisch, dass es eine Verlängerung geben wird. Er hat auf jeden Fall schon Ideen über diese Zeit hinaus. „Wir würden gerne zeigen, was die einzelnen Verbraucherzentralen für Dienstleistungen für Migranten anbieten“, sagt er. Die Verbraucherzentrale Hessen etwa biete kostenlose Beratungen samt Dolmetscher an, die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen arabischsprachige Schulungen speziell für Flüchtlingsgruppen zu bestimmten Verbraucherthemen. „Wir würden mit unserem Team gerne zu solchen Angeboten hinfahren und sie bekannt machen“, sagt Beutler.

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