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Erstes LNG-Terminal geht in Betrieb - zuviel Flüssiggas für Deutschland?

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Von: Andreas Niesmann

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Das erste deutsche Importterminal für Flüssigerdgas ist eröffnet. Der Industrieverband BDI sieht die Gefahr eines Gasmangels noch nicht gebannt.

Berlin – Anlässlich der Inbetriebnahme des ersten deutschen Flüssiggas-Terminals warnt der Industrieverband BDI vor übertriebener Euphorie und mahnt, das hohe Ausbautempo jetzt beizubehalten. „Die Inbetriebnahme des ersten deutschen Flüssiggasterminals kann nur der Anfang sein. Mit dem neuen Terminal ist die Gefahr einer Gasmangellage noch längst nicht gebannt“, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Damit die Energieversorgung in Deutschland sicher bleibt, ist die zügige Inbetriebnahme der weiteren geplanten Terminals unabdingbar“, fügte er hinzu.

Vor dem Hintergrund des Wegfalls russischer Pipeline-Lieferungen infolge des Ukraine-Krieges spiele per Schiff angeliefertes Flüssiggas (LNG) bei der Befüllung der Speicher eine zentrale Rolle. „Der Ausbau der dafür nötigen Infrastruktur muss jetzt in einem gleichbleibend hohen Tempo weitergehen“, forderte Russwurm. „Darüber hinaus bleibt es unerlässlich, dass Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger weiterhin Gas einsparen.“

Das Spezialschiff „Höegh Esperanza“ wird angelegt. Sie wird als schwimmende Plattform dienen, um LNG anzulanden und zu regasifizieren.
Das Spezialschiff „Höegh Esperanza“ wird angelegt. Sie wird als schwimmende Plattform dienen, um LNG anzulanden und zu regasifizieren. © dpa

LNG-Terminal: Wilhelmshaven erste von mehreren Standorten

Im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) soll an diesem Samstag das erste schwimmende LNG-Terminal in Wilhelmshaven in Betrieb gehen. Das Land Niedersachsen erteilte am Freitag die letzte noch ausstehende wasserrechtliche Erlaubnis.

Wilhelmshaven ist der erste von mehreren Standorten an der deutschen Küste, die für den Import von verflüssigtem Erdgas vorgesehen sind. Weitere sollen in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein), Stade (Niedersachsen) und Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) entstehen. Zunächst wollen die Betreiber mit schwimmenden Entlade- und Regasifizierungsanlagen arbeiten. In Wilhelshaven kommt das Spezialschiff „Höegh Esperanza“ zum Einsaz, das der Energieversorger RWE im Auftrag der Bundesregierung für mindestens zehn Jahre gechartert hat. Bis 2026 sollen in Wilhelmshaven, Stade und Lubmin zudem feste Terminals an Land entstehen.

Umweltgruppen kritisieren, dass mit den derzeit geplanten acht schwimmenden und drei festen Terminals massive Überkapazitäten installiert würden. Das Klimainstitut Köln warnte, dass der geplante Bau von elf LNG-Terminals an den Küsten Deutschlands weit über den Bedarf hinaus gehe und zu teuer für den Steuerzahler wird.

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