Volkswagen

Lkw-Chef muss gehen

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Mitten in der Corona-Krise und vor einem massivem Stellenabbau wechselt VW die Spitze der mächtigen Nutzfahrzeugsparte aus. Traton-Vorstandsboss Andreas Renschler hatte sich Feinde gemacht.

Nach einem Zerwürfnis mit Managerkollegen und dem Betriebsrat war der Abgang von Traton-Chef Andreas Renschler beschlossene Sache. Dennoch ist es ein Paukenschlag, dass der 62-Jährige nun schon in einer Woche aus allen Ämtern scheidet. Es geschehe „im besten gegenseitigen Einvernehmen“, erklärten der Traton-Aufsichtsrat und Konzernmutter VW. „Andreas Renschler hat maßgeblichen Anteil an dem erfolgreichen Kurs, den Traton eingeschlagen hat“, lobte Hans Dieter Pötsch als Traton-Oberaufseher.

Intern wurde zuletzt dagegen wenig Schmeichelhaftes über den Ex-Daimler-Manager erzählt. Mit Kollegen der Traton-Marken MAN in München und Scania in Schweden hatte Renschler es sich verdorben, als er die Lkw-Entwicklung zentralisieren und damit die Macht der Marken beschneiden wollte.

Dazu kam offener Streit mit dem MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris, der auch im übergeordneten Traton-Betriebsrat sitzt. Denn Renschler hatte behauptet, trotz des Ausbruchs der Pandemie weiter über einen Abbau von mutmaßlich 6000 Stellen bei der margenschwachen MAN zu verhandeln, was Arbeitnehmervertreter als Notwendigkeit anerkannt hätten.

In einer Zeit, wo das Coronavirus sich verbreitete und staatliche Schutzschirme über Firmen aufgespannt wurden, um Jobabbau zu verhindern, kam das beim Personal nicht gut an. Zudem war es offenbar falsch. Es werde nicht verhandelt, betonte Stimoniaris. „Wir setzen uns momentan nicht an den Tisch“, stellte er klar.

Damit hatte es sich der Mann, der Traton vor zwei Jahren an die Börse geführt hatte, intern auf allen Ebenen verscherzt. Als Traton-Chef wird er kommende Woche von Matthias Gründler ersetzt, der bis 2018 dort schon Finanzchef war und das Unternehmen kennt. Die Zuständigkeit für Lkw und Busse in der Konzernspitze übernimmt Personalvorstand Gunnar Kilian.

Mit MAN-Chef Joachim Drees muss noch ein zweiter Topmanager gehen. Auf ihn folgt der bisherige VW-Produktionschef Andreas Tostmann. Auch der Traton-Personalchef Carsten Intra scheidet aus, wechselt im Gegensatz zu Renschler und Drees aber auf einen anderen Posten zum Mutterkonzern VW. Er wird dort Chef der leichten VW-Nutzfahrzeugsparte in Hannover. Mit dem MAN-Eigengewächs Martin Rabe erhält Intra nur einen Nachfolger in seiner zweiten Funktion als MAN-Personalchef. Auf Traton-Ebene wird die Zuständigkeit für das Personal auf die verbleibenden Vorstände verteilt.

Die Personalrochaden bei Traton und MAN betreffen damit alle Schlüsselpositionen und den Personalbereich, der beim geplanten Stellenabbau spätestens nach dem Ende der Pandemie wieder im Fokus stehen dürfte. Vor allem Renschler dürfte sich seinen Abschied anders vorgestellt haben. Mit 62 Jahren könnte das Aus bei Traton sogar das Ende seiner Karriere markieren.

NordLB-Analyst Frank Schwope hält es nicht für ausgeschlossen, dass das Vorstandsbeben in der VW-Schwerlastwagensparte nur der Auftakt für weitere Veränderungen beim VW-Top-Management ist. In Wolfsburg wird seit einiger Zeit über die Zukunft von Konzernchef Herbert Diess spekuliert.

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