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Lithium in Mexiko: In der Hand des Staates

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Von: Klaus Ehringfeld

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Die Verstaatlichung der Vorkommen ist in Mexiko nicht unpopulär.
Die Verstaatlichung der Vorkommen ist in Mexiko nicht unpopulär. © IMAGO/Eyepix Group

Die Nachfrage nach Lithium wächst. In Mexiko will die Regierung kontrollieren, wer den begehrten Rohstoff aus dem Boden holt.

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador ist kein Freund der erneuerbaren Energien. Wind und Sonne gibt es im zweitgrößten Land Lateinamerikas im Überfluss, aber die entsprechende Förderung des Staates fällt sehr dürftig aus. López Obrador, als Alt-Linker mit Ideen aus den Achtzigern, setzt auf Öl und dessen Förderung. In den Bau von Raffinerien und die Erschließung der Rohölreserven fließen Milliarden, während für die Erneuerbaren die Reformgesetze zurückgedreht werden und den Privaten ihre Investitionen vermiest werden. Denn in Mexiko gilt: Nationalstolz kommt vor Klimaschutz. Das gilt in gewisser Weise auch für das „weiße Gold“ – Lithium.

Das Öl und die nationalen Reserven sind in Mexiko eine Frage der Souveränität – zumindest in den Augen der Politikerinnen und Politiker. Und so muss der Rohstoff in der Hand des Staates sein und Vorrang vor allen anderen Energieträgern haben. Die aktuelle Rohstoffkrise bedingt durch den Ukraine-Krieg und die damit einhergehenden hohen Preise scheinen López Obrador und anderen ähnlich denkenden Machthabern Recht zu geben.

Vor allem sieht es der Präsident höchst ungern, wenn sich Ausländer im mexikanischen Energiemarkt engagieren. Er wirft ihnen pauschal Raffgier und eine Korruptionskultur vor. Das weiße Gold wecke „Ehrgeiz bei den Großmächten und der Großindustrie“, weil es ein strategisches Mineral für die Entwicklung der Zukunft sei, dozierte López Obrador. Und so setzte Mexikos Präsident beim Lithium fort, was er bei Öl und Strom begonnen hatte.

Lithium in Mexiko: Für Elektroautos unerlässlich

Ende April verabschiedete der mexikanische Kongress im Handumdrehen ein Gesetz, das die Vergabe von Konzessionen an private Unternehmen zur Lithiumgewinnung verbietet. Der für Elektroautos unerlässliche Rohstoff darf in Mexiko künftig nur noch von staatlichen Stellen gefördert und verkauft werden. Noch wird in dem Land gar kein Lithium gewonnen. Allerdings wurden bereits eine Reihe von Konzessionen vergeben, die bislang aber größtenteils nicht genutzt werden. Die Regierung will alle Verträge überprüfen und gegebenenfalls kündigen. Das am weitesten vorangeschrittene Projekt wird von dem chinesischen Unternehmen Ganfeng-Lithium im nördlichen Bundesstaat Sonora betrieben.

Die Regierung verkaufte die präventive Verstaatlichung dieses Bodenschatzes als einen „historischen Schritt“, der vergleichbar sei mit der Nationalisierung des Erdöls im Jahr 1938. Aber anders als beim Öl damals ist die Verstaatlichung beim Lithium heute in gewisse Weise vorauseilender Gehorsam. Noch gibt es keine klar ausgemachten Lagerstätten, wo gefördert werden könnte. Und die Pläne zur Gründung einer halbstaatlichen Gesellschaft, die mit der Tätigkeit betraut werden soll, sind begleitet von Zweifeln an der technischen Kapazität.

Nachfrage nach Lithium steigt rasant

Die Nachfrage nach Lithium könnte sich laut einer Studie in den kommenden 35 Jahren verfünffachen. Die Ionen aus den Salzen des Alkalimetalls sind unerlässlich für den Transport der elektrischen Ladung in den meisten modernen Hochleistungs-Akkus und daher vor allem für den boomenden Elektrofahrzeuge-Markt notwendig. Nach Angaben der Weltbank müsste die Produktion des Minerals bis 2050 um 500 Prozent steigen, um die Nachfrage zu decken.

Über wie viel Lithium Mexiko wirklich verfügt, ist nicht klar. Die Regierung behauptet, die Vorkommen könnten zu den „größten der Welt“ gehören. Senator Alejandro Armenta von der Regierungspartei Morena behauptete sogar, dass mit den Gewinnen aus dem Abbau des Lithiums große Teile der Auslandsschulden des Landes getilgt werden könnten. „Der Autobauer Tesla wird sein Lithium nicht mehr in China kaufen, sondern in Mexiko“, prognostizierte Armenta.

Trotz der großen Hoffnungen, die in das weiße Gold gesetzt werden, ist Mexiko bisher ein unbedeutender Akteur auf dem Lithium-Markt. Nach Angaben der Wissenschaftsbehörde „United States Geological Survey“ (USGS) steht Mexiko lediglich an zehnter Stelle der Länder mit den größten Reserven der Welt. Die in Mexiko bisher nachgewiesenen Mengen belaufen sich auf 1,7 Millionen Tonnen, das entspricht 2,3 Prozent der weltweiten Vorkommen. Demgegenüber haben der Weltmarktführer Bolivien 21 Millionen Tonnen an Reserven nachgewiesen. In Argentinien sind es noch 19 Millionen Tonnen.

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