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Linde zieht Fusion durch

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Der Münchner Traditionskonzern Linde hat einen Fusionsvertrag mit seinem US-Rivalen Praxair unterzeichnet.
Der Münchner Traditionskonzern Linde hat einen Fusionsvertrag mit seinem US-Rivalen Praxair unterzeichnet. © Nicolas Armer (dpa)

Der Münchner Traditionskonzern Linde hat einen Fusionsvertrag mit seinem US-Rivalen Praxair unterzeichnet.

Der Münchner Traditionskonzern Linde hat einen Fusionsvertrag mit seinem US-Rivalen Praxair unterzeichnet. Zuvor hatte in einer mehrstündigen und mutmaßlich kontroversen Sitzung des Aufsichtsrats das Gremium für die heftig umstrittene Firmenehe gestimmt, teilte der Industriegasehersteller in München mit.

In welchem Ausmaß es Gegenstimmen gab, ließ das Unternehmen vorerst offen. Betriebsrat und die beiden Gewerkschaften IG Metall sowie IG BCE hatten sich im Vorfeld massiv gegen das als Fusion unter Gleichen angekündigte Vorhaben gewehrt. Mit einem Vollzug der Fusion rechnet Linde in der zweiten Jahreshälfte 2018. Sollte es dazu kommen, wandert der Firmensitz des fusionierten Unternehmens steuerlich ins irische Dublin.

Heißen wird der dann neue Weltmarktführer bei Industriegasen zwar wie bisher Linde. Geführt wird er aber von Danbury im US-Bundesstaat Connecticut aus, dem Firmensitz von Praxair, und er wird auch an der US-Börse notieren. Chef der neuen Linde soll Praxair-Chef Steve Angel werden. Den Finanzchef als Nummer zwei des Managements stellt ebenfalls Praxair.

Den Vorsitz des Verwaltungsrats soll der heutige Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle übernehmen. Dieser Posten ist gegenüber einem deutschen Aufsichtsratschef mit größer Machtfülle ausgestattet und auch besser bezahlt. Für Bayerns IG Metall-Chef Jürgen Wechsler ist die Fusion in Wahrheit eine unfreundliche Übernahme durch Praxair.

Die deutsche Mitbestimmung sei gefährdet. Außerdem ist per Fusion eine Kostenersparnis von 1,1 Milliarden Euro geplant, die binnen drei Jahren erreicht sein soll. Europaweit seien bis zu 10 000 Jobs gefährdet, warnen deshalb Arbeitnehmervertreter. Das fusionierte Unternehmen hätte Stand heute einen Börsenwert von 66 Milliarden Euro und gut 90 000 Beschäftigte, die 27 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten. In Deutschland arbeiten derzeit rund 8 000 Leute. Damit die Fusion vollzogen werden kann, braucht es unter anderem noch die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden.

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