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Das Wappen des Liechtensteiner Fürsten hauses: Erbprinz Alois will das Image des Zwergstaats aufpolieren.

Semi-legale Steueroase

Liechtenstein lenkt ein

Das Fürstentum will künftig mit ausländischen Steuerbehörden kooperieren, die Details sind aber unklar.

Von ESKE HICKEN, ANNA SLEEGERS UND ROBERT VON HEUSINGER

Erbprinz Alois hat genug. Er will das Fürstentum Liechtenstein nicht mehr auf eine semi-legale Steueroase im Herzen Europas reduziert sehen. Künftig, so kündigte er in seiner Rede zum gestrigen Nationalfeiertag in Vaduz an, werde der Alpenstaat daher mit ausländischen Steuerbehörden kooperieren.

Der Erbprinz, seit 2004 offizieller Stellvertreter des Landesfürsten Hans-Adam II, will das "System der Rechts- und Amtshilfe im Bereich der Steuern auf eine neue Grundlage" stellen. Auf Details ging er jedoch nicht ein.

Berlin reagierte zurückhaltend auf die Ankündigung. "Wir nehmen das zur Kenntnis und warten auf die Taten, die folgen", sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

In Liechtenstein sorgte die Rede dagegen für Aufsehen. Paul Vogt, Abgeordneter der Oppositionspartei Freie Liste Liechtenstein sprach von einer "Kehrtwendung". "Dass es ein grundsätzliches Entgegenkommen gegenüber ausländischen Behörden gibt, ist ein großer Fortschritt." Allzu hart werde Liechtenstein ausländische Steuerhinterzieher aber vermutlich auch künftig nicht anpacken. "Man wird sicher alles unternehmen, um die ausländische Kundschaft nicht zu verunsichern und das Ganze abzufedern", sagte er.

Liechtensteins ehemaliger Regierungschef Mario Frick sieht die Schweiz als Vorbild für Liechtenstein. Die Eidgenossen leisten im Fall von Steuerhinterziehung ausländischen Behörden Amtshilfe - aber nur bei konkreten Anfragen. "Jede Lösung im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung muss sich an einem bewährten System wie dem der Schweiz orientieren", sagte Frick der FR. Dass Liechtensteiner Behörden künftig unaufgefordert Informationen über nicht gemeldete Konten weitergeben könnten, hält er dagegen für abwegig. "Privatsphäre und Datenschutz werden in einem solchen Fall mit Füßen getreten." Auch eine Lockerung des Bankgeheimnisses vergleichbar mit der Praxis in Deutschland lehnt Frick ab: "Gläserne Konten sind gegen unsere Tradition."

Seit Jahren liegt das Fürstentum mit seinem verschwiegenen Banksystem mit vielen europäischen Nachbarn im Clinch. Der Streit mit dem deutschen Finanzministerium ist eskaliert, nachdem Daten von deutschen Kunden der LGT Bank und der Liechtensteinischen Landesbank auftauchten, die offenbar hohe Summen am Finanzamt vorbeigeschleust haben, um sie im Fürstentum anzulegen.

Der Skandal stellt die Fürstenfamilie in doppelter Hinsicht vor eine schwierige Situation. Erstens hängt sie als Besitzerin der LGT Bank mitten in der Geschichte drin. Das Institut musste bereits einräumen, dass der Steuerskandal sich negativ auf das Geschäft mit wohlhabenden Privatkunden ausgewirkt hat. Zweitens ist die florierende Finanzbranche die Wiege des großen Wohlstands, zu dem der einst bettelarme Zwergstaat nach dem zweiten Weltkrieg kam.

Erbprinz Alois versuchte den Untertanen den neuen Kurs trotzdem schmackhaft zu machen: Eine verstärkte Zusammenarbeit in Steuerfragen berge auch die Chance für die Banken, mit Onshore-Dienstleistungen - also nach internationalen Recht legalen Geschäften - zu wachsen.

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