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Treibjagd auf Wildschweine und anderes Wild rund um die Saalburg im Taunus.

Fleischkonsum

Lieber Reh statt Rind

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Die Massentierhaltung belastet das Klima. Wer Wild statt Huhn oder Schwein isst, kann sein ökologisches Gewissen entlasten.

Die Klimadebatte ist in den vergangenen Monaten ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Und damit auch das Thema Fleischkonsum. Denn belegt ist, dass die weltweit große Fleischlust für den Klimawandel mitverantwortlich ist. Zum einen entstehen direkt durch die Viehhaltung Emissionen, vor allem Methan und Lachgas durch Rinderhaltung. Zum anderen trägt der Fleischkonsum aufgrund des hohen Bedarfs an Soja als Futtermittel zur Rodung von Urwäldern und der Zerstörung von Ökosystemen und natürlichen Ressourcen bei.

Im Blick haben Kritiker dabei allerdings vor allem den Verzehr von Tieren aus Massentierhaltung, also hauptsächlich Hühner, Rinder und Schweine. Wäre es daher vielleicht eine Option, einfach auf Wild umzusteigen und künftig mehr Hase, Wildschwein und Reh zu verspeisen?

Das Angebot von Wild in den Geschäften ist heute meist gering. In den Discountern und Supermärkten dominiert Fleisch aus konventioneller Massentierhaltung. In kleineren Fachbetrieben und Metzgereien sieht es wenig anders aus, wobei der Anteil biologischer und nachhaltiger Erzeugung allmählich zunimmt. Auch in mancher Markthalle findet sich neben vielen normalen Schlachtern vielleicht auch mal einer, der sich auf Wild spezialisiert.

Eigentlich erstaunlich. Angesichts der lauter werdenden Debatte über politisch und moralisch akzeptable Lebensstile könnte der Verzehr von Wildfleisch doch vielleicht einen Ausweg bieten. Wer Reh und Hirsch brät, muss sich schließlich nicht dafür rechtfertigen, dass der Regenwald im Amazonas für Soja-Kraftfutter-Plantagen abgeholzt, die Gülle aus den hiesigen Mast-ställen das Grundwasser schädigt und die Abgase die Erdatmosphäre aufheizen.

„Grundsätzlich kann es sinnvoll sein, einen Teil des Fleischkonsums durch Wild zu ersetzen“, sagt Katrin Wenz vom Umweltverband BUND. Maximilian Hofmeier, der beim Umweltbundesamt (UBA) arbeitet, sieht es ähnlich: „Die Annahme, dass der ökologische Fußabdruck beim Konsum von Wildfleisch geringer ist als beim Verzehr aus konventioneller Haltung und Produktion, erscheint plausibel.“ Wissenschaftliche Studien dazu lägen allerdings nicht vor, schränkt er ein.

Max Weichenrieder betreibt in Bayern ein Gehege für Sikawild, einer Hirschart. Ein männliches Tier sowie 14 Hirschkühe und Junge leben derzeit auf etwa zwei Hektar eingezäunten Geländes. In der Regel würden sie sich von Gras ernähren, das auf dem Grundstück wächst, so Weichenrieder. Medizinische Behandlung sei kaum nötig.

Schätzungsweise zehn Prozent des in Deutschland erlegten Wilds wächst in Gattern auf. „Der größte Teil des hierzulande produzierten Wildfleisches jedoch stammt aus der Jagd“, erklärt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. Laut dessen Statistik betrug das „Wildbretaufkommen“ in der Saison 2017/2018 rund 36 000 Tonnen Fleisch mit Knochen. Die meisten Hirsche, Rehe und Wildschweine, die hierzulande verzehrt werden, kommen also aus überwiegend natürlicher Umgebung. Sie leben im Wald und auf den Feldern, ernähren sich von dem, was sie finden – und das nicht schlecht.

Ihre Bestände entwickeln sich so gut, dass sie geschossen werden müssen, sonst nähmen sie überhand. Nicht nur aus ökologischer, auch aus ethischer Sicht kann man Wildfleisch deshalb als gute Alternative zu industriell produziertem Hühner- und Schweinefleisch betrachten.

Zum deutschen Wild kommen noch etwa 20 000 Tonnen Importe hinzu, vor allem aus Polen, aber beispielsweise auch aus Neuseeland. Hier gilt die Regel: Je weiter der Transportweg, desto schlechter die Ökobilanz.

In der Saison 2017/18 verspeisten die Bundesbürger knapp 60 000 Tonnen Wildfleisch. Das machte etwa ein Prozent des gesamten Fleischkonsums aus, der rund fünf Millionen Tonnen Schweine-, Geflügel-, Rind- und weiteres Fleisch umfasste. Pro Kopf verzehren die hiesigen Verbraucher rund 60 Kilo pro Jahr, darunter jedoch weniger als ein Kilo Wild.

Warum ist das so? Neben Gewohnheiten und Geschmacksvorlieben spielt sicher auch der Preis eine Rolle. Kann man ein Kilo Schweinefleisch aus konventioneller Haltung für etwa acht Euro kaufen, kostet Wildschwein das Doppelte. Das Fleisch ist teurer, weil die Tiere nicht in durchrationalisierten Ställen aufwachsen, die auf großen Umsatz und niedrige Kosten ausgerichtet sind.

Freilich ließe sich „der Marktanteil von Wildfleisch steigern“, sagt UBA-Experte Hofmeier – womit der Preis sinken könnte. Trotzdem werde daraus noch keine Strategie für den Massenmarkt, meint er: „Eine Substitution von Schweine-, Rind- und Hühnerfleisch bei insgesamt gleichbleibendem Konsum ist nicht möglich.“

Das liegt daran, dass sich die Wildtiere nicht für die intensive Produktion eignen. Sie müssen auf großen Flächen draußen herumlaufen. Zwar könnte man in gewissen Grenzen die Gehege vergrößern und die Anzahl der gehaltenen Tiere steigern, doch dann nähmen die ökologischen Vorteile ab. Beispielsweise zusätzliches Futter und medizinische Behandlung wären nötig.

So stellt die Substitution von konventionellem Fleisch durch Wild wohl eher eine individuelle Lösung dar, die einigen umweltbewussten Verbrauchern entgegenkommt, auch weil sie das ökologische und politische Gewissen erleichtert. Als Weg für die Gesellschaft kommt sie nicht in Frage – da hilft es vermutlich eben doch nur, den Fleischkonsum insgesamt zu verringern.

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