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Die Eingriffe in die Landschaft sind unübersehbar.

Analyse

Lieber Sonne statt Wind

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Der weitere Ausbau der Erneuerbaren ist zwingend - doch er muss besser mit dem Naturschutz in Einklang gebracht werden.

Die Energiewende im Elektrizitätssektor kommt in eine kritische Phase. Einerseits ist sie eine unerwartete Erfolgsgeschichte, bereits fast 40 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms stammen inzwischen aus erneuerbaren Quellen. Andererseits wächst vielerorts der Bürgerprotest wegen einer „Verspargelung“ der Landschaft und anderen Naturschutz-Problemen durch den Bau von Windrädern, Solaranlagen und die Nutzung von Feldern für Agrosprit-Pflanzen. Das Bundesamt für Naturschutz (BFN) in Bonn hat die Lage nun analysiert. Sein Fazit: Der weitere Ausbau der Erneuerbaren ist zum Erreichen der Klimaziele und auch zum Schutz der Arten und Lebensräume vor den Folgen des Klimawandels „zwingend erforderlich“, doch er muss besser geplant werden – und vor allem stärker auf Solarenergie in den Städten setzten.

Die Eingriffe in die Landschaft sind unübersehbar. Bundesweit sind knapp 30.000 Windkraftanlagen an Land installiert, über 1,7 Millionen Solaranlagen liefern Strom von Hausdächern oder Freiflächen, Energiepflanzen für Biogas und Agrosprit werden auf 2,4 Millionen Hektar Ackerland angebaut – immerhin rund ein Fünftel der landwirtschaftlichen Fläche. Angesichts dieser Zahlen postulierte BFN-Präsidentin Beate Jessel bei der Vorstellung des „Erneuerbare Energien Reports“ ihres Amtes: „Die Energiewende muss natur- und umweltverträglich erfolgen.“ Tatsächlich steht der Hauptteil des Umbaus im Stromsystem ja noch bevor. Der Erneuerbaren-Anteil soll laut Bundesregierung bis 2030 auf 65 und bis 2050 auf 80 Prozent steigen.

Das Bundesamt verweist darauf, dass die Verbreitung von Wind- und Solaranlagen nicht nur die Landschaftsbilder verändert, sondern auch Risiken für bestimmte Tierarten mit sich bringt. Kritisch wird notiert, dass für die Erneuerbaren zunehmend naturnahe Flächen wie Wälder oder bisher extensiv genutztes Grünland in Anspruch genommen werden. Das „Schutzgut Landschaft“ müsse daher künftig in den Planungs-und Genehmigungsverfahren stärker berücksichtigt werden. Das Ziel: Naturnahe Landschaften, wie Schutzgebiete oder Wälder mit altem Baumbestand sollten „ohne technische Überprägung“ erhalten bleiben.

Um die Konflikte zu minimieren, ist laut dem Bundesamt ein stärkerer verbrauchsnaher Ausbau der Erneuerbare-Anlagen nötig - und das funktioniert bekanntermaßen vor allem mit Solarenergie, die auf Hausdächern oder anderen bereits versiegelten Flächen genutzt wird. Das BFN plädiert daher dafür, sie vorrangig auszubauen, vor allem in den Ballungsgebieten, wo der Strom auch gebraucht wird - und zwar auch auf Mietshäusern. Das Mieterstrom-Modell aus dem EEG sei deswegen weiterzuentwickeln und auszubauen. Jessel: „Ein vermehrter verbrauchsnaher Ausbau kann so zum Schutz der freien Landschaft beitragen.“

Die wichtigste Empfehlungen des Amtes läuft aber darauf hinaus, Konflikte mit dem Naturschutz erst gar nicht entstehen zu lassen. Zu Recht verweist Jessel darauf, dass die Energiewende nur funktionieren kann, wenn „vorrangig“ Energieeinsparung und -Effizienz durchgeführt werden und so der Energiebedarf insgesamt gesenkt wird. Das geschieht nämlich bisher viel zu wenig, obwohl große Potenziale in allen Sektoren vorhanden sind. Am klima- und naturfreundlichsten ist bekanntlich der Strom, der gar nicht gebraucht wird.

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