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Viele Geschäftsleute steigen momentan lieber alleine in ein Taxi anstatt sich in Bussen und Bahnen unter Menschen zu begeben.

Geschäftsreisen

Lieber ein Taxi anstatt eine Busfahrt

  • Antje Mathez
    vonAntje Mathez
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Geschäftsleute achten weniger auf nachhaltiges Reisen. Grund ist vor allem die Sorge vor einer Corona-Infektion.

Die Corona-Pandemie hilft – zumindest kurzfristig – Umwelt und Klima. Auf den Straßen ist weniger Verkehr, die Industrieproduktion teilweise lahmgelegt, die Büros verwaist und ein Großteil der Flieger bleibt am Boden. Sogar der Erdüberlastungstag, der bislang schier unaufhaltsam jedes Jahr etwas früher im Kalender stand, ist in Corona-Zeiten um fast einen Monat auf den 22. August nach hinten gerutscht. Im vergangenen Jahr war er bereits am 29. Juli erreicht.

Viel deutet allerdings darauf hin, dass dieser Corona-Effekt nur ein kurzfristiger ist. Wenn die Wirtschaft wieder läuft und der Verkehr zunimmt, werden auch die Emissionen wiederkommen, warnt etwa das Umweltbundesamt (UBA). Und das womöglich in einem stärkeren Ausmaß als vor Beginn der Krise. Das legt die Doppelstudie „Chefsache Business Travel 2020“ des Deutschen Reiseverbands (DRV) nahe, die kommende Woche vorgestellt wird, der Frankfurter Rundschau aber bereits vorliegt. Sie zeigt am Beispiel von Geschäftsreisen, dass das Thema Nachhaltigkeit in den Unternehmen deutlich an Gewicht verloren hat.

Das Düsseldorfer Marktforschungsinstitut mo’web hatte im Auftrag des DRV zwei Befragungen unter Geschäftsführern beziehungsweise Führungs- oder Fachkräften vorgenommen – eine zu Beginn des Jahres und eine im Mai. Die Ergebnisse: Gaben Anfang Januar noch 91 Prozent der befragten Geschäftsreisenden an, dass ihnen eine umweltfreundliche Reiseverbindung „wichtig“ oder „sehr wichtig“ sei, erklärten im Mai mehr als die Hälfte, dass unterwegs künftig weniger Wert auf Nachhaltigkeit gelegt werden wird. Immerhin 36 Prozent sind noch davon überzeugt, dass die Bedeutung steigen, und elf Prozent glauben, dass sich nichts verändern wird.

Grund für die Verschiebung der Prioritäten ist die Sorge vor einer Corona-Infektion. So gaben 92 Prozent der im Mai Befragten an, sich „deutlich unsicherer“ oder „etwas unsicherer“ bei Geschäftsreisen zu fühlen.

Auf die Frage, was getan werden müsste, um das erschütterte Sicherheitsempfinden zu stärken, fordert mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Manager, dass in Flugzeug oder Bahn auf die Einhaltung des notwendigen Sicherheitsabstands geachtet werden muss, auch wenn dadurch Sitzplätze frei bleiben. 33 Prozent wünschen sich, dass bei der Sitzplatzbuchung ersichtlich ist, welche Sitzplätze vor, neben und hinter den von ihnen reservierten Plätze frei gehalten werden und 40 Prozent erwarten, das an die Reisenden Mund-Nasen-Schutz verteilt wird. Da aber weder Bahn noch Fluggesellschaften Anstalten machen, zugunsten der Abstandsregeln auf die Vollbesetzung ihrer Züge und Flieger zu verzichten, ist auch die Bereitschaft der Manager stark gesunken, auf ihren ökologischen Fußabdruck zu achten.

So werden künftig 26 Prozent deutlich weniger Wert auf eine klimafreundliche Anreise legen, 28 Prozent sagen, dass sie künftig seltener vorhaben, statt eines Taxis den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und 24 Prozent geben an, deutlich weniger darauf zu achten, sich bei kurzen Strecken vor Ort möglichst emissionsfrei zu bewegen.

„Geschäftsreisende wollen auch unterwegs kein Infektionsrisiko eingehen und setzen deshalb stärker auf den Individualverkehr als vor der Pandemie. Damit hat sich der Wettbewerb zwischen Straße und Schiene erneut verschärft“, sagt Florian Storp, Vorsitzender des Ausschusses Business Travel im DRV.

Da hilft nur eins: Es wie die zwölf Prozent der Befragten halten, die Reisen erst wieder durchführen möchten, wenn ein Impfstoff gegen das Virus verfügbar ist.

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